Die Dinkelsbühler Hymne „Schallet heute Jubellieder, tönt von Süd, Nord, Ost und West! Freude spendend kehret wieder, dieses frohe Jubelfest“ wird bei der diesjährigen Kinderzeche von Freitag, 17. Juli, bis Sonntag, 26. Juli, oft gesungen.
Denn der Jubel über die Verschonung der Stadt durch die Schweden im Dreißigjährigen Krieg war damals groß und hält sich bis heute. Gerettet hat die Stadt der mutige und beherzte Einsatz der Kinderlore mit ihrer Kinderschar, die bei den Belagerern am Wörnitztor um Gnade flehten. Deshalb wünschen sich die Dinkelsbühler und alle Gäste „A scheene Kinderzech“ während dieser besonderen Zeit.
Das historische Kinder- und Heimatfest mit Festspiel und Orchesterbegleitung in der Schranne, der Stadtübergabe durch die Ratsherren an die schwedischen Truppen am Wörnitztor und die Rettung der Stadt durch den mutigen Einsatz der Kinderlore und ihrer Kinderschar ist jährlicher Besuchermagnet und zentrales Kinder- und Heimatfest in der Dinkelsbühler Historie. Die „fünfte Jahreszeit“ vereint alle Generationen in und um Dinkelsbühl und wird zu Recht als mutmachende Geschichte für den Frieden, für Verständigung, für Heimat und das Gefühl der Verbundenheit beschrieben.
Begründet wurde die Kinderzeche durch die Einnahme der Stadt im Jahre 1632 durch die Schweden und ein im 17. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähntes Schulfest. Historisch belegt ist das von Hofrat Ludwig Stark erstellte und seit 1897 nahezu unverändert aufgeführte Festspiel. Sieben Aufführungen dieses historischen Festspiels mit anschließender Stadtübergabe können die Gäste erleben. Auftakt ist am Samstag, dem 18. Juli, um 15 Uhr, weitere Festspiele finden am Sonntag, dem 19. Juli, um 9.15 Uhr und um 11.45 Uhr, am Montag, dem 20. Juli, um 9.45 Uhr sowie am Samstag, dem 25. Juli, um 15 Uhr und am Sonntag, dem 26. Juli, um 9.15 Uhr und 11.45 Uhr statt.
In diesem Jahr wird die Besetzung „Hippelein“ spielen, benannt nach dem Darsteller Robert Hippelein, der in die Rolle des damaligen Bürgermeisters Leonhard Wigerlein schlüpft. Rund 25 Akteure sind auf der Bühne in der Schranne live zu erleben, ihr Ringen und Zaudern um den richtigen Weg und dazu kommt die Kinderlore, in diesem Jahr übernehmen Jule Wetsch und Pia Lechler die Rolle abwechselnd, mit rund 130 Kindern. Sie sind es, die die Stadt vor der Plünderung und Brandschatzung durch die Schweden retten. Hauptakteur der Schweden ist Obrist von Sperreuth, der in dieser Besetzung von Markus Losert verkörpert wird. Einblicke in das Lagerleben der Schweden vor den Toren der Stadt können Interessierte am Sonntag, 19. Juli, von 8.30 Uhr bis 13 Uhr, und Montag, 20. Juli, ab 8.30 Uhr bis etwa 11 Uhr erleben sowie am Sonntag, 26. Juli, ab 8.30 Uhr bis 13 Uhr. Dabei werden auch Tänze präsentiert, Waffenkunde oder der Drill der Musketiere im Schwedenlager.
Die Schweden waren gar nicht willkommen im Jahr 1632 vor den Toren der Stadt. Nach der Historie lagerten Truppen des schwedischen Obristen Claus-Dietrich von Sperreuth vor den Stadttoren, auf der heutigen Schwedenwiese. Bedingungslose Kapitulation auf „Gnad und Ungnad“ war deren Forderung an die Stadtväter. Der katholisch-protestantische Religionskrieg war in Dinkelsbühl angekommen.
Auf des Kaisers Hilfe warteten die Ratsherren vergeblich, obwohl ihnen Schutz für die geleisteten Steuern und Abgaben zugesichert wurde. Eine Zwickmühle für den Rat katholischen Glaubens, zumal dreiviertel der Bevölkerung mittlerweile evangelischen Glaubens war. Diese dramatischsten Stunden in der Geschichte der Reichsstadt Dinkelsbühl werden in der Kinderzeche dargestellt.
