Makelloser Gesang und eine niedersprühende Kirsche im Kreuzgang | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 12.08.2024 20:31

Makelloser Gesang und eine niedersprühende Kirsche im Kreuzgang

Boten eine facettenreiche Interpretation von Hugo Wolfs „Italienisches Liederbuch“ (von links): Pianist Malcolm Martineau, Christiane Karg und Yannik Debus. (Foto: Roman Kocholl)
Boten eine facettenreiche Interpretation von Hugo Wolfs „Italienisches Liederbuch“ (von links): Pianist Malcolm Martineau, Christiane Karg und Yannik Debus. (Foto: Roman Kocholl)
Boten eine facettenreiche Interpretation von Hugo Wolfs „Italienisches Liederbuch“ (von links): Pianist Malcolm Martineau, Christiane Karg und Yannik Debus. (Foto: Roman Kocholl)

Wie hieß es doch in einer Ankündigung der Veranstalter: „Mit etwas Glück bietet vielleicht auch das Wetter im Kreuzgang eine italienische Atmosphäre.“ Dieser Wunsch wurde erhört. Bei der Aufführung von Hugo Wolfs „Italienisches Liederbuch“ mit Christiane Karg und Yannik Debus passte einfach alles.

Die äußeren Bedingungen für das Konzert in der KunstKlang-Reihe hätten italienischer kaum sein können: Sommerliche Temperaturen bis spät am Abend, Lieder, die die Liebesbeziehung zwischen einem Mann und einer Frau beleuchten, und insgesamt eine entspannte Atmosphäre im Publikum und auf der Bühne im Kreuzgang. Gleichwohl: Gesungen wird das „Italienische Liederbuch“ des österreichischen Komponisten Hugo Wolf naturgemäß auf Deutsch.

Christiane Karg und der kurzfristig für den ursprünglich angekündigten Florian Boesch eingesprungene Bariton Yannick Debus boten den Zuhörern und Zuhörerinnen im annähernd voll besetzten Kreuzgang eine spannungsvolle, differenzierte und „leicht“ daherkommende Interpretation von Hugo Wolfs Liederzyklus.

Wechsel des Stimmcharakters

Eine der Anforderungen für die Sänger liegt im schnellen Wechsel des stimmlichen Charakters, der sich innerhalb weniger Takte vollziehen kann. Etwa in dem Lied „Benedeit die sel’ge Mutter“. Zu dem Text „Ach, der Wahnsinn fasst mich an“ wurde es geradezu opernhaft. Um nicht zu sagen: wagnerisch. Yannick Debus ließ seine Stimme für einige Takte expressiv aufleuchten, um sogleich in einem innigen Piano seine Sehnsucht nach der Mutter zu besingen. Christiane Karg nahm diese dichte Atmosphäre auf und führte sie in ihrem unmittelbar folgenden Stück fort.

So wurde deutlich, dass es sich bei Hugo Wolfs Liederbuch nicht um eine Aneinanderreihung von 46 unabhängigen Kompositionen handelt, sondern dass das Ganze von einer kaum wahrnehmbaren Dramaturgie durchzogen ist.

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Christiane Karg zeigt den hintergründigen Humor

Stets haben die beiden Interpreten makellos gesungen. Darstellerisch ließ Christiane Karg ihre Erfahrung von den großen Opernbühnen der Welt aufblitzen: kokett, trotzig, spöttisch, leidend oder schmeichelnd. Immer wieder schimmerte in ihrer Interpretation der bisweilen hintergründige Humor der Musik von Hugo Wolf auf.

Am Flügel sorgte Malcolm Martineau für eine einfühlsame, den Text oft klangmalerisch ausgestaltende Grundlage. So konnten die Besucher und Besucherinnen am Sonntag im Kreuzgang zu Feuchtwangen ein KunstKlang-Konzert auf höchstem Niveau erleben.

Auch die bereits erwähnte Natur mischte sich in den sommerlichen Liederabend immer wieder hörbar mit ein. Sei es durch das Klappern zweier Störche nach dem von Christiane Karg gesungenen Lied „Wir haben beide lange Zeit geschwiegen“, was durchaus als spontane Beifallsbekundung vom Kirchendach herab verstanden werden konnte. Oder als zur Zeile „Mehr als da Tropfen niedersprühn im Regen“ eine Kirsche vom Baum neben der Sängerin niedersprühte.

Genau dies macht den Reiz von Freiluftkonzerten aus. Immer wieder gelang es an diesem Sommerabend der Natur, die artifizielle Sphäre des Kunstliedes zu brechen und im Hier und Jetzt zu verorten. Dem Kunstgenuss war dies alles andere als abträglich.

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