„Altern ist keine Krankheit“, sagt Prof. Michael Denkinger, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG). Natürlich gebe es altersbedingte Krankheiten, aber das Älterwerden selbst zu pathologisieren, findet er „sehr gefährlich. Das ist eine Einstellung, die unserer Gesellschaft sicher nicht guttut. Wer so denkt, übersieht, dass mit dem Älterwerden auch positive Dinge einhergehen“, sagt der ärztliche Direktor einer geriatrischen Klinik und Leiter des Instituts für Geriatrische Forschung der Uniklinik Ulm.
Seine Kritik zielt auf einen Trend namens Longevity (englisch für Langlebigkeit) - das Streben nach einem besonders langen und gesunden Leben. Im Gegensatz zu Anti-Aging, bei dem es primär um die Optik geht, will Longevity das Altern biologisch verzögern.
Influencer und Industrie haben den Trend entdeckt und bewerben Strategien und Produkte, die dabei helfen sollen. Ein Beispiel sind bestimmte Peptide, die das Gewebe verjüngen sollen. „Für all das gibt es keine Belege, maximal Erkenntnisse aus Tierversuchen“, sagt Denkinger. „Es gibt kein Produkt, das gezeigt hat, dass es Menschen länger leben lässt.“
An dem Ziel, lange zu leben und gesund alt zu werden, sei aber nichts auszusetzen, sagt Denkinger. Was dabei helfe, sei gut erforscht: viel bewegen, gut ernähren, nicht rauchen und wenig Alkohol trinken, Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen und soziale Kontakte pflegen.
Vom 23. bis 26. September treffen sich in Frankfurt am Main rund 1.000 Geriater und Gerontologen, um über aktuelle Fragen des Alters und des Alterns zu diskutieren. Bei dem Kongress geht es um neue Alzheimer-Therapien, die Auswirkungen des Klimawandels auf alte Menschen, neue Technologien in der Pflege und Konzepte für ein selbstständiges Leben. Das Thema „Ist Altern eine Krankheit?“ steht am Samstag auf dem Plan.
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