Geschrieben wurde das Festspiel von Ludwig Stark im Jahr 1896 und ein Jahr später uraufgeführt. Seitdem blieb es fast unverändert und deshalb gilt die Kinderzeche als echtes Heimatfest und gehört zur Identität von Dinkelsbühl. Weithin anerkannt, denn im Dezember 2016 wurde dem Kinderzech-Vorstand von der Deutschen UNESCO-Kommission mitgeteilt, dass die Kinderzeche in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde.
Ursprünglich war das Heimatfest unter dem Begriff „Schulzeche“ bekannt und war ein von Stadt und Kirche bezahlter Ausflug der katholischen Lateinschüler zum Schuljahresende, so Aufzeichnungen aus dem 15. Jahrhundert, verbrieft im Jahr 1629 als „Zechgeld“ für die katholischen Schüler. Eine evangelische Lateinschule wurde vom rein katholischen Magistrat verboten.
Erst um das Jahr 1654 wurde eine evangelische Lateinschule gegründet und damit gab es eine „Evangelische Kinderzeche“, bei der die Kinder der evangelischen Deutschen Schule mitfeiern durften. Jeweils vier Gulden wurden an die Kinder ausbezahlt und beide Schulfeiern wurden bis zum Reichsstadtende im Jahr 1802 zeitlich und konfessionell getrennt abgehalten. Die katholischen Schüler feierten mit Tänzen in der Schule und das Fest der evangelischen Schüler weitete sich zu einem städtischen Volksfest auf dem Schießwasen aus. In der Rückerinnerung ein wunderbares Zeichen, denn in der Altstadt finden die Tänze der unterschiedlichsten Gruppen statt und auf dem Schießwasen das Volksfest.
Ein „Kinderauszug“ in Fantasieuniformen samt Festlichkeiten wurde erst im Jahr 1788 chronologisch festgehalten. Ab dem Jahr 1848 wurde die Kinderzeche mit den historischen Ereignissen des Dreißigjährigen Krieges verknüpft. Die Kinder wurden in Schweden-Uniformen gesteckt, der Spruch des kleinen Obristen erdacht und ab dem Jahr 1897 hatten evangelische und katholische Kinder ihr gemeinsames Fest.
Schon etliche Jahre zuvor, 1826, dichtete der Dinkelsbühler Lehrer Elias Nottnagel die Hymne für die Kinderzeche: Schallet heute Jubellieder, tönt von Süd, Nord, Ost und West! Freudespendend kehret wieder, dieses frohe Jubelfest, beginnt der erste von sechs Versen. Die Freude über die Kinderzeche steigert sich in jedem Vers. „Um uns her ist alles Freude“ heißt es oder „Freunde, Eltern, Schwestern, Brüder stimmt in unser’n Festgesang“ und dass das Freundschaftsband kräftiger umschlinge und „Segne Gott das Vaterland“. Gesungen wird dieses Lied nach dem Spruch des Kleinen Obristen, in diesem Jahr dargestellt von Artur Uschal, von allen Beteiligten und Zuschauern im großen Chor und nahezu jeder Dinkelsbühler kennt den Text. Die „Dinkelsbühler Hymne“ drückt alles aus, was die Kinderzeche bedeutet.
Diesen Eindruck fasst auch Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer in seinem Grußwort zur Kinderzeche zusammen. Für den OB bedeutet die Kinderzeche ein Gefühl der Verbundenheit, dass jeder willkommen ist und keiner allein sei. Alle feiern gemeinsam. Den Kindern der Stadt ist die Rettung der Stadt zu verdanken und dem Mut einer jungen Frau, der Kinderlore.
Sie zog mit ihren „Engeln“ dem schwedischen Obristen Claus-Dietrich von Sperreuth entgegen und sie gewannen dessen Herz, sodass die Stadt vor der Plünderung und Zerstörung gerettet wurde.
Für Dinkelsbühl ist die Kinderzeche ein Fest voll Tradition und Geschichte, von Gemeinschaft, Zusammengehörigkeit und Heimat. Keine andere Veranstaltung zieht die Menschen so in den Bann, lockt Einheimische wie Gäste Mitte Juli in die „schönste Altstadt Deutschlands“ und wird von über 1000 Akteuren in historischen Kostümen authentisch in die Straßen Dinkelsbühls gebracht.
