Die Stadtkapelle Frankenland servierte einen musikalischen Leckerbissen | FLZ.de | Stage

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 30.03.2025 19:49

Die Stadtkapelle Frankenland servierte einen musikalischen Leckerbissen

Die Blaskapelle Frankenland begeisterte das Publikum in der NeuStadtHalle. (Foto: Volker Raab)
Die Blaskapelle Frankenland begeisterte das Publikum in der NeuStadtHalle. (Foto: Volker Raab)
Die Blaskapelle Frankenland begeisterte das Publikum in der NeuStadtHalle. (Foto: Volker Raab)

Blaskapelle und Hardrock-Klassiker? Was auf den ersten Blick kaum Hand in Hand geht, passte wie die Faust aufs sprichwörtliche Auge. Die Stadtkapelle Frankenland hatte zum Frühlingskonzert unter dem Motto „Rock und Pop“ in die NeuStadtHalle eingeladen – ihre Gäste sollten ihren Besuch nicht bereuen. Im Gegenteil.

Mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit hätte die NeuStadtHalle am Samstagabend eine Aufstockung vertragen: Zwar kann man angesichts eines kostenlosen Eintritts nicht direkt von „ausverkauft“ sprechen – die Stühle waren jedoch restlos besetzt, so dass einige Zuhörer freiwillig im Stehen lauschten. „Stadtkapelle Frankenland goes Rock + Pop“ hatte das Motto gelautet – und das Orchester unter der Leitung von Matthias Eckart hielt Wort.

Europa zum musikalischen Einstieg

Zu Beginn ging es gleich fulminant los: Mit „The Final Countdown“, dem größten Hit der Band Europe, legten die ehrenamtlichen Musiker die Messlatte vom Start weg hoch an. Besticht „The Final Countdown“ in der Originalversion schon durch eine eingängige Melodie, kam im Arrangement für sinfonische Blasorchester die volle Bandbreite an Instrumenten maximal zur Geltung – ein Ohrenschmaus.

So viel also erst einmal zum Thema Rock. Gemäß des Programms sollte es ja aber auch „Pop“ auf die Ohren geben, und der folgte gleich im Anschluss: ein Medley aus den 1980er Jahren. Aber nicht irgendeines, sondern ein wohl ausgewähltes Konglomerat bekannter Hits der Neuen Deutschen Welle. Mit „Skandal im Sperrbezirk“ der Spider Murphy Gang, „Ohne dich (schlaf ich heut Nacht nicht ein)“ der Münchner Freiheit, „1000 und 1 Nacht (Zoom!“) der Klaus Lage Band und „Sternenhimmel“ von Hubert Kah begeisterten die „Frankenländer“ ihre Zuhörer und sorgten für zahlreiche mitwippende Beine.

Überflug nach Los Angeles

Beim nächsten Medley blieben die Musiker in den 1980er Jahren, sie wechselten jedoch den Kontinent. Aus der Mitte Europas nahmen sie das Publikum mit auf einen musikalischen Überflug in die USA, genauer gesagt nach Los Angeles. Hier hatte sich 1976 eine Band gegründet, die mit vier Buchstaben im Namen weltweit für Begeisterung sorgte – Toto. Deren Hits „Africa“, „Rosanna“ und „Stop Loving You“ interpretierte das Ensemble je nach Werk fulminant und zeigte sich dabei von seiner besten Seite.

Zeit zum Durchschnaufen blieb den Zuhörern kaum – wenngleich die charmante Anmoderation einiger Frankenland-Mitglieder immer wieder für kurze Pausen sorgte. Die Musiker stellten zwischen den Stücken den Interpreten etwas genauer vor oder gaben Einblicke in die Entstehungsgeschichte der Lieder. Eine sehr gelungene Ergänzung und Auflockerung zum musikalischen Rahmenprogramm, so auch beim nächsten Stück – einer weltweit bekannten Ballade aus der Feder von James Hetfield, seines Zeichens Frontmann der Band Metallica. „Nothing else matters“, gespielt von einer Blaskapelle? Ja, und wie! Mit tosendem Applaus honorierte das Publikum die grandiose Darbietung der Musiker, die sich teils einfühlsam melodisch, teils majestätisch im Forte präsentierten.

Ehrung für verdiente Mitglieder

Apropos Musiker und Forte: Werner Stieglitz, Hobby-Schlagzeuger, CSU-Landtagsabgeordneter und Kreisvorsitzender des Nordbayerischen Musikbunds, ehrte inmitten des musikalisch breit gefächerten Blumenstraußes verdiente Mitglieder der Stadtkapelle. So durften sich Franziska Kerschensteiner (seit 20 Jahren dabei), Manuel Schmidt (25 Jahre), Beate Schmidt (30 Jahre) und Tanja Schreiber-Ender (40 Jahre) über Urkunden freuen. Auch die Dirigenten Matthias Eckart (20 Jahre) und dessen Stellvertreter Roland Schweigert (30 Jahre) erhielten Respekt und eine schriftliche Anerkennung.

Mit Sir Elton Johns Klassikern „Nikita“, „Blue Eyes“ und „Don’t go breaking my heart“ läutete die Formation auf der Bühne dann das Ende ein. Zumindest das der ersten Hälfte, denn nach einer kurzen Unterbrechung sollte es ausgesprochen „hart“ weitergehen.

Und wie: „Iron Man“ von Black Sabbath, „Rock you like a hurricane“ von den Scorpions, „The Trooper“ von Iron Maiden und „Crazy Train“ von Ozzy Osbourne – gespielt von einer Blaskapelle. „Normalerweise rechnet man bei uns nicht mit so etwas. Das ist fast, wie wenn eine Heavy-Metal-Band den böhmischen Traum spielt“, kommentierte Dirigent Matthias Eckart das Medley und erntete so manchen Lacher aus dem Publikum. Ihren Teil der (nicht so wirklich kommunizierten) Abmachung hatte die Stadtkapelle jedenfalls mit Bravour eingelöst. Und die andere Seite? „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, so Eckart.

Stehende Ovationen

Weiter im Programm ging es mit der Ballade „Trust in Music“ von Marcus Götz, in der Trompetensolist Steffen Mechs sein Können unter Beweis stellte. Mit Roy Orbisons Welthit „Pretty Woman“ reisten die Musiker noch mal zurück in der Zeit, bevor sie mit Billy Joels „Leningrad“ so langsam das Ende eingeläutet hatten.

Und wie kann man ein solchen Abend voller musikalischer Leckerbissen standesgemäß beenden? Richtig – mit der Hommage an die Musik selbst schlechthin, John Miles‘ „Music“. Bei geschlossenen Augen verortete sich der ein oder andere Zuhörer in eines der größten Konzerthäuser der Welt, die musikalische Interpretation des Frankenland-Ensembles gab dazu auch jeden Anlass.

Wirklich vorbei war es natürlich nicht. Denn mit stehenden Ovationen „verdonnerte“ das Publikum die Stadtkapelle zum obligatorischen Nachsitzen – und drei weiteren Stücken. Mit „Sir Duke“ von Stevie Wonder, „Flashdance (What a Feeling)“ von Ireen Cara und „Smoke on the water“ von Deep Purple sorgten die Protagonisten für ein Finale furioso eines wundervollen Abends. Jenes Abends, der bewies, was die Stadtkapelle Frankenland mit ihrem weiten Liederportfolio für Neustadt ist: ihr musikalisch größter Schatz.


Von Volker Raab
north