Die Idee ist im Kopf, doch man spricht sie nicht aus. Ein Fehler fällt auf, aber man bleibt still. Viele Arbeitnehmende kennen diese Situation: Sie möchten sich einbringen, aber zögern aus Unsicherheit.
Höchste Zeit, sich zu entwickeln, denn: Der Moment völliger Sicherheit stellt sich im Berufsalltag selten ein. „Und wer sich dauerhaft zurückhält, verschenkt Einfluss und Karrierechancen“, erklärt Stefanie Bickert, Karriereexpertin beim Stellenportal Indeed.
Aber wie ändert man das? Der Weg zu mehr Selbstbewusstsein beginnt beim Selbstwert. „Arbeitnehmende unterschätzen oft, welchen Mehrwert sie mitbringen“, so Bickert. Was einem selbst selbstverständlich erscheint, kann für andere neu und hilfreich sein. Wer eigene Stärken und Entwicklungsfelder kennt, strahlt das auch aus.
Zusätzliche Sicherheit bringt der Erwerb neuer Fähigkeiten. Wer sich kontinuierlich weiterentwickelt und Neues lernt, vertraut mehr in sich, so die Job-Coachin. Ein einfaches Mittel sei es auch, bereits erreichte Erfolge wie gelöste Probleme, positive Rückmeldungen oder erreichte Ziele regelmäßig zu notieren. Auch, weil wir Menschen Kritik länger speichern als Lob. In zweifelnden Phasen hilft dann ein Blick auf die Liste, um die eigene Leistung realistischer einzuordnen.
„Beruflicher Erfolg entsteht nicht aus Lautstärke oder Perfektion, sondern aus einem klaren Auftreten“, erklärt Bickert. Blickkontakt oder ein ruhiger Sprechrhythmus wirken nicht nur auf andere, sondern auch auf das eigene Sicherheitsgefühl. Sätze wie „Ich bin mir nicht sicher, aber …“ oder „Vielleicht liege ich falsch …“ sind nicht förderlich, denn sie relativieren die eigenen Aussagen.
Hier kann klarer formuliert werden („Ich schlage vor...“, „Ich möchte ergänzen...“), so die Karriereexpertin. Zusätzlich könne es beim Sprechen hilfreich sein, die Stimme am Satzende abzusenken – das beende die eigenen Beiträge mit einem Punkt statt mit einem Fragezeichen.
Um sicherer zu werden, braucht es nur ein bisschen Übung. Bickert rät zu kleinen Schritten: Regelmäßigkeit wirkt stärker als ein einzelner großer Auftritt. Wer sich etwa vornimmt, einmal pro Woche einen Beitrag zum Beispiel in einem Meeting zu leisten, trainiert die eigene Präsenz.
Auch bewusstes Üben in einem bekannten Rahmen mit Freunden oder vertrauten Kollegen gibt Sicherheit. Dabei unerlässlich: Geduld mit sich selbst. „Erst wenn ein neues Verhalten zur Routine wird, verändert sich auch das eigene Sicherheitsgefühl“, so Stefanie Bickert. Das brauche Zeit. Schließlich haben sich auch die bisherigen Routinen über Jahre entwickelt.
Souveränität zeigt sich auch darin, nicht alles allein bewältigen zu wollen, so die Expertin. Wer unsicher ist, neigt oft dazu, erst um Hilfe zu bitten, wenn der Druck bereits hoch ist. Dabei reduziert eine frühzeitige Anfrage nach Unterstützung nicht nur Stress, sondern stärkt auch Beziehungen und signalisiert Verantwortungsbewusstsein.
Hier kann ein Perspektivwechsel von „Ich kann das nicht“ hin zu „Hier wäre Unterstützung sinnvoll“ helfen, so Bickert. Sie rät: Überlegen Sie sich genau: Benötigen Sie Fachwissen, einen Sparringspartner, um Ideen weiterzuentwickeln oder emotionale Unterstützung? So können Sie Ihrem Selbstbewusstsein gezielt auf die Sprünge helfen.
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