So ein Zirkus. Aber im positiven Sinne, denn eine ganze Woche lang war der Zirkus ZappZarap an der Johann-Heinrich-Pestalozzi-Schule zu Gast. Für die Schüler eine Gelegenheit, einmal den Zauber der Manege zu spüren und sich am Trapez, beim Seiltanz oder gar als Fakir zu beweisen. So mancher blühte dabei richtig auf.
Manege frei am Sozialpädagogischen Förderzentrum in Ansbach: Für eine Woche hieß es nicht Schreiben, Lesen, Rechnen, sondern Akrobatik, Jonglieren, Balancieren. Der Zirkus ZappZarap hatte ein Zelt am Sportgelände aufgebaut und schulte die Kinder und Jugendlichen in verschiedenen Disziplinen. Die Organisation bietet Zirkuserlebnisse zum Mitmachen an. Die Teilnehmer werden geschult und führen dann Zirkusnummern selbst vor.
Die Idee „Manege statt Unterricht“ stammte von Schulleiterin Christine Karch: „Ich bin schon seit meiner Kindheit ein Zirkusfan und dachte, das wäre was für meine Schüler.“ Zuvor musste sie im Kollegium Überzeugungsarbeit leisten. Nach einer Einführungsveranstaltung mit dem Zirkusteam hatte sie die Lehrer aber überzeugt.
Ähnlich ging es ihr mit ihren 230 Schülern: „Was, ein Zirkus? Ich in der Manege? Vor Publikum?“, fragten sich viele ungläubig. In kleinen Workshops konnten sie sich ausprobieren. „Sie mussten sich an die Manege erst einmal gewöhnen, und es hat ein wenig gedauert, bis die Schüler ein Artistenlächeln ins Gesicht bekommen haben“, sagte Karch. Nach und nach sei eine richtige Gemeinschaft gewachsen.
Besonders eindrucksvoll war für sie der Wandel einer Fünftklässlerin, einem zurückhaltenden und schüchternen Mädchen. Sie hatte absoluten Bammel vor einem Auftritt: „Wenn wir das machen, komm ich nicht in die Schule“, sagte sie. Aller Zuspruch half wenig, selbst bei den Workshops stand sie nur am Rand und schaute zu. „Sie wollte einfach nicht“, erinnerte sich Karch.
Doch als die anderen so übten, ging sie irgendwann aus sich heraus: „Vielleicht kann ich doch den Seiltanz probieren.“ Stück für Stück taute sie auf, bis sie irgendwann, zwar mit Stütze, aber selbstständig über das Seil balancierte. „Als ich sie dann so sah, kamen mir fast die Tränen“, gab die Schulleiterin zu.
Die Workshops waren nur zum Ausprobieren. Danach mussten die Schüler festlegen, was sie aufführen wollten. „Das Trapez und die Feuershows waren am begehrtesten“, weiß Karch noch. Die beiden Coaches Paul Huck und Paul Franzen mussten dann vermitteln.
Nach einer Woche harten Trainings stand die Generalprobe an. Dafür waren Partnerschulen zu zwei Vorstellungen eingeladen. Zum ersten Mal in den bunten Kostümen vor knapp 400 Menschen zeigen, was man kann.
Trotz der Aufregung wirkten viele Kinder und Jugendliche schon wie Profis. Einer von ihnen war Munir. Der Neunjährige besucht die Klasse 3.1 und machte bei der Fakir-Show mit dem Nagelbrett mit: „Aufgeregt war ich schon, aber mir hat es gefallen.“ Jederzeit würde er wieder mitmachen.
Ähnlich ging es Siazimet. Die Elfjährige tanzte mit dem Hula-Hoop-Reifen: „Ich war sehr nervös, aber habe es durchgezogen.“ Sie freute sich schon auf die öffentliche Aufführung, denn dafür hatte sich ihre Familie angekündigt.
Die Schulartisten konnten am Samstagvormittag am Förderzentrum in der Rügländer Straße live erlebt werden.