Fast jeder dritte Unfall, den die Polizei 2022 auf den Straßen der Region registriert hat, passierte, weil Wild die Fahrbahn kreuzte. Dies betonte bei der Präsentation der Verkehrsstatistik der bisherige stellvertretende PI-Leiter Timo Wittig. Für viele Kollisionen sei auch ein ungenügender Sicherheitsabstand verantwortlich, meinte er.
Das Zuständigkeitsgebiet der Polizeiinspektion umfasst neben den Städten Rothenburg und Schillingsfürst die Gemeinden Adelshofen, Gebsattel, Geslau, Insingen, Neusitz, Ohrenbach, Steinsfeld und Windelsbach sowie Buch am Wald, Diebach und Wettringen. Somit ist die Dienststelle für die Sicherheit von knapp 30.000 Einwohnerinnen und Einwohnern verantwortlich.
Im vergangenen Jahr nahm die Polizei in diesem Gebiet demnach insgesamt 1220 Unfälle auf. Diese Zahl bewege sich fast auf dem Niveau der Jahre vor Corona, erklärte Wittig. Ungenügender Sicherheitsabstand habe sich bei 354 Kollisionen als Ursache herausgestellt, meinte er: „Dabei ist nicht nur das Auffahren an der Ampel gemeint. Ein ungenügender Sicherheitsabstand liegt auch vor, wenn Leute zu wenig Abstand beim Ausparken einhalten.“
Fehler beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren seien ebenfalls häufig Gründe für Zusammenstöße. Gleiches gelte für Situationen, in denen das Rechtsfahrgebot nicht beachtet werde. Zu hohe Geschwindigkeit habe bei 86 der registrierten Unfälle als Grund ausgemacht werden können, meinte er. Bei etwas mehr als der Hälfte dieser Unfälle gab es demnach Verletzte.
Eine leichte Steigerung verzeichnete die Polizei bei den Alkoholunfällen. War 2021 noch bei neun Unfällen Alkohol die Ursache, spielte er 2022 bei 14 Unfällen eine Rolle. Drogenunfälle gab es nicht. „Glücklicherweise verunglückte auf den Straßen im letzten Jahr niemand tödlich“, sagte Wittig. Jedoch seien in diesem Jahr bereits zwei Menschen bei Verkehrsunfällen im Gebiet der Polizeiinspektion ums Leben gekommen.
Die Zahl der gemeldeten Wildunfälle sei im Inspektionsgebiet gegenüber 2021 um 21 auf 390 gestiegen, berichtete er. Der Bürgermeister der Gemeinde Adelshofen, Johannes Schneider, der außerdem Jäger ist, schaltete sich hier ein. „Viele denken, dass so viele Wildunfälle passieren, weil es etwa mehr Rehe gibt. Das ist nicht so“, betonte er. Seinem Eindruck nach fehle stattdessen gerade bei vielen jungen Fahrerinnen und Fahrern das Gefühl und die Vorsicht, „dass mal etwas aus dem Busch springen kann“.
Die anderen Gemeindevertreter stimmten ihm zu. „Wir brauchen mehr Aufklärung, Schilder allein helfen nicht“, lautete der Tenor. Besondere Vorsicht vor Wild ist laut Timo Wittig vor allem auf der Ortsverbindungsstraße zwischen Schweinsdorf und Gebsattel geboten. Kurz vor der Unterführung der A7 sei die Geschwindigkeit zwar auf 60 Stundenkilometer begrenzt. Jedoch komme es hier zu „wahnsinnig vielen Wildunfällen“, sagte Wittig. Als weiteres Beispiel nannte er die Ortsverbindungsstraße zwischen Leidenberg und Insingen.
Steigt die Aggressivität gegenüber Polizeibeamten? Das wollten die Vertreter der Städte und Gemeinden bei der Zusammenkunft von Dienststellenleiter Florian Stelzig wissen. Eine genaue Antwort konnte der Polizeichef nicht geben. „Für unseren Bereich liegen mir hierzu keine Zahlen vor“, sagte er. Allerdings: „Rein subjektiv nehme ich wahr, dass sowohl die Rettungsdienste als auch die Polizei und die Feuerwehr nicht mehr den gleichen Respekt genießen wie noch vor ein paar Jahren.“