Nach 145 Jahren hat sich der Männergesangverein „Liederkranz“ Mönchsroth aufgelöst. Mit den verbleibenden Stimmen war der Chor nicht mehr singfähig, neue Mitglieder konnten nicht gewonnen werden. Somit gab es keine Zukunftsperspektive für den 1878 gegründeten Gesangverein.
Der Verein habe zwei Jahre geruht und der Fränkische Sängerbund (FSB) wollte nun eine Entscheidung, erklärte Vorsitzender Johann Deppner. Wie den Ausführungen von zweitem Vorsitzenden Fritz Franke zu entnehmen war, verstarben in den vergangenen zwei Jahren sechs Mitglieder, darunter der langjährige Vorsitzende Karl Brehmer.
Anfang Januar wurde in einer Sitzung die Auflösung des „Liederkranzes“ beschlossen und nun nach rechtlichen Gesichtspunkten zur letzten Versammlung eingeladen. Diese leitete der Geschäftsführer des Sängerkreises Ansbach, Andreas Frey.
Er wisse um die Schwierigkeiten der Chöre in der Region, rund zehn hätten in den vergangenen drei Jahren aufhören müssen, sagte Frey. Als er vor elf Jahren sein Amt übernahm, seien im Sängerkreis Ansbach noch 110 Gesangvereine aktiv gewesen, aktuell seien es 86. Frey ermunterte die verbleibenden Sänger des „Liederkranzes“ Mönchsroth, in anderen Chören mitzuwirken und das Singen nicht aufzugeben.
Deppner und Franke wurden in der Versammlung als Liquidatoren gewählt. Sie sind die Ansprechpartner bei den weiteren Schritten der Vereinsauflösung. 1000 Euro aus dem Vereinsvermögen, das laut Schatzmeister Anton Bäuml rund 6300 Euro beträgt, werden nach einstimmigen Beschluss der Anwesenden dem Sängermuseum in Feuchtwangen gespendet. Das restliche Geld geht nach Abzug aller Nebenkosten für Notar und Bearbeitungsaufwand – wie in der Satzung vorgegeben – an die Gemeinde Mönchsroth für gemeinnützige Zwecke. Die Vereinsfahne, historische Protokolle und Notenmaterial werden ebenfalls dem Sängermuseum übergeben. Das Klavier des „Liederkranzes“ wird der örtlichen Schule für den Musikunterricht überlassen.
In bewegenden Worten rief Vorsitzender Deppner herausragende Ereignisse des Chors ins Gedächtnis, zuletzt der beeindruckende Auftritt vor vier Jahren beim Sängerfest in den Weinbergen um Ipsheim. Er habe eine beeindruckende Kameradschaft, Ehrlichkeit und Verbundenheit erlebt, betonte Chorleiter Dieter Jörg und wünschte sich regelmäßige Treffen zum Gespräch und auch zum zwanglosen Singen.
Bürgermeisterin Edith Stumpf war „tief betroffen“ von der Auflösung des „Liederkranzes“. Dessen Weinfeste und dessen viele Auftritte seien eine Bereicherung für das Gemeindeleben gewesen. Als aktive Chorsängerin wisse sie um die Freude am gemeinsamen Gesang, sagte Stumpf. Die Rathauschefin verteilte Zettel mit dem Heimatlied „S’ ist Feierabend“, das dann gesungen wurde und den emotionalen Schlusspunkt der Versammlung bildete.