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Veröffentlicht am 15.11.2024 18:27

Laternen brennen in Ansbach abends eine Stunde länger

Für den Ansbacher Stadthaushalt 2025, der am Donnerstag neun Stunden lang im Onoldiasaal beraten wurde, hat die Entscheidung nur untergeordnete Bedeutung. Doch politisch ist das Votum brisant: Eine deutliche Mehrheit von 31 Stadträten hat entschieden, die Straßenlaternen in Ansbach künftig abends eine Stunde länger brennen zu lassen.

Letztlich ging es in den Beratungen zu diesem Punkt um Mehrausgaben von lediglich 15.000 Euro – eine Petitesse angesichts eines Etat-Volumens von rund 201 Millionen Euro. Doch die Debatte zeigte: Das Thema ist durch den Druck der Bürger aufgeladen.

Schutz der Insekten

Worum geht es? Nach monatelangen Diskussionen hatte der Umwelt- und Verkehrsausschuss des Stadtrates im September 2023 – übrigens einstimmig – entschieden, die Straßenbeleuchtung in der Stadt von 23.30 bis 4.30 Uhr abzuschalten, und zwar abseits verkehrswichtiger Straßen und in den Außenorten.

Die Argumente damals: Die Abschaltung spart Energie, auch wenn das durch die Einführung der stromsparenden LED-Technik inzwischen weniger ins Gewicht fällt. Wichtiger war den Befürwortern aber die Reduzierung der nächtlichen Lichtverschmutzung, die dem Schutz der Insekten dient.

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Kaum Beschwerden

Die Abschaltung begann mit Modellprojekten in einigen Außenorten und wurde schließlich – nach guten Erfahrungen und sehr überschaubaren Bürgerbeschwerden – auf die Kernstadt ausgedehnt. Ab diesem Zeitpunkt geriet das Thema zu einem Dauerbrenner in diversen Bürgerversammlungen.

„Eine Vielzahl von Bürgern hat ihr Unverständnis für diese Entscheidung geäußert“, sagte CSU-Stadträtin Elke Beyer, die den Antrag ihrer Fraktion vorstellte, die Straßenlaternen erst um 0.30 Uhr abzuschalten. „Die Bevölkerung fühlt sich unwohl, wenn um 23.30 Uhr das Licht ausgeht“, so Beyer. Viele Menschen seien um diese Zeit noch auf dem Nachhauseweg und fühlten sich unsicher. Für die zusätzlich benötigte Energie beantragte die CSU-Fraktion, 30.000 Euro in den Haushalt 2025 einzustellen, die beim Straßenunterhalt eingespart werden sollten.

„Und wieder grüßt das Murmeltier“

„Das entspricht dem Mehrheitswillen aus den Bürgerversammlungen“, unterstützte Boris-André Meyer von der Offenen Linken Ansbach (OLA), die den gleichen Antrag gestellt hatte. „Viele Frauen sind auf uns zugekommen, die zum Beispiel unsicher waren, ob sie noch länger auf dem Altstadtfest bleiben können“, so Meyer, der sich aber gegen eine Differenzierung zwischen Kernstadt und Außenorten aussprach.

„Meine Meinung dazu ist bekannt“, sagte Oberbürgermeister Thomas Deffner, der in Bürgerversammlungen stets betont hatte, nicht hinter der Entscheidung des Umwelt- und Verkehrsausschusses zu stehen, dem er nicht angehört.

Die innere Uhr der Honigbiene

Vorsitzender des Ausschusses ist Dr. Markus Bucka (BAP), der äußerte: „Und wieder grüßt das Murmeltier. Seit drei Jahren diskutieren wir das Thema.“ Es sei nicht richtig, das Sicherheitsgefühl der Menschen mit der Laternen-Abschaltung in Verbindung zu bringen. Bucka, der im Ortsteil Dornberg wohnt, wies darauf hin, dass in den Außenorten das Licht bereits seit Jahren um 23.30 Uhr abgeschaltet wird: „Da fühlen sich die Menschen nicht eingesperrt.“ Sein Fraktionskollege Manfred Stephan schlug vor, die Lampen zwar erst um 0.30 Uhr abzuschalten, aber erst um 5.30 Uhr wieder brennen zu lassen – was einigen Stadträten als zu spät erschien.

Werner Forstmeier von der ÖDP betonte den Umwelt- und Artenschutz-Aspekt. Eine Studie der Universität San Diego habe ergeben, dass das künstliche Licht die innere Uhr der Honigbienen beeinträchtige. Und die Bienen trügen massiv zur Stabilisierung der Öko-Systeme und der Bestäubung von 70 Prozent der Nutzpflanzen bei. Forstmeier plädierte für die Beibehaltung der bestehenden Regelung: „Jede Stunde ist ein Gewinn für die Tiere.“

„Kaltschnäuzig”

Elke Beyer (CSU) nannte es „kaltschnäuzig“, den Naturschutz über die Sicherheit der Bürger zu stellen, schließlich habe man durchaus „Brennpunkte in der Stadt“.

Ihr Fraktions-Chef Andreas Schalk schlug schließlich einen Kompromiss vor: Die Laternen sollten erst um 0.30 Uhr erlöschen, dann aber erst wieder um 5 Uhr angehen. Wegen der kürzeren Brenndauer würden dazu nur 15.000 Euro zusätzlich im Haushalt benötigt.

Boris-André Meyer (OLA) und Martin Porzner (SPD) wollten dennoch den Haushalts-Ansatz von 30.000 Euro beibehalten, fanden dafür aber keine Mehrheit. Der CSU-Antrag wurde schließlich mit 31 Stimmen angenommen.

OB Deffner wies darauf hin, dass es hier nur um einen Haushalts-Ansatz gehe und die Regelung noch im zuständigen Ausschuss beraten und beschlossen werden müsse. Doch das dürfte angesichts der satten Mehrheit für den Kompromiss nicht mehr als eine Formsache sein.

Die nächtliche Mozartstraße. Hier und in den übrigen ruhigen Nebenstraßen Ansbachs sollen die Straßenlaternen künftig abends eine Stunde länger brennen. (Foto: Evi Lemberger)
Die nächtliche Mozartstraße. Hier und in den übrigen ruhigen Nebenstraßen Ansbachs sollen die Straßenlaternen künftig abends eine Stunde länger brennen. (Foto: Evi Lemberger)
Die nächtliche Mozartstraße. Hier und in den übrigen ruhigen Nebenstraßen Ansbachs sollen die Straßenlaternen künftig abends eine Stunde länger brennen. (Foto: Evi Lemberger)

Winfried Vennemann
Winfried Vennemann
Redakteur
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