Die Aufarbeitung der Geschichte der Holocaust-Opfer in Schopfloch war eines der großen Anliegen im Ethikunterricht von Dr. Barbara Haas am Gymnasium Feuchtwangen. Jetzt hat die Pädagogin ein Buch über Charlotte Knobloch geschrieben und ihr ein Exemplar mit einer Delegation ehemaliger Schülerinnen und Schüler in München überreicht.
Charlotte Knobloch ist seit 1985 die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und war Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. Vier Jahre ihrer Kindheit hat die heute 93-Jährige in der Gemeinde Arberg verbracht. Charlotte Neuland, so ihr Mädchenname, war 1942 nach Arberg gekommen. Bei seinem Bemühen, sein Kind vor dem Zugriff der Nazi-Schergen zu verstecken, erinnerte sich der Münchner Anwalt Fritz Neuland der früheren Haushälterin seines Bruders, Kreszentia Hummel.
Die aus Arberg Stammende sagte zu. Als das Kind Charlotte in ihren Haushalt gekommen war, gab Kreszentia Hummel die damals Neunjährige als ihre uneheliche Tochter aus. Nur den Ortspfarrer hatte sie in das Geheimnis eingeweiht. Die Pfarrhaushälterin musste in dem katholischen Ort damals Schimpf und Schande über sich ergehen lassen, doch genau dies sicherte dem jüdischen Mädchen die soziale Existenz und das Überleben.
Das jüdische Mädchen besuchte die Schule, half bei der Feldarbeit und galt als aufgewecktes und intelligentes Kind. Nach dem Krieg, den ihr Vater in einem KZ überlebte, ging sie, nicht ganz freiwillig, zurück nach München.
Charlotte Knobloch war mehrfach zu Besuch in Arberg. Von ihrer Kindheitsgeschichte und dem Überleben in der Zeit des Nationalsozialismus hatte sie auch den Schülerinnen und Schülern aus Feuchtwangen erzählt, als diese vor rund zwei Jahren von Charlotte Knobloch nach München eingeladen worden waren. Der Kontakt war zustande gekommen, weil die Präsidentin der israelistischen Kultusgemeinde München die Holocaust-Recherchen der Ethikklasse seit 2021 begleitet und unterstützt hatte.
In diesem Rahmen arbeiteten die Jugendlichen die Shoah an den 60 jüdischen Opfern aus Schopfloch vollständig auf und initierten einen Gedenkstein und eine Gedenktafel am jüdischen Friedhof in Schopfloch. Außerdem gibt es jetzt Gedenktafeln an den ehemaligen jüdischen Häusern in Schopfloch, anstelle von Stolpersteinen. Und schließlich veröffentlichte die Gruppe das Buch „Verwehrte Steine - Für ein würdiges Gedenken an die jüdischen Holocaustopfer von Schopfloch”, das sie auch an Charlotte Knobloch überreichten.
„Ich nahm dies als Anregung, ein Buch mit dem Titel ,Die Tiere durchbrachen meine Einsamkeit - Charlotte Knobloch erinnert sich' zu verfassen”, teilte Barbara Haas jetzt mit. Mit einer Delegation mit einigen ihrer ehemaligen Schülerinnen und Schüler, die mittlerweile in Berlin, Ulm und Ingolstadt studieren, übergaben sie in München das Werk an die 93-Jährige, die sich über die Arbeit sehr gefreut habe.
In einem Geleitwort schreibt die Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde München: „In einem Moment, da die Zeitzeugen von der historischen Bühne abtreten und der Staffelstab der Erinnerung an Generationen übergeht, die keinen direkten Bezug mehr zur Epoche des Holocaust haben, ist jedes Werk wichtig, das Zeugnisse aus dieser Zeit für die Zukunft bewahrt. Ich wünsche diesem Buch deshalb eine große Verbreitung - und insbesondere, dass es seinen Weg in die Hände möglichst vieler junger Leser findet.”
Dr. Barbara Haas für ihr Projekt „Ihr seid nicht vergessen“ für jüdische Mitbürger im Jahr 2023 im Wettbewerb „Deutscher Lehrkräftepreis – Unterricht innovativ“ ausgezeichnet. Ausgeschrieben wird der Wettbewerb von der Heraeus Bildungsstiftung und dem Deutschen Philologenverband.