Künstler wie ihn gibt es eher selten. Zum Edzerdla-Festival in Burgbernheim rollt er mit seinem selbst gebauten kleinen Heim an: Udo Lang ist mit Leib und Seele Zimmerer – und Liedermacher. Er selbst sieht sich auch als „handwerklicher Musiker“. Bei dem fränkischen Mundart-Festival wird er sich mit neuen Songs präsentieren.
Seit 2018 lebt Udo Lang aus Buch in seinem Bauwagen. Auf Reisen traf er ein Paar, das in einem ähnlichen Wagen wohnte. Da kam er auf die Idee: „Das kann ich auch machen, es muss ja nicht für immer sein.“
Das Leben in dem Bauwagen funktioniert ganzjährig, der 41-Jährige hat auch im Winter darin noch nie gefroren. Mit einem kleinen LKW zieht er sein mobiles Zuhause, dorthin, wo er gerade gebraucht wird. Als selbstständiger Zimmermann fand Lang in den vergangenen Jahren immer Projekte bei Freunden, zum Beispiel in Unterfranken oder Oberbayern. Künftig hat er noch kein Ziel, aber er würde gerne ins Ahrtal oder nach Österreich.
Musik hat Udo Lang schon immer begeistert: Seit er sieben ist, spielt er Schlagzeug, mit vierzehn kam dann die Gitarre dazu und obwohl ihm Lehrer zu Schulzeiten dafür das Selbstvertrauen nahmen, sang er stets gerne. Musik ist sein Ventil, um Sehnsüchte oder seinen Alltagsfrust zu verarbeiten. Außerdem trifft er immer wieder Musiker, die ihn motivieren.
Er sagt, er sei in einer glücklichen Position, die Musik neben seinem Brot-Job zu machen. Denn ob die gut sei, entscheidet kein Label, sondern nur er selbst. Und wichtig ist ihm, dass jedermann sie hören kann, ohne etwas dafür bezahlen zu müssen.
2021 veröffentlichte Udo Lang sein bisher letztes Album „Udo Langt“. Udo Langt ist auch sein Künstlername, deshalb, weil seine Musik ein Solo-Projekt ist und weil er damit wortspielerisch den Hörern das Du anbietet: Udo langt. 2022 kam dann ein Kurzfilm heraus, den er gemeinsam mit seinen Freunden Felix Krause und Tobias Schalk produzierte. In dem Film soll rüberkommen, wer er als Person ist, und er kritisiert darin die „Entwicklung in der Ökonomie“ – die Dominanz großer Industrien .
Ein neues Album ist sein aktuelles Projekt. Das wird in den nächsten Wochen unter anderem auf Spotify erscheinen. „Sandra tu die G’wehre weg, die schießen alles zam’“ heißt das Album und ein Song davon. Das Zitat entstammt einer Schießbudengeschichte aus seiner Jugend, und es passe sehr gut, denn „es spricht vieles an: Jede Lebensweise ist auch eine Form von Krieg“. Hauptsächlich möchte er mit seinen neuen Liedern einen „Selbstreflexionsanstoß“ geben. Das ist ihm besonders wichtig – gerade im Bezug darauf, was aktuell so politisch auf der Welt passiere.
Die Songs schrieb Lang nach und nach in den vergangenen beiden Jahren. „Manchmal stehe ich früh auf, mach’ mir einen Kaffee, hock’ mich mit meiner Gitarre hin und lass’ es einfach passieren.“ Seine Texte handeln meist von schwierigen Themen, die will er aber mit Humor rüberbringen, damit man sie gut hören kann. Sein neues Album wird daher „bunt und lebendig“.
Dafür hat er erstmals Gastmusiker eingeladen, die zum Beispiel Posaune oder E-Bass einspielen. Er selbst singt, spielt Gitarre, Mundharmonika und auf einer Kofferorgel. So habe sein neues Album viel mehr „Wumms“ und obwohl es wie das letzte selbst produziert ist, sei es professioneller gemacht worden.
Udo Lang bedeutet es viel, sein neues Musikprojekt bald zu veröffentlichen. Denn durch die viele Arbeit an einer Baustelle in Oberbayern, sei er in den vergangenen Jahren nicht groß zum Musizieren gekommen. „Ich habe mich nicht mehr wie ein Musiker gefühlt.“ Daher freut er sich um so mehr, bald wieder unterwegs zu sein, live spielen zu können und demnächst vielleicht schon wieder etwas aufzunehmen. In Zukunft eventuell auch mit anderen Musikern.
Jetzt fährt er von Trautskirchen aus mit seinem Bauwagen erst mal zum Edzerdla. Obwohl sein Fokus auf den fränkischen Dialekt gar nicht so vorhanden sei, da er sich als weltoffenen Mensch begreift, singt er auf Fränkisch. Denn er sieht sich sich selbst vom Typ her als „Provinzler“ und möchte in seiner Musik echt sein.