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Veröffentlicht am 27.06.2024 18:51

Montessori-Zentrum in Ansbach nimmt die nächste Hürde

Der geplante Zusammenschluss der drei Montessori-Standorte innerhalb der Stadtgrenzen hat die nächste Etappe genommen. In der jüngsten Sitzung des Stadtrates wurde das dafür notwendige Bauleitplanverfahren mit großer Mehrheit auf den Weg gebracht. Diskussionen gab es dennoch.

Bislang ist die Montessori-Grundschule in der Brauhausstraße untergebracht; die Sekundarstufe ist bereits jetzt auf dem weitläufigen Areal des künftigen Schulzentrums in der Grenzstraße zu finden – und wer seinen Nachwuchs nach dem von Maria Montessori ab dem frühen 20. Jahrhundert entwickelten pädagogischen Leitbild unterbringen will, hat dafür bislang die Kindertagesstätte in der Karolinenstraße anzusteuern. Nun will der Montessori-Verein Ansbach als Träger die drei Einrichtungen unter einem Dach vereinen.


„Für die Stadt ist das eine tolle Geschichte.”

OB Thomas Deffner

„Für die Stadt ist das eine tolle Geschichte. Wir sollten das unterstützen im Rahmen dessen, was möglich ist“, bemühte sich Oberbürgermeister Thomas Deffner (CSU) in der jüngsten Sitzung des Stadtrates um eine verbale Anschubhilfe für das Projekt, das nicht gänzlich unumstritten ist.

Gerade die Vertreter der BAP, die bei der Aussprache Wert auf die Feststellung legten, dass sie nicht grundsätzlich gegen Montessori seien, sprachen sich sehr deutlich gegen die geplante Erweiterung am bereits bestehenden Standort am Bocksberg aus.

Streit wegen der verkehrstechnischen Anbindung

Streitpunkt ist vor allem die verkehrstechnische Anbindung des Schulzentrums, die über den ohnehin stark ausgelasteten Hohenzollernring führen soll. „Die Erschließung ist eine Katastrophe. Da können sie das Projekt noch so schönreden“, echauffierte sich BAP-Stadtrat Manfred Stephan.

„Wir versuchen, eine Lösung dafür zu finden“, antwortete Stadtentwicklerin Andrea Heinlein betont sachlich – wohlwissend, dass dieser Versuch tatsächlich einer Herausforderung gleicht. Bei einem Blick in die leere Stadtkasse und der bereits bestehenden Beschneidung etlicher Projekte wäre ein Engagement der Stadt bei der Umsetzung baulicher Veränderungen einer Straßenführung oder an einer anderen Zuführung zum Hohenzollernring wohl nur schwer zu vermitteln.

Vorgesehen ist zum derzeitigen Stand der Planungen, dass die Erschließung laut Verwaltung „vorrangig über den Waldheimweg und die Grenzstraße“ erfolgen soll. Zusätzlicher Verkehr würde nach Einschätzung der Beamten vor allem in den Morgen- und Nachmittagsstunden nach Beendigung des Unterrichts entstehen. Boris-André Meyer (OLA) kritisierte in diesem Zusammenhang die Elterntaxis als „Unding“, was er aber als „gesamtgesellschaftliches“, nicht als spezifisches Ansbacher Problem einstufte.

Weniger Elterntaxis als an herkömmlichen Schulen

Relativierend äußerte sich Dr. Bernhard Schmidt (Grüne), der die bereits bestehenden Radverbindungen in diesem Areal ins Spiel brachte. „Eltern von Montessori-Schülern sind häufig mit dem Fahrrad unterwegs“, schilderte er seine Erfahrungen aus der Praxis. Entsprechend würde mit „sehr viel weniger Elterntaxis“ als bei herkömmlichen Schulen zu rechnen sein. „Wir sollten froh sein über so ein Schulzentrum in der Stadt“, befand Frank Reisner (SPD), andere Projekte würden andernorts auf der grünen Wiese entstehen.

Doch so schnell gab sich die Bürgerinitiative Ansbacher Parteiloser nicht geschlagen. Sie wies darauf hin, dass in den Planungen keine eigene Turnhalle für das pädagogische Zentrum vorgesehen ist und bei der zu erwartenden Zahl von 228 Schülern der Pausenhof mindestens 700 Quadratmeter groß sein müsste. „Die Weinbergturnhalle ist auch nicht in der Nähe“, monierte Stephan.

Tatsächlich berief sich der BAP-Stadtrat da auf einen „Gummi-Paragrafen“ in der Schulordnung. „Die evangelische Schule hat auch keine eigene Turnhalle“, bremste Elke Homm-Vogel (Freie Wähler) den Kollegen ein. „Die Träger öffentlicher Belange werden gehört, deren Stellungnahmen warten wir ab“, gab sich der OB gelassen. Gegen fünf Stimmen der BAP wurde das Bauleitplanverfahren dann beschlossen.

Anbau in der Grenzstraße: Der Montessori-Verein möchte seine pädagogischen Angebote auf dem Areal bündeln und erweitern. (Foto: Florian Pöhlmann)
Anbau in der Grenzstraße: Der Montessori-Verein möchte seine pädagogischen Angebote auf dem Areal bündeln und erweitern. (Foto: Florian Pöhlmann)
Anbau in der Grenzstraße: Der Montessori-Verein möchte seine pädagogischen Angebote auf dem Areal bündeln und erweitern. (Foto: Florian Pöhlmann)

Florian Pöhlmann
Florian Pöhlmann
Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
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