Die Startbedingungen beim Schuleintritt sind verschieden: Manche können bereits erste Wörter lesen und mit Zahlen umgehen, anderen ist all das noch fremd. Trotzdem kann gemeinsames Lernen gelingen, sind die Pädagoginnen und Pädagogen an der Grundschule Dachsbach-Gerhardshofen überzeugt. Derzeit wird ein Modell erprobt, das darauf abzielt.
„Wir wollen die Vielfalt, die wir an unserer Schule haben, als Gewinn sehen“, erklärt Schulleiterin Gabi Böhm. Ihre Schule ist eine von wenigen Einrichtungen in Mittelfranken und die einzige im Landkreis, die das sogenannte „systemische MSD-Konzept“ testet. MSD steht für „Mobiler Sonderpädagogischer Dienst“.
In dem Modellversuch arbeiten Lehrkräfte, speziell qualifizierte Förderlehrkräfte und das Förderzentrum „Arche-Noah-Schule“ in Bad Windsheim eng zusammen. Das Projekt geht nun in sein zweites Schuljahr. Seitdem haben sich neue Abläufe etabliert: In Kleingruppen werden fehlende Grundlagen fürs Lesen und für mathematisches Grundwissen geübt. Die Klassenlehrkräfte führen parallel Leseübungen in verschiedenen Schwierigkeitsstufen durch.
Manchmal gestaltet Förderlehrerin Johanna Schrödl gemeinsam mit der jeweiligen Klassenlehrkraft den Unterricht. Für vier Stunden wöchentlich kommt zudem Elke Sauchella-Popp von der Arche-Noah-Schule hinzu. Als mobile sonderpädagogische Fachkraft versucht sie, Lernlücken vorzubeugen. Der Ansatz sei „proaktiv und präventiv“, heißt es im Konzept, kein Kind soll abgehängt werden.
Je nach Bedarf bilden sich unterschiedliche Fördergruppen. Unterstützt werden die Pädagoginnen und Pädagogen dabei auch durch eine Freiwillige im Sozialen Jahr, eine pädagogische Hilfskraft sowie etliche Ehrenamtliche. Die Schule sei für das Modell bestens geeignet, sagt Böhm. Durch die bestehende Jahrgangsmischung arbeiten ohnehin Kinder auf verschiedenen Lernniveaus gemeinsam.
So sind die ersten und zweiten sowie die dritten und vierten Jahrgangsstufen zusammengelegt, in einem Fall lernen auch die zweite und dritte Klasse gemeinsam. Auch die Fördergruppen seien nicht an feste Gruppen oder Jahrgänge gebunden. „Jede und jeder soll im Rahmen des Möglichen das bekommen, was sie oder er braucht“, betont Böhm. Profitieren würden alle, ergänzt Sauchella-Popp, denn „auch die Starken werden gefördert“. Wer Fortschritte macht, verlässt die Fördergruppe wieder.
Regelmäßige Lernverlaufsdiagnostik, computergestützte Screenings und pädagogische Austauschgespräche sollen sicherstellen, dass kein Kind dauerhaft als förderbedürftig eingestuft wird. „Es gibt hier keine Stigmatisierung“, unterstreicht Sauchella-Popp. Viele Eltern hätten bekanntlich die Sorge, ihr Kind könnte durch den Besuch eines Förderzentrums abgestempelt werden. Doch da es die freie Schulwahl gibt, seien sie nicht verpflichtet, ein Förderzentrum zu wählen und gerade in Dachsbach seien auch lernschwächere Kinder gut aufgehoben, ist Böhm überzeugt. „Unser Ziel ist es, möglichst viele Kinder an der Schule inklusiv zu unterrichten“, sagt Förderlehrerin Schrödl.
Nach Einschätzung des Kollegiums läuft der Modellversuch bislang erfolgreich. Die Rückmeldungen aus Eltern- und Schülerschaft seien überwiegend positiv, auch wenn einige Eltern zunächst skeptisch gewesen seien. Zudem fühlten sich die Lehrkräfte entlastet, berichtet die Rektorin.
Interessant wäre es aus Sicht der Schulleitung, das Konzept auch auf die Klassenstufen drei und vier auszudehnen und die Lernentwicklung der Kinder über die gesamte Grundschulzeit hinweg zu begleiten. Ob das irgendwann möglich wird, ist jedoch ungewiss. Das Programm ist zunächst auf zwei Jahre begrenzt, für eine Ausweitung fehlt es an Personal. Die Beteiligten hoffen zumindest auf eine Fortführung in abgespeckter Form.