„Leseförderung ist Kinderschutz“, betonen Stella Cramer, Gisela Heusinger-Herz, Iris Reichel, Cordula Eckerle und Alexandra Herold, als sie den „Kinderbuchbund“ vorstellten. Dieser wurde nun in Anlehnung an den nationalen Lesepakt, der sich für die Stärkung des Lesens einsetzt, auf regionaler Ebene im hiesigen Landkreis gegründet.
Initiiert wurde er von Stella Cramer von der Buchhandlung Dorn, angesiedelt ist er unter dem Dach des Kreisverbandes des Kinderschutzbundes Neustadt/Aisch-Bad Windsheim. Das neue Netzwerk hat sich ein Ziel gesetzt: „Jedem Kind im hiesigen Landkreis soll ein einfacher Zugang zum Lesen, zu Büchern und zur Literatur ermöglicht werden.“
Das Ganze solle mit Freude, Nachhaltigkeit und ohne Leistungsdruck geschehen, führt Stella Cramer aus. Man versteht sich als Plattform, um bestehende Akteure und Initiativen zu bündeln, zu vernetzen und so Synergieeffekte zu ermöglichen.
Alle, die mehr im Bereich Sprach- und Leseförderung tun möchten – seien es nun Familien, Kitas, Schulen, Familienstützpunkte oder Eltern – werden Informationen und Unterstützung angeboten. „Wir möchten unser Wissen weitergeben und stehen dahinter“, resümieren die fünf Frauen beim Treffen in der Neustädter Kreisbücherei.
„Das ist der erste Anlauf, das Ganze wird sich im Laufe der Zeit erweitern“, ist sich Gisela Heusinger-Herz sicher. Wichtig sei es, mit Kindern gemeinsam zu lesen. Das gelte es, wieder ins Bewusstsein zu rücken.
Diesbezüglich sieht Integrationslotsin und FSSJ-Projektleiterin Iris Reichel Handlungsbedarf. Heusinger-Herz betont, dass inzwischen rund 25 Prozent der Grundschulkinder – Studien zufolge – kaum mehr in der Lage seien, einen Text zu verstehen. Sie wünscht sich ein dialogisches Vorlesen. Dabei können dem Kind schon beim Vorlesen Fragen gestellt werden. Was passiert? Was gibt es zu entdecken? Was gefällt dir am besten? So kommt es zum Dialog. Das Kind erzählt vom gerade Gehörten. Man müsse „Inputs“ geben und wieder Lust aufs Lesen machen.
Die Leiterin der Kreisbücherei, Cordula Eckerle, weiß aus Erfahrung, dass man über Kinder Anstöße zum Schmökern in die Familie bringen kann. Viele kommen in die Bücherei, um sich Tonie-Figuren auszuleihen. Das sind kleine Gestalten aus Kunststoff, mit denen man etwa Hörspiele abspielen kann. Einmal in der Bücherei, nehmen viele dann aber doch noch Literatur für den Nachwuchs mit, erzählt die Bad Windsheimer Zweigstellenleiterin Alexandra Herold. Wenn etwa Kindergärten zum Bilderbuchkino in die Bücherei kommen, erzählen die Kinder ihren Eltern davon und erscheinen dann mit Mama oder Papa, so Eckerle.
Beliebt sind auch die Lesetüten für Erstklässler. Die jetzigen Absolventen der ersten Jahrgangsstufe gestalten sie schon für die künftigen Abc-Schützen. In die Tüten kommen ein Buch sowie Flyer von der Kreisbücherei und vom Kinderbuchbund. Die Tütchen bekommen die Neuen oft am ersten Schultag, mancherorts auch später, wenn sie schon ein bisschen lesen können.
„Wir könnten in Neustadt die Tüten auch bei uns in der Bücherei übergeben“, regt Eckerle spontan an. Zur Übergabe des Bücherei-Ausweise schauen Mädchen und Jungen der in der Nähe gelegenen Comenius-Grundschule ohnehin vorbei. Auch sonst kommen die Mädchen und Jungen der Lehreinrichtung regelmäßig vorbei.
Der Kinderbuchbund unterstützt noch weitere Projekte neben der Lesetüte, etwa die Bücherkisten für Kitas und Schulen, Lesungen am bundesweiten Vorlesetag, Lesevents, Vorträge für Kitas, Grundschulen, Eltern und Fachkräfte, aber auch Lesepatenschaften und Workshops für FSSJler (Absolventen eines Freiwilligen Sozialen Schuljahres), die „Sprachbuddy“ werden wollen.
Sprachbuddies will man noch weiter ins Boot holen, so Reichel. Dieses Projekt erfolgt in Kooperation mit der „Stiftung Kinderförderung“ von Playmobil, die das Ganze finanziert. Hier gilt es, weitere Jugendliche zu gewinnen, die Bücher lieben und Kindern gerne etwas vorlesen. Neben den „Lesebuddies“ werden auch weitere ehrenamtliche erwachsene Lesepaten gesucht, die in Grundschulen und Kindertagesstätten aktiv werden wollen. Wer Lust hat, kann sich per E-Mail an info@kinderbuchbund.de melden.
Hoch im Kurs stehen bei Teenagern derzeit Comics und Comic-Romane. In der Bad Windsheimer Buchhandlung und in der Bücherei merkt man, dass die Jugendlichen sich für das interessieren, was Influencer und andere in den sozialen Medien posten und es dann auch gerne lesen möchten. Darauf stellt man sich ein. Das ist gut. Denn: „Lesen ist wichtig“, fördert Sprache, die Freude am Entdecken und hilft, die Welt für sich zu entdecken – in jedem Alter.