Im Scheinfelder Kulturleben waren sie eine feste Größe. Und auch außerhalb, sogar international, repräsentierten sie ihren Verein und die Stadt. Doch nach 45 Jahren ihres Bestehens verzichtet die Volkstanzgruppe des TSV Scheinfeld auf weitere Auftritte.
Diese Woche traf man sich zu einer Art Abschlussessen – obgleich die Gruppe weiterhin ihrem Hobby frönen wird, wie Christa Gräf versicherte. Sie ist seit 30 Jahren die Leiterin, nachdem in den ersten 15 Jahren Hildegard Schlez die Regie geführt hatte.
Allerdings, so bekannte Gräf, gab es nun schon seit zwei Jahrzehnten keine neuen Mittänzer mehr. So ist man gemeinsam in die Jahre gekommen und absolvierte 2019 letztmals Auftritte: im Fasching, beim städtischen Tag der Musik und Kunst sowie in einem Hotel in Geiselwind. Dann kam Corona. Zwar gilt die Pandemie inzwischen als ausgestanden, doch sei die damit verbundene Zwangspause ein nachvollziehbarer Anlass, die Tanzschuhe nun an den Nagel zu hängen, findet Gräf.
Angefangen hatte es mit dem Stadtfest 1978. Scheinfeld feierte damals die 1200 Jahre seit seiner ersten urkundlichen Erwähnung. Hildegard Schlez wurde vom damaligen städtischen Kulturreferenten Dr. Benno Bulitta gebeten, für einen Farbtupfer zum Festkommers zu sorgen. Wie Schlez sich erinnert, scharte sie zusammen mit Ria Scheuring acht Paare um sich.
Im März 1978 wurde die Gruppe gegründet, knapp vier Monate später, am 8. Juli, trat man beim Stadtfest erstmals öffentlich in Erscheinung – mit der Sternpolka und der Holsteiner Dreitour, entsinnt sich Schlez. Noch im selben Jahr folgten fünf weitere und 1979 bereits acht Auftritte unter anderem in Neustadt/Aisch und Bad Windsheim. Dass die Gruppe jedoch jahrzehntelangen Bestand haben und zur Scheinfelder Kulturinstitution werden würde, die 2011 mit dem „Scheinfelder Lindwurm“ des Heimat- und Kulturvereins ausgezeichnet worden war, war anfangs nicht absehbar. „Es sollte ja nur ein Farbtupfer zur 1200-Jahr-Feier sein“, wie Schlez in Erinnerung ruft.
Glanzstunden gab es seitdem zahlreiche. So tanzten die Scheinfelder etwa in Brüssel bei einem Kinderheim-Fest unter der Schirmherrschaft von Belgiens damaliger Königin Fabiola. Sie gehörten bei Landes-, Bundes- und internationalen Gartenschauen in Amberg, Bonn, Dinkelsbühl, Frankfurt, Marktredwitz, München, Neustadt/Coburg und Würzburg zum Programm. Beim Erntedank-Umzug zur Fürther Kirchweih waren sie ebenso mit von der Partie wie beim Heimatfestzug in Ansbach und bei Filmaufnahmen eines privaten Fernsehsenders.
Bei den Besuchen in Scheinfelds französischer Partnerstadt Beaulieu reiste die Volkstanzgruppe ebenfalls mehrfach mit. Und in den heimischen Gefilden waren sie regelmäßig etwa beim Kirchweihauftakt zu sehen. Insgesamt, so bilanzierte Schriftführerin Andrea Voigtländer, präsentierte die Gruppe über 300 verschiedene Tänze.
Zwar verabschiede man sich nun „in den verdienten Auftrittsruhestand“, wie Christa Gräf formuliert, doch will man weiterhin aktiv bleiben. Ab September, so kündigt sie an, soll es ein Versuchs-Tanzangebot geben, das auch für Einzelpersonen gedacht ist.
Die Leiterin verweist neben der Freude am Hobby auf vielfältige Effekte: Tanzen fördert die Konzentration, Reaktion, Beweglichkeit, Koordination und Balance und trainiert das Gedächtnis, erläutert Gräf; auch auf Herz und Kreislauf und aufs vegetative Nervensystem wirkt sich diese Art der körperlichen Betätigung positiv aus. Nicht zuletzt vermittelt es Erfolgserlebnisse und erweitert den Blick auf die Welt. „Tanzen“, so schließt Gräf, „bringt uns in Schwung, macht fit und hält jung.“