Start für dieses Fest ist am Freitag, 17. Juli, um 17.30 Uhr mit dem Konzert der Dinkelsbühler Stadtkapelle auf dem Weinmarkt und anschließendem Ausmarsch zum Festzelt auf dem Schießwasen. Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer wird ab 18.30 Uhr offiziell das Volksfest eröffnen und den Bieranstich vollziehen. Das Volksfest auf dem Schießwasen mit Fahrgeschäften, Festzelt, Biergärten und Marktständen geht bis Mittwoch, 22. Juli, und klingt abends mit dem Feuerwerk so gegen 22.30 Uhr aus.
Die Kinderzeche geht bis zum Sonntag, 26. Juli, mit der großen Schlussveranstaltung der Kinderzech-Festwoche ab 20.30 Uhr am Weinmarkt vor der Schranne. In der Altstadt wird zuvor aber einiges geboten. Am Donnerstag, 23. Juli, gibt es einen Kinderzech-Empfang für Neubürger und ehemalige Dinkelsbühler im Rathaus ab 10.30 Uhr, ab 19 Uhr Tänze der Jugend am Weinmarkt. Am Freitag, 24. Juli, kann die Kinderzeche musikalisch mit Orgelklängen im Münster St. Georg ab 15.30 Uhr erlebt werden, ab 18 Uhr gibt es den Aufmarsch der Dinkelsbühler Knabenkapelle und danach Tänze der Reigengruppen.
Am Samstag, 25. Juli, tanzen um 10.30 Uhr und 17.45 Uhr die Zunftgruppen und am Sonntag, 26. Juli, ist das große Finale der Kinderzeche. Ab 8.30 Uhr gibt es Lagerleben, um 9.15 Uhr und 11.45 Uhr das Festspiel in der Schranne mit anschließender Stadtübergabe, um 14 Uhr den historischen Festzug mit dem Spruch des kleinen Obristen als Abschluss, die Fahnenübergabe am Rathaus, Tänze am Weinmarkt und ab 20.30 Uhr die Schlussveranstaltung am Weinmarkt vor der Schranne. Auch während der Kinderzeche kann mit dem Nachtwächter ab 21 Uhr ein Rundgang durch die Altstadt gemacht werden.
Die Gastronomie freut sich auf viele Gäste und dazu wird ein umfangreiches Rahmenprogramm rund um die Kinderzeche geboten. Am Freitag, 17. Juli, wird mit dem Bieranstich gegen 18.30 Uhr das Volksfest auf dem Schießwasen eröffnet und geht bis Mittwoch, 22. Juli. Am Samstag, 18. Juli, findet ab 19 Uhr ein musikalischer Dämmerschoppen mit der Blaskapelle Eigner auf dem Weinmarkt statt, ebenso am Sonntag, 19. Juli, ab 19 Uhr. Meiser Altstadt Brasserie und Gasthaus-Hotel „Zur Sonne“ laden hier ebenfalls ein. Am Dienstag, 21. Juli, wird ab 10 Uhr im Biergarten Gasthaus „Zum Stern“ Frühschoppen und ab 16 Uhr Dämmerschoppen mit Musik im Gasthaus-Hotel „Zur Sonne“ angeboten und am Mittwoch, 22. Juli, ab 10 Uhr Frühschoppen bei Meisers.
Wichtiger Termin für die Kinder ist am Dienstag, 21. Juli, mit dem großen Kinderfestzug ab 9 Uhr, begleitet von der Knabenkapelle. Dem Festzug schließen sich Tänze der Jugend an und anschließend werden die Kinderzechgucken an die Kinder verteilt. Am Mittwoch, 22. Juli, ist ab 12 Uhr Kindertag beim Volksfest am Schießwasen mit ermäßigten Preisen bei den Schaustellergeschäften.
„Dinkelsbühl war, ist und bleibt die Stadt der Kinder“, gilt für Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer – damals wie heute. Die Kinderzeche verbindet die Dinkelsbühler: miteinander feiern, lachen, essen, trinken und Gemeinschaft pflegen. Der Mut und die Leidenschaft, neue Wege zu gehen, unkompliziert und ohne lange Bedenken, das können die Menschen von den Kindern und dem Beispiel der Kinderlore lernen.