Kindertheater: „Cachivache” für die Zuschauer der Zukunft | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 15.06.2023 15:04

Kindertheater: „Cachivache” für die Zuschauer der Zukunft

Lucrecia Basualdo mit zwei ihrer Puppen vor der Kulisse für das Kinderstück Cachivache im alten Bahnhof Wildbad. (Foto: Katrin Merklein)
Lucrecia Basualdo mit zwei ihrer Puppen vor der Kulisse für das Kinderstück Cachivache im alten Bahnhof Wildbad. (Foto: Katrin Merklein)
Lucrecia Basualdo mit zwei ihrer Puppen vor der Kulisse für das Kinderstück Cachivache im alten Bahnhof Wildbad. (Foto: Katrin Merklein)

Sie stand schon auf vielen Bühnen der Welt. Theater ist Lucrecia Basualdos Leben – ihr Schlüssel zum Glücklichsein. Vor drei Jahren ist die 65-Jährige mit ihrem Mann Lonnie Basualdo-Tague in Burgbernheim gestrandet. Jetzt zeigt sie dort ein Theaterstück für Kinder. Premiere ist am Samstag.

Lucrecia Basualdo und ihr Mann haben den Bahnhof Wildbad gekauft, renovieren, sanieren und restaurieren ihn Stück für Stück. Während sie im Obergeschoss längst eingezogen sind, werkeln sie im Erdgeschoss des 1864 errichteten Sandsteingebäudes noch fleißig.

Heimelige Atmosphäre im früheren Bahnhof

Betritt man das Gebäude, sieht man schon noch den Bahnhofs-Charakter, allerdings in heimeliger Atmosphäre. Mit einer Musiknische – Lonnie Basualdo-Tague ist Country-Musiker. Seine Band „Lonnie Dale“ gilt als eine angesagte Größe in der US-amerikanischen Country-Szene. Ein Ankleidezimmer mit Gästetoilette ist ebenfalls eingerichtet. Accessoires und Fotos des Gebäudes von früher lassen eintauchen in vergangene Zeiten.

Die ehemalige Bahnhofshalle soll eine Art Kunsttreffpunkt sein – Menschen, die kommen und gehen. Menschen, wie Lucrecia Basualdo und Lonnie Basualdo-Tague es waren, die von Ort zu Ort gezogen, quasi immer gekommen und gegangen, sind. Mindestens 20 Mal hat die Familie ihre Umzugskartons gepackt, um schließlich mit dem Burgbernheimer Bahnhofsgebäude ihren Ort für den gemeinsamen Lebensabend gefunden zu haben.

Mit 13 Jahren das erste Theaterstück geschrieben

Ein paar Veranstaltungen haben die gebürtige Argentinierin mit italienischen Wurzeln und ihr amerikanischer Mann bereits organisiert. Eine szenische Lesung mit Burgbernheimer Akteuren sei sehr gut angekommen im September vergangenen Jahres. Daraufhin schmiedete Basualdo den Plan, dies zu etablieren und das Angebot auszubauen.

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Später habe sie sich überlegt, auch ein Stück für Kinder zu zeigen. „Das ist mir sehr wichtig, denn Kinder sind die Zuschauer der Zukunft.“ Sie selbst war noch ein Kind, nämlich vier Jahre alt, als sie bereits wusste, dass sie Schauspielerin werden möchte. Mit 13 Jahren schrieb sie ihr erstes Stück, war an den Schulen, die sie besuchte, immer in irgendeiner Form am Schauspiel beteiligt.

Tanz und Theater brachten sie an viele verschiedene Orte. Sie spielte an Theatern in Argentinien, Brasilien und Puerto Rico. 17 Jahre lang hatte die Mutter von vier erwachsenen Kindern ein Engagement am Gala-Theater in Washington, gab nebenbei Schauspielunterricht und schrieb Stücke. Im 2001 erschienenen Hollywoodfilm Second Honeymoon spielte sie neben Tim Matheson und Roma Downey.

