Dr. Markus Söder, Michaela Kaniber und Thorsten Glauber: Der Ministerpräsident und zwei Minister reisten am Freitag zum Tag der Streuobstwiese nach Burgbernheim, um eine Zwischenbilanz zum bayerischen Streuobstpakt zu ziehen und gemeinsam einen Kaiser-Wilhelm-Apfelbaum zu pflanzen.
Bürgermeister Matthias Schwarz begrüßte das Trio sowie zahlreiche weitere Partner aus Politik und Verbänden inmitten der rund 30.000 Burgbernheimer Streuobstbäume. Im, wie Markus Söder es nannte, „Streuobst-Eldorado“ Burgbernheim findet sich eines der größten zusammenhängenden Streuobstgebiete Europas mit rund 120 Hektar.
„Natur schützen und nützen“, dieses Motto greife bei den Streuobstwiesen, die auch Lebensraum für viele Lebewesen sind. Deren alte Kulturlandschaft und Biodiversität wurde immer schwächer. Seit 1965 seien rund 70 Prozent der Streuobstbestände in Bayern verschwunden, erklärte Söder.
Deshalb haben die Bayerische Staatsregierung und zahlreiche Verbände im Oktober 2021 den bayerischen Streuobstpakt unterzeichnet. „Ein ziemlich erfolgreiches, positives Modell, das auf Erfolgskurs ist“, so der Ministerpräsident. Auf die Fahne geschrieben habe man sich in diesem Zuge bis 2035 eine Million neue Bäume zu pflanzen.
Schon jetzt wurden einige Maßnahmen umgesetzt. Beispielsweise wurden über das Förderprogramm „Streuobst für alle“ rund 75.000 Bäume bewilligt. Die bayerischen Baumschulen haben ihre Produktionskapazitäten gesteigert. Der Erhalt der Streuobstwiesen wird über das Vertragsnaturschutzprogramm vom Umweltministerium mit besseren Fördermaßnahmen unterstützt: 2023 werden so rund 150.000 Bäume gefördert.
Über die Landschafts- und Naturpark-Richtlinien wurde die Pflanzung von rund 40.000 und die Pflege von rund 45.000 Stück bewilligt. 13 Forschungsprojekte werden außerdem derzeit umgesetzt. Und auch das Kompetenzzentrum Bernatura, das ebenfalls gefördert wird, wird seinen Beitrag leisten. Aktuell wird der Streuobstbestand in Bayern auf knapp sechs Millionen geschätzt. Die Staatsregierung unterstützt die Umsetzung des Paktes mit über 670 Millionen Euro.
Umweltminister Thorsten Glauber fand, dass „die Streuobstwiesen in Franken für uns wie die Korallenriffe in der Südsee sind. Für uns ist das Heimat. Ohne diese Baumlandschaft wär sie eine ganz andere“. Gegenüber der Zeit vor dem Streuobstpakt verzeichne man schon jetzt rund 200 Prozent mehr Pflege- und Betreuungsleistungen. Sein Dank galt auch den Partnern des Paktes – vom Landschaftspflegeverband bis hin zum Landesbund für Vogelschutz (LBV).
Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber war es wichtig, einen Namen besonders herauszustellen: Der bereits verstorbene Landtagspräsident a. D. Alois Glück, der Mitdenker des bayerischen Streuobstpaktes war. Sie bat zudem, dass auch die Verbraucher den Pakt mit unterschreiben – und zwar an der Ladentheke.
Johannes Schmitt erklärte stellvertretend für die Baumschulen, dass die Herausforderungen des Klimawandels gewaltig seien. In der Eröffnungsbilanz des Paktes wurde ein Defizit von jährlich 50.000 Streuobstbäumen in der bayerischen Produktion festgestellt, um die Zielmarke an Gehölzen zu erreichen. Vier Betriebe, alle in Poxdorf (Landkreis Forchheim) angesiedelt, produzieren derzeit nahezu 80 Prozent davon.
Die Baumschulen würden dabei ein großes Risiko eingehen, weil sie das Produkt bis zur Abnahme vorfinanzieren. Die Lieferung gesunder Bäume sei allerdings nur ein erster Schritt im Pakt, auch die Standordgerechtigkeit der verschiedenen Gehölze müsse man im Blick haben. Nach dem Pflanzen sei schließlich eine jahrelange intensive Pflege nötig. LBV-Vorsitzender Dr. Norbert Schäffer, der schon eine Reihe von Pakten unterschrieben habe, bemerkte beim Streuobst zudem eine „große Dynamik. Das ist der, wo vielleicht am meisten passiert ist“.
„Es wird ja immer der Eindruck erweckt, ich esse nur Fleisch. Das stimmt nicht. Ich esse auch viele andere Dinge. Heute eben Obst.”
Ein weiterer Obstbaum wurde in Burgbernheim gepflanzt, nachdem die drei Minister sich noch geschwind im Goldenen Buch der Stadt verewigt hatten: ein Kaiser-Wilhelm-Apfelbaum. „Mögen die Bäume wachsen“, sagte Markus Söder, der wie Kaniber und Glauber denn kräftig die Schaufel schwang ehe das Bäumchen fest im Boden saß. „Und es schmeckt ja auch einfach gut“, betonte der Ministerpräsident und kündigte an: „Heute poste ich mal Obst. Es wird ja immer der Eindruck erweckt, ich esse nur Fleisch. Das stimmt nicht. Ich esse auch viele andere Dinge. Heute eben Obst.“