Klavierbauer aus Wilburgstetten: Dieser Mann hat schon Yoko Onos Klavier gestimmt | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 05.01.2026 16:05

Klavierbauer aus Wilburgstetten: Dieser Mann hat schon Yoko Onos Klavier gestimmt

Rainer Wiedemann ist Klavierbaumeister aus dem Landkreis Ansbach. Hier ist er mit einem frisch reparierten Instrument in seiner Werkstatt zu sehen. (Foto: Anna Beigel)
Rainer Wiedemann ist Klavierbaumeister aus dem Landkreis Ansbach. Hier ist er mit einem frisch reparierten Instrument in seiner Werkstatt zu sehen. (Foto: Anna Beigel)
Rainer Wiedemann ist Klavierbaumeister aus dem Landkreis Ansbach. Hier ist er mit einem frisch reparierten Instrument in seiner Werkstatt zu sehen. (Foto: Anna Beigel)

Rainer Wiedemann ist einer der letzten seiner Art. Der Beruf des Klavierbauers stirbt nämlich aus. Seit etwa 20 Jahren hat Wiedemann seinen Meisterbetrieb in Wilburgstetten (Landkreis Ansbach). Vorher war der heute 52-Jährige in der ganzen Welt unterwegs, stimmte auch mal das Instrument von Yoko Ono.

„Losgegangen mit dem Klavierbau ist es eher zufällig”, erzählt Wiedemann. Eigentlich habe als Kind seine Schwester und nicht er Klavier gespielt. Als dann mal jemand zum Stimmen des Instrumentes vorbeikam, „sind wir ins Reden gekommen”. Eigentlich war Wiedemann damals schon zum Studieren eingeschrieben, aber irgendetwas lockte ihn, den Beruf des Klavierbauers auszuprobieren. Mittlerweile ist er Klavierbaumeister und betreibt seine eigene Werkstatt.

Für Yoko Ono das Instrument gestimmt

Nach der Lehre zog es Rainer Wiedemann in die USA, genauer gesagt nach New York. Er arbeitete in einer Werkstatt in der Bronx und einem Laden in Manhattan. „Da war man viel beim Kunden zu Hause. So trifft man dann auch mal bekanntere Leute”, erzählt Wiedemann. So kam es, dass der damals Endzwanziger auch mal das Klavier von Yoko Ono oder David Copperfield gestimmt hat. „Wir haben auch oft Requisiten für Filmstudios geliehen.”

Später arbeitete der Handwerker acht Jahre lang im größten Musikhaus Europas in der Schweiz, dann noch zwei Jahre in Shanghai bei einem der größten Klavierhersteller Chinas. Irgendwann hat es Rainer Wiedemann aber wieder zurück in die Heimat gezogen. Ganz ins Ländliche. In Wilburgstetten hat er das elterliche Anwesen vom Kuhstall zur Klavierwerkstatt umgebaut. „Ich kann hier machen, was ich möchte”, sagt er. Außerdem gibt es genug Platz für die vielen Klaviere, die er zur Reparatur schließlich auch lagern muss.

Dass Familien ihm ihre geliebten Instrumente überlassen, ist für Rainer Wiedemann übrigens nicht selbstverständlich. „Es ist eine Vertrauenssache”, sagt er, denn „Klaviere sind oft die einzigen Gegenstände, die über Generationen vererbt werden”. Da hängt viel emotionaler Wert daran. „Die Leute erwarten, dass ich ihre Instrumente gut behandle.”

Viele bekannte Kunden

Bis auf Ausnahmen machen der Klavierbauer und seine Mitarbeitenden fast alles vor Ort in Wilburgstetten selbst. „Eigentlich ist der Beruf drei in eins: Man ist Schreiner, Lackierer und Klavierbauer”, sagt Rainer Wiedemann. Wenn er bestimmte Teile braucht, werden auch diese in Deutschland gefertigt. Hammerköpfe zum Beispiel bekommt er von einem Hersteller aus der Nähe.

Mit seiner Musikboutique hat er sich außerdem ein zweites Standbein aufgestellt. Er verkauft musikalische Souvenirs, Geschenke und Co. – vieles personalisiert. Kunden waren unter anderem schon der Bundestag, die Nürnberger Philharmoniker oder auch Mc Donald's.

Nicht nur früher in Amerika, auch jetzt wird der 52-Jährige als Klavierbauer immer wieder zu besonderen Aufträgen gerufen, hat mit bekannten Menschen zu tun. So hat er auch schon Konzertbetreuungen unter anderem für Nena oder Udo Lindenberg gemacht. Aber: „Ich reiße mich nicht darum.” Denn gerade diese Aufgaben sind oft schwierig, der Druck ist hoch, die Leute vielleicht auch mal anstrengend. Und im Zweifel ist für die Künstlerinnen und Künstler dann eben das Klavier schuld, wenn es nicht so klingt wie gewollt.

Beruf des Klavierbauers stirbt aus

So besonders der Beruf des Klavierbauers ist: Er stirbt aus. „Ich nenne uns auch handwerkliche Dinosaurier”, sagt Rainer Wiedemann, „mehr Leute gehen in Rente als nachkommen, das kann nicht funktionieren”. Trotzdem liebt er seinen vielseitigen Job. Ein Arbeitstag sieht nie aus wie der zuvor, erklärt er, „ich bin überall”. Mal zum Stimmen bei Familien zu Hause, mal bei einer Konzertbetreuung, mal bei einem Gutachten, mal in der Werkstatt, mal bei einem Spezialtransport.

Rainer Wiedemann ist es außerdem auch ein Anliegen, gerade Kindern zu erklären, was „hinter den Tasten” steckt. „95 Prozent der Menschen kennen ein Klavier nur als Tastenkasten”, bedauert er. Deshalb bietet er Schülerinnen und Schülern an, bei ihm vor Ort die Instrumente kennenzulernen. Sie verbringen einen Nachmittag bei ihm, schauen ins Innere des Klaviers und bekommen „die Wertigkeit des Instruments” vermittelt. Manchmal dürfen sie sich auch mal unter ein Klavier legen, „fürs Klangerlebnis”, sagt Wiedemann.


Anna Beigel
Anna Beigel
Redakteurin für Westmittelfranken und Landkreis Ansbach
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