Nomadenleben findet sein Ziel in Burgbernheim

Ihren Mann lernte Lucrecia Basualdo 1982 in Deutschland kennen. Sie spielte unter anderem am Spanischen Theater Würzburg. Lonnie Basualdo-Tague ist gelernter Fotograf und begeisterter Musiker. Die beiden führten fortan ein Nomadenleben, das sie vor drei Jahren beendeten.

„Theater ist für mich einfach eine Sucht“, sagt Basualdo. In ihrer Freizeit liest sie Theaterstücke und will nun einen ihr ebenfalls wichtigen Punkt, unsere Umwelt, jungen Menschen bewusst machen. Aus ihren Schubladen kramte sie ein Theaterstück, das sie mit einer Freundin aus Chile 2014 geschrieben hatte. Es wurde in den USA und Südamerika in Spanisch und Englisch gezeigt und nun übersetzt ins Deutsche.

Cachivache heißt das Stück, zu Deutsch: Krimskrams. Den Blick für unsere Umwelt zu schärfen, ist das Ziel von Basualdo, und Kindern Werte wie Respekt, Liebe und Empathie zu vermitteln. Theater sei ein sehr direktes Mittel der interaktiven Kommunikation und könne helfen, über ein Thema zu informieren und dafür zu sensibilisieren, erklärt sie.

Besser schützen als zerstören

Zum Inhalt: Eine Hexe will die Erde zerstören. Da sie das alleine nicht schafft, braucht sie Hilfe. Mehrere Kandidaten bewerben sich, bis endlich die richtige Person erscheint: Cachivachita. Doch diese arbeitet nicht im Sinne der Hexe.

Kinder ab sechs Jahren erfahren in dem Stück, wie Cachivachita versucht, die Hexe zu überzeugen, dass es besser ist die Erde zu schützen, als sie zu zerstören, und dass nicht alles schwarzweiß ist, sondern auch bunt sein kann. Ob am Ende aus der bösen eine gute Hexe werden kann, das erfahren Zuschauer am Samstag um 16 Uhr im Bahnhof Wildbad bei der Premiere.

In Cachivache spielen Nadine Höhne aus Burgbernheim und die Würzburgerin Annika Semmler – unterstützt von Handpuppen. Basualdo führt Regie. Für pfiffige Musik sorgt Musikpädagogin Viola Wanke aus Burgbernheim. Lonnie Basualdo-Tague kümmert sich um die Technik.

Das Bühnenbild hat Basualdo mit ihrem Sohn Giuliano Basualdo-Tague gestaltet. Wie sollte es bei dem Thema anders sein, aus recyclebaren Materialien, aus Dingen, die Basualdo beim Stöbern auf dem Dachboden fand und Sachen, die sie sowieso hat.

Fest für Kinder

Aufgebaut ist die Bühne in einem Teil des Erdgeschosses. In etwa zwei Dritteln des Raumes sind Sitzkissen für die Kinder ausgelegt, ein paar Bänke für Erwachsene. Das Theater ist auf 40 Personen begrenzt, mehr könne sie in ihrem kleinen Bahnhofstheater nicht unterbringen, sagt Lucrecia Basualdo. Damit hat sie sich einen kleinen Traum erfüllt, denn: „Ohne Theater kann ich einfach nicht glücklich sein.“

Weitere Vorstellungen des Theaterstücks sind am Sonntag, 18. Juni, und Samstag, 1. Juli, geplant. Beginn ist jeweils um 16 Uhr. Am Sonntag, 16. Juli, findet von 11 bis 15 Uhr ein Kinderfest am Bahnhof statt. Um 11 Uhr wird Cachivache zum Auftakt gezeigt. Im Anschluss gibt es Spiele von früher im Außenbereich des Bahnhofs.


Katrin Merklein
Katrin Merklein
Redakteurin
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