Der demografische Wandel ist in aller Munde. Die Zahl der Menschen, die 60 Jahre und älter sind, nimmt stetig zu. Deshalb hat der Ansbacher Seniorenbeirat die Direktkandidaten zur Landtagswahl im Stimmkreis Ansbach-Nord zum Podiumsgespräch eingeladen. Die Frage: Was macht die bayerische Politik für die Senioren?
Für den Seniorenbeirat war die Veranstaltung in der Karlshalle Neuland. Normalerweise mache man keine politischen Veranstaltungen, sagte Vorsitzender Fritz Heubeck. Man sehe es vielmehr als Informationsveranstaltung für die Senioren, erklärte er. „Wir wollen auf Themen aufmerksam machen, die Senioren am Herzen liegen“, erklärte Heubeck. „Und wir wollen wissen, wie Sie uns im Landtag vertreten.“
In der Karlshalle, die mit rund 50 Zuhörern gefüllt war, stellten sich Kathrin Pollack (SPD), Andreas Schalk (CSU), Elke Homm-Vogel (Freie Wähler) und Martin Stümpfig (Grüne) den Fragen. Die Themenbereiche waren Gesundheit, Mobilität, Wohnen, Teilhabe und Arbeit. Die Fragen waren vorher bekannt, die Kandidaten konnten sich also darauf vorbereiten.
Bei der Frage, wie man denn die Gesundheitsversorgung für Kassenpatienten verbessern kann, waren sich die Politiker im Grunde einig. Eine wohnortnahe Versorgung, etwa mit Hausärzten, sei wichtig, betonten sie. Man müsse dafür sorgen, dass mehr junge Menschen in die Medizin gehen und Anreize schaffen, dass diese sich auch im ländlichen Raum niederlassen. Schalk schränkte aber ein, dass ein Medizinstudent, der jetzt beginnt, erst in vielen Jahren als Arzt zur Verfügung steht.
Freilich kam auch die Frage auf, wie man den Klinikverbund ANregiomed erhalten könne. Stümpfig und Pollack betonten, dass die auf Bundesebene angestoßene Krankenhausreform eine Chance sein könne. Um die Kliniken in Ansbach, Rothenburg und Dinkelsbühl erhalten zu können, „wird es leider Einschnitte brauchen“, sagte Schalk. „Es muss Spezialisierungen geben. Wir werden nicht alles an allen Standorten anbieten können.“
Pollack geht persönlich nicht davon aus, dass alle Standorte erhalten werden können. Eines der Häuser rauszunehmen, sei bei der Größe des Landkreises nicht möglich, entgegnete Stümpfig. „Wir brauchen eine Grundversorgung an allen Standorten“, betonte Homm-Vogel. An welchem Ort das Schwerpunktkrankenhaus ist, „ist mir mittlerweile egal“.
Das 49-Euro-Ticket ist aus Sicht von Stümpfig und Schalk ein Erfolg. „Die Gelder, die wir reinstecken, sind enorm“, betonte Stümpfig. Zu einem 29-Euro-Ticket sagte Schalk, dass dies finanziell auch leistbar sein müsse. „Die Mobilität ist für Senioren ganz wichtig“, machte Homm-Vogel deutlich. Man sollte versuchen, das günstigere Ticket zu finanzieren. Pollack warf den Blick in die Zukunft und erklärte, dass das Ziel der SPD ein kostenloser Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) sei.
Grundsätzlich ist die Barrierefreiheit bei der Mobilität ein ganz wesentlicher Punkt, wie alle Landtagskandidaten ausführten. Der Ausbau gehe nur Stück für Stück, sagte Schalk. Homm-Vogel plädierte für einen guten Mix für die Zukunft, Pollack für einen Ausbau und die Modernisierung des ÖPNV-Netzes.
Auch das Wohnen im Alter treibt die Senioren um – vor allem angesichts der immer höher werdenden Kosten für die Miete oder den Unterhalt von Eigentum. „Wir brauchen mehr Wohnraum“, so Schalk. „Aber dafür brauchen wir mehr Fläche.“ Da musste Stümpfig doch etwas grinsen. „Die Staatsregierung muss einfach bauen“, die Sozialbindung müsse deutlich verlängert werden. „Das geht auch mit relativ wenig Fläche“, meinte er und verwies auf die Leerstände.
So sah es auch Elke Homm-Vogel, die außerdem anmahnte, dass man kreativer werden müsse, wenn es um Wohnformen für das Alter gehe. Kathrin Pollack forderte einen Bürokratieabbau, um die Verfahren zu beschleunigen. Zudem müssten die Fördertöpfe anders gestaltet werden, sodass man leichter und schneller an Fördermittel herankomme.
Ebenfalls im Fokus war das Arbeiten im Alter. Unisono erklärten die Kandidaten, dass dies auf freiwilliger Basis möglich sein müsse, sollten fitte Senioren dies tun wollen. Dass die Hinzuverdienstgrenze gefallen sei, sei ein wichtiger Schritt.
Es brauche aber auch mehr Flexibilität und barrierefreie Arbeitsplätze, machten Kathrin Pollack und Elke Homm-Vogel deutlich. Laut Schalk muss es die Möglichkeit geben, dass ältere Arbeitnehmer problemlos die Karriereleiter wieder nach unten gehen können, um etwa Verantwortung abzugeben – sofern sie das möchten.