Gegen Rassismus und für Respekt. Gegen den Krieg und für Zusammenhalt und Gleichbehandlung. Die „Verkehrsschilder der Gerechtigkeit“ stehen nun eine Woche lang vor dem Bahnhof. Danach können sie überall in der Stadt auftauchen – wenn sich Bürger, Organisationen, Behörden, Schulen oder Firmen an dem Projekt beteiligen.
Die Aktion rund um die Gerechtigkeitsschilder gehört zu der städtischen Veranstaltungsreihe „80 Jahre danach“, die sich mit der Bombardierung Ansbachs, dem Kriegsende sowie dem Neubeginn im Mai 1945 auseinandersetzt.
Und tatsächlich ist es eine Aktion – nicht nur eine Präsentation der Schilder im öffentlichen Raum. Denn die ungewöhnlichen Verkehrszeichen leiten einen Prozess ein: Ansbacherinnen und Ansbacher sollen eigene Initiativen im Zusammenhang mit den dargestellten Themen starten.
Konzipiert wurden die Motive zusammen mit Kindern und Jugendlichen aus ganz Europa, berichtete der Nürnberger Künstler Johannes Volkmann. Er steht hinter dem Projekt, das unter anderem vom Wertebündnis Bayern unterstützt wird. In Kinderkonferenzen seien die Themenfelder und die Umsetzung in einer klaren Formensprache erarbeitet worden.
Acht Motive sind entstanden, die nun am Ansbacher Bahnhof zu sehen sind: als Auftakt und Impuls für die Fortsetzung in Ansbach. Wer sich beteiligen möchte, kann ab sofort über die Tourist-Information Schilder ausleihen oder in beliebiger Anzahl kaufen. Um sie dann etwa in Pausenhöfen von Schulen oder in Behörden-Fluren, in privaten Gärten oder öffentlichen Sälen aufzustellen oder aufzuhängen.
Volkmanns „Verkehrsschilder der Gerechtigkeit“ sind mittlerweile in etlichen europäischen Städten zu entdecken, in Metropolen ebenso wie im ländlichen Raum. Alle mit Schildern ausgestatteten Orte sind auf einer digitalen Landkarte eingetragen.
Die Stadt Roth zum Beispiel, denn dort stehen Schilder mit allen acht verfügbaren Motiven vor dem Landratsamt, wie Volkmann erklärte. Erwünscht sind zudem Aktionen rund um die Schilder: An einer Schule wurden Buttons mit dem Respekt-Motiv angefertigt, und es entstanden auch schon Theaterstücke oder Songs zu den Themenfeldern.
Bei einem Pressegespräch am Ansbacher Auftakt-Ort, am Bahnhofsplatz, verwies Oberbürgermeister Thomas Deffner erneut auf hasserfüllte und abwertende Kommentare zu den „Verkehrsschildern der Gerechtigkeit“ in sozialen Medien. Gerade solche Äußerungen machten deutlich, wie notwendig es sei, auf die Themen hinzuweisen.
Der Künstler ermutigte die Kommentierenden, sich nicht in der Anonymität des Internets „auszukotzen“, sondern das Gespräch mit ihm zu suchen. „Wenn man in einer Demokratie aufgewachsen ist, kann man dieses Kunstprojekt nicht einfach mit ein paar Worten verteufeln“, appellierte Johannes Volkmann.
Neben Deffner und der städtischen Kulturreferentin Nadja Wilhelm freut sich auch Bettina Baumann, die Vorsitzende des Vereins WortKunst, über die Aktion. Sie hatte den Kontakt mit dem Künstler hergestellt. Dass sich Menschen aller Altersgruppen bei dem Projekt aktiv einbringen können, findet Bettina Baumann besonders positiv.
Nach der Vorstellung der Schilder am Bahnhof versammelten sich die Initiatoren sowie Schülerinnen und Schüler verschiedener Schulen und Vertreter von Organisationen wie etwa des Seniorenbeirats, des Bündnisses für Menschenwürde und der Kontaktstelle für Menschen mit Behinderung im Gymnasium Carolinum. Dort hatte Johannes Volkmann seine „Ideenschmiede“ eingerichtet: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten die Gelegenheit, in Mini-Workshops Pläne für mögliche eigene Projekte mit und rund um die Schilder zu machen.
Mit Blick auf die eifrig diskutierenden jungen Leute betonte Caro-Chef Stefan Exner, wie wichtig es sei, „in der Schule die richtigen Werte zu vermitteln. So können wir verhindern, dass es überhaupt zu Hass, Hetze und Extremismus kommt.“