Mietverträge laufen aus: Was wird aus der Seniorenresidenz Dietenhofen? | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 09.07.2024 15:57

Mietverträge laufen aus: Was wird aus der Seniorenresidenz Dietenhofen?

Geben nicht auf (von links): Hans Amm von den Eigentümern, Einrichtungsleiterin Carmen Linner und Geschäftsführer Jan Kleffmann. (Foto: Florian Schwab)
Geben nicht auf (von links): Hans Amm von den Eigentümern, Einrichtungsleiterin Carmen Linner und Geschäftsführer Jan Kleffmann. (Foto: Florian Schwab)
Geben nicht auf (von links): Hans Amm von den Eigentümern, Einrichtungsleiterin Carmen Linner und Geschäftsführer Jan Kleffmann. (Foto: Florian Schwab)

Die Seniorenresidenz in Dietenhofen steht erneut vor einer ungewissen Zukunft: Ende des Jahres laufen die Mietverträge mit der Eigentümergemeinschaft aus. Da die Verlängerung derzeit auf der Kippe steht, droht ein kompletter Verlust der stationären Pflegeeinrichtung in der Gemeinde.

Dem einen oder anderen Einwohner von Dietenhofen muss es wie ein Déjà-vu vorkommen. Vor vier Jahren stand die Seniorenresidenz schon einmal vor dem Aus, es lief ein Insolvenzverfahren. „Wir stehen wieder vor einer ungewissen Zukunft“, sagt jetzt Geschäftsführer Jan Kleffmann. Der ehemalige Mitarbeiter hatte die stationäre Pflege vor vier Jahren übernommen und zusammen mit seinem Team aus der Insolvenz geführt.

Mittlerweile läuft der Laden, wie Kleffmann und Einrichtungsleiterin Carmen Linner berichten. Die Belegungszahlen stimmen, es gibt lange Wartelisten und auch das Personal ist mit 37 Personen in ausreichender Menge vorhanden. „Das Personal ist unser Kapital“, betont Kleffmann. „Und das haben wir.“

Pflege in Dietenhofen: „Wirtschaftlich auf Kante genäht“

Vor vier Jahren wurden befristete Mietverträge mit der Eigentümergemeinschaft abgeschlossen, der das Gebäude gehört. Diese laufen Ende des Jahres aus. Hans Amm, einer der Eigentümer, hat schon signalisiert, dass er verlängern will. Bei den Eigentümern, die sich die Bereiche im zweiten Obergeschoss teilen, steht die Verlängerung auf der Kippe.

Sollte das nicht funktionieren, zeichnen Kleffmann und Linner ein düsteres Bild. Mit dem zweiten Obergeschoss würden zehn Plätze für die stationäre Pflege wegfallen, wodurch nur noch 20 Betten zur Verfügung stehen würden. Schon jetzt ist ein wirtschaftlicher Betrieb nach den Worten von Kleffmann „auf Kante genäht“. Mit nur noch 20 Plätzen sei das nicht mehr möglich. „Dann muss ich Insolvenz anmelden und die Einrichtung schließen.“

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Die Folgen wären, dass es keine stationäre Pflege mehr gibt, die Bewohner eine neue Unterkunft brauchen, die im näheren Umfeld rar gesät sind, die Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren und Senioren nicht mehr wohnortnah versorgt werden können. Die Entscheidung müsse zeitnah fallen, betont Kleffmann. Eigentlich braucht er sechs Monate, um alles abzuwickeln und neue Plätze für Bewohner zu finden.

Investoren sollen einen Anbau am Heim ermöglichen

Linner und Kleffmann arbeiten an einem Konzept und an der Gewinnung von Investoren, um einen Anbau zu realisieren. Die Pläne für die Erweiterung, die auf einem angrenzenden Grundstück realisiert werden soll, liegen fertig und genehmigt in der Schublade. Es fehlt die Finanzierung. Die Corona-Pandemie, der Ukraine-Krieg und die Folgen davon haben es zudem verhindert, dass schon längst gebaut werden kann.

Der Anbau ist nach den Worten der Verantwortlichen auch das langfristige Ziel. Die Erweiterung brächte Vorteile, denn im Moment ist die stationäre Pflege im Unter- und im zweiten Obergeschoss untergebracht. Im ersten Obergeschoss hat sich der Diakonieverein mit seinem Angebot des betreuten Wohnens eingemietet.

Die Hoffnung, dass das funktioniert und die Verträge verlängert werden, gibt Kleffmann noch nicht auf. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Mensch will, dass das Heim dicht macht.“ Dies könne sich eine Gemeinde auch nicht leisten. „Das ist unzeitgemäß. Es werden immer mehr alte Menschen, der Bedarf an Plätzen wird immer größer.“

Eigentümer wollen Entscheidung in Versammlung treffen

Die Entscheidung, ob die Verträge verlängert werden, soll nach einer offenen Diskussion mehrheitlich im Rahmen einer Versammlung der Eigentümer gefällt werden, berichtet Beirat Helmut Eberlein. Wie die Entscheidung ausfallen wird, kann er freilich nicht sagen. Er geht aber davon aus, dass die Eigentümer – wie ursprünglich bei Bezug der Seniorenresidenz im Jahr 1997 – ein großes Interesse an einem Haus mit betreutem Wohnen und stationärer Pflege haben.

In Absprache mit dem damaligen Insolvenzverwalter wurden die Mietverträge bis Ende 2024 befristet, wie Eberlein zurückblickt. „Das Ziel war, die stationäre Pflege im Ort zu halten.“ Deshalb wollten die Eigentümer Kleffmann die Chance geben, die Einrichtungen wieder ins Laufen zu bringen und gleichzeitig den Anbau zu realisieren. „Leider lässt der Anbau bis heute auf sich warten.“

Gespannt sind die Eigentümer nach seinen Worten auf das Konzept, das Einrichtungsleiterin Linner in der Versammlung präsentieren will. Teil dieses Konzeptes werde sein, wie der Anbau realisiert und finanziert werden soll.

Keine Eigeninteressen des Diakonievereins

Auf dieses Konzept ist auch Pfarrer Holger Bär gespannt. Der Geistliche ist Vorsitzender des Diakonievereins. Es wäre aus seiner Sicht nicht wünschenswert, wenn keine Lösung gefunden werden könnte und dadurch die stationäre Pflege wegfalle. Bär gibt aber auch zu bedenken, dass die bauliche Konzeption des Gebäudes eigentlich nicht geeignet ist für die aktuelle Mischnutzung.

Als das Haus in den 1990er-Jahren gebaut wurde, war es die ursprüngliche Idee, das erste und zweite Geschoss für das betreute Wohnen zu nutzen. Durch die Mischnutzung „stoßen verschiedene Interessen aufeinander“. Von Mietern des betreuten Wohnens gebe es Beschwerden. Auch diese Stimmen müssten die Eigentümer des Gebäudes berücksichtigen.

Gerüchten, dass sich der Diakonieverein weiter ausbreiten will, widerspricht Bär vehement: „Wir haben null Eigeninteressen.“


Florian Schwab
Florian Schwab
Redakteur
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