Er ist „Pilgerwagennomade” und Entschleuniger: Detlef Bonnemann aus Burgwedel bei Hannover. Vor Jahren haben er und seine Frau das Wandern für sich entdeckt und sind sozusagen Berufswanderer geworden. Denn der 58-Jährige spaziert nicht nur, sondern hält seine Erlebnisse in einem digitalen Tagebuch fest. Bald ist er im Landkreis auf Tour.
Nein, das große Fernweh hat Detlef Bonnemann nicht gepackt. Er muss nicht durch Asien reisen oder den Jakobsweg laufen. Ihm reicht die Bundesrepublik Deutschland mit ihren schönen Ecken. Vier Wochen jährlich ist der Niedersachse eigentlich immer auf Tour, meist sogar mehr. Mit Rucksack und seinem „Hackenporsche”. Er zieht ein kleines Wägelchen hinter sich her, „eine geländegängige Version für Wanderer”. Darin verstaut er sein gesamtes Gepäck – und damit fällt er auf.
Klammheimlich will er genau das auch erreichen, denn Detlef Bonnemann redet gerne mit den Einheimischen. Er will das Savoir-vivre der Region kennenlernen, die Kulinarik. Zusammengefasst: einfach Land und Leute. Seit 15 Jahren wandert er jetzt. Und in dieser Zeit hat er auch Franken kennen und lieben gelernt. Für seine neueste Tour, die er am 12. Juni startet, stand eigentlich nur der Endpunkt fest: Bamberg.
Also hat Bonnemann recherchiert – und Weikersheim (Baden-Württemberg) mit dem Schlosspark mag er ja sowieso so gerne. Also nur noch schnell eine Verbindung gesucht, wie es sich am besten von Weikersheim nach Bamberg pilgern lässt. Et voilà: über den Kunigundenweg, der auch einmal quer durch den Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim führt. Ganz allein läuft er und freut sich auf abwechslungsreiche Landschaften, das Weinparadies, den Steigerwald und vor allem nette Leute. Immer mit dabei: sein Anhänger.
Das macht die Einheimischen neugierig, weiß Bonnemann aus Erfahrung. „Sie sprechen mich dann an.” Und genau dazu lädt er ein, der Burgwedeler – genau deshalb kündigt er seine Tour auch vorab an. Er hofft auf viele Begegnungen. Zwar sei der Kontakt dann meist nur flüchtig, aber Bonnemann ist immer wieder überrascht, wie schnell sich Menschen öffnen. Nur zehn bis 15 Minuten lang, „aber sehr tief”. Der hiesige Landkreis ist für den 58-Jährigen dabei Neuland. Aber wenn es auch nur halb so gut wird, wie der Rest von Franken, den er schon zu Fuß bereist hat, ja dann könne es nur gut werden.
Sieben Tage hat er für die rund 160 Kilometer von Weikersheim bis Bamberg eingeplant. Rast nach Tag eins macht er im Hemmersheimer Ortsteil Pfahlenheim, weiter geht es über Bullenheim nach Scheinfeld und über Burghaslach weiter nach Burgebrach und Bamberg. 20 bis 30 Kilometer sind das pro Tag, manchmal auch weniger. Bonnemann passt die Etappenlänge vor allem auch auf die Höhenmeter an, die er zurücklegen muss. „Damit es nicht zu anstrengend wird.” Die Nächte verbringt er im Zelt. Er hat schon auf Campingplätzen und Bauernhöfen entsprechend ein Stück Wiese reserviert.
Der Kunigundenweg ist in Franken auch eine beliebte Pilgerstrecke. Ist Detlef Bonnemann also streng religiös? „Ganz und gar nicht”, antwortet der 58-Jährige sofort. Aber trotzdem bringen die viele Bewegung und das Draußensein an der frischen Luft auch „spirituelle Momente” mit sich. Schließlich ist so eine Tour voller Entbehrungen und „senkt die Glücksschwelle”, davon ist Bonnemann überzeugt.
Im Alltag habe man große Ansprüche und Erwartungen. Auf der Wanderung sei das gänzlich anders: Da könne eine Bank bei müden Beinen oder ein Trinkwasserbrunnen in der Hitze ganz schnell zum riesigen Highlight, zum Glücksbringer werden. „Und natürlich freue mich auf eine gute Brotzeit und ein kühles Bier”, für ihn sind das die „kulinarischen Höhepunkte”. Daran sollte es in Franken jedenfalls nicht scheitern. Das Glück liegt also auf der Strecke. Los geht's.
Wer Detlef Bonnemann mit seinem Anhänger sieht, ist ausdrücklich eingeladen, ihn anzusprechen. Wer seine Tour auf dem Kunigundenweg mitverfolgen will, kann das auf Facebook oder Instagram tun. Täglich gegen 7 Uhr fasst er dort die Erlebnisse der Vortagesetappe noch einmal zusammen. Im Internet findet man seine Einträge unter seinem Pseudonym „Pilgerwagennomade”.