Den Raum als dritten Pädagogen will Schulleiter Gernot Helmreich an der FOSBOS Ansbach nutzen. Das scheitert in zwei Gebäudeteilen aber von Grund auf, sie sind auf dem Stand von vor Jahrzehnten. Als Lösung komme nur eine Generalsanierung samt Neubau in Frage.
„Das ist jetzt natürlich nicht die beste Werbung für unsere Schule“, meint Helmreich schmunzelnd. An dem Tisch neben ihm sind staubgraue Sicherungen montiert, die noch „Made in West Germany“ sein dürften. Doch die Schüler kämen aus anderen Gründen an die FOS, nicht wegen der Räume. Eine wichtige Instanz der Bildungslandschaft ist sie, ist sich das Kollegium einig. Gerade junge Menschen, die als erste aus ihren Familien eine höhere Schule besuchen, bekommen hier eine Chance. Oder Schüler, die an den Gymnasien gescheitert sind, aber sich den Traum vom Studium erfüllen wollen.
Und schöne Ecken hat sie durchaus, den Palmengarten, den historischen D-Bau. In der Pfarrstraße gelegen fehlt es an einem Pausenhof, aber in der direkten Umgebung der Altstadt gibt es Dutzende Möglichkeiten, um zu essen und durchzuschnaufen. Der 2006 gebaute C-Bau wirkt modern, hier findet etwa der Computerraum Platz. Seit diesem Neubau ist, abgesehen von einer Feuertreppe, aber nichts mehr an der FOSBOS passiert.
„Alt und marode“ ist mit den Worten Helmreichs der B-Bau. „Ein echtes Problem.“ Er wurde in den 1970ern bezogen, der Chemie- und Technologiesaal etwa ist von 1977. Sicherheitsstandards würden nicht mehr erfüllt, weswegen manche Geräte auch gar nicht mehr genutzt werden. „Auch energetisch sind die Räume sehr problematisch, es muss viel geheizt werden.“ Tatsächlich ist es in den Klassenzimmern sehr kühl, ein fast modriger Geruch liegt in der Luft.
„Hier lässt sich nichts mehr sanieren“, statuiert Helmreich. Die Barrierefreiheit sei außerdem nicht gegeben. Hier müsse ein Neubau her.
„Käfighaltung“ nennt der Schulleiter die im 1985 gebauten A-Bau untergebrachte Verwaltung. Auf etwa zehn Quadratmetern arbeiten vier Personen in einem der Büros. Das Lehrerzimmer ist ein umgebautes Klassenzimmer. Die dortige Küchenzeile hat der Hausmeister selbst eingebaut, vom Budget der Schule. 55 Lehrkäfte teilen sich den nicht besonders großen Raum. „Wir streiten um die Sitzplätze“, meint Lehrervertreterin Susanne Gruber, die dort gerade herauskommt. Auch keinen richtigen Elternbesprechungsraum gibt es und eine einzige Lehrerinnentoilette.
Die Sanitäranlagen sind ein Hauptproblem, erklärt Professor Dr. Alfred Seyferlein, Vorsitzender des Elternbeirates. „Manche Schüler vermeiden es gezielt, überhaupt auf die Toilette zu gehen.“ Vier Kabinen gibt es für Schülerinnen im gesamten B-Bau und C-Bau. Eine der Toiletten bestätigt das Bild: Das Holz am Türrahmen ist abgesplittert, der Mülleimer quillt über, der Raum wirkt dunkel und unfreundlich. Viel zu lange hat man am Schulgebäude nichts erneuert, sagt Seyferlein. Daran trage die aktuelle Stadtspitze nicht die Schuld, sondern Weichenstellungen noch von ihren Vorgängern.
Gern würde Seyferlein auch die Räume der leerstehenden Metzgerei Maurer belegen. „Es ist doch naheliegend, dass die Schule Räumlichkeiten in einem Gebäude nutzen sollte, das vom Schulgebäude umschlossen ist.“
Die Stadt hatte das der FOS bisher verwehrt. Auf Anfrage erklärte sie, dass derzeit ein Modernisierungsgutachten erstellt wird. Anfang 2024 sollen die Ergebnisse vorliegen. Dann soll über die weitere Nutzung des Anwesens entschieden werden.
Der Schule geht es aber vorrangig um den Erhalt und Ausbau des Bestandes. Seitdem die Schülerzahlen nicht mehr steigen, reicht der Platz theoretisch. „Wir können ihn nur nicht richtig nutzen“, so Helmreich.
Ein von der Schule erstelltes pädagogisches Raumkonzept wurde von der Regierung genehmigt und liegt der Stadt vor. Wird es umgesetzt, könnte sich die Schule weiterentwickeln: Räume, die als Klassenzimmer eigentlich ungeeignet sind, könnten dann zum Beispiel als Lernbüro genutzt werden, wo Schüler wie im Arbeitsleben selbstorganisiert arbeiten. Doch dazu müsse der A-Bau saniert und der B-Bau neu gebaut werden.