Am Montag hatten Knallgeräusche in einer Asylbewerberunterkunft in der Würzburger Straße in Uffenheim (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) für einen großen Polizei-Einsatz gesorgt. Noch bevor gesicherte Informationen vorlagen, kochte die Social-Media-Gerüchteküche. Die Hetze im Netz macht Bürgermeister Wolfgang Lampe fassungslos.
Gerade hatte Wolfgang Lampe am Montag den Saal des Landratsamtes in Neustadt für die Kreistagssitzung betreten, als eine Meldung an seinem Handy aufploppte: Polizei-Großeinsatz in der Würzburger Straße in Uffenheim. „Das ist natürlich schon komisch, ich habe die Situation gemeinsam mit dem Landrat im Sitzungssaal verfolgt.” Später telefonierte er mit dem Bad Windsheimer Polizeichef Heiko Dürr. „Da war die Lage dann schon geklärt.”
„Am Anfang schießen einem natürlich viele Gedanken durch den Kopf”, sagt Lampe. Er habe einige Anrufe erhalten, was da denn los sei, auch von „meiner Family”. Aber letztlich habe zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Bevölkerung bestanden. „Ja, es gab Knallgeräusche, aber es ist keine Waffe gefunden worden.” Der Bürgermeister mutmaßt, dass es womöglich Chinaknaller gewesen sein könnten. Dass damit ein Großeinsatz der Polizei ausgelöst wurde, „da dürften die Asylbewerber mehr als alle anderen schockiert sein”.
Lampe stört, dass die „Stigmatisierung” auf Facebook begann, als das Wort „Asylbewerberunterkunft” gefallen ist. Vor allem in einer Uffenheim-Gruppe standen da schon längst rassistische und menschenfeindliche Kommentare. „Weg mit denen”, „Sofort zurückschicken”, „Die sollen in ihrem eigenen Land rumballern”. Zu diesem Zeitpunkt war nur klar, dass Zeugen Knallgeräusche wahrgenommen hatten, mehr nicht.
„Das ist einfach nicht mehr in Ordnung, was da in den Sozialen Medien abläuft”, sagt der Uffenheimer Bürgermeister. „Hintergrundgehetze ohne Fakten. Das macht mich betroffen.” Das Image der Geflüchteten sei schlecht, verstehen kann er das nicht, im Gegenteil. Er nennt ein Beispiel: Ein Geflüchteter, der in der Bahnhofstraße untergekommen ist, arbeitet derzeit im Bauhof mit, für 80 Cent die Stunde. Aber das Geld interessiert ihn nicht, er mag vielmehr seine neue Tätigkeit.
„Er sieht die Arbeit und fragt jeden Tag, warum er nicht auch am Nachmittag arbeiten darf”, betont das Stadtoberhaupt. Aber so seien nunmal die gesetzlichen Vorgaben. Ein Afrikaner sei er, der „die Arbeit sieht, ein guter Mann”, das meldeten ihm auch die Bauhofmitarbeiter zurück.
In den Sozialen Medien wird derweil sogar eine Stellungnahme der Stadt zum Polizeieinsatz vom Montag eingefordert. „Ich sehe keine Veranlassung dazu”, sagt Wolfgang Lampe. Die betroffene Gruppe auf Facebook sei nicht von der Stadt, „darauf reagiere ich nicht”. Was Lampe klarstellt: „Sobald das Wort ,Schüsse' fällt, wird das volle Programm aufgeboten - und das ist auch richtig so.” Das sehe die Sicherheitskette so vor. „In einem anderen Gebäude, in dem nur Deutsche wohnen, wäre das Gleiche passiert.” Der Bürgermeister lobt explizit die guten Kräfte der Polizei, „die das perfekt machen”.
Für ihn selbst und für den Umgang der Stadt Uffenheim mit Geflüchteten wird der Zwischenfall vom Montag nichts ändern. Die Asylbewerberunterkunft sei von der Regierung von Mittelfranken von einem Privatmann angemietet und somit ohnehin nicht Angelegenheit der Stadt. „Es wurde keine Waffe gefunden”, betont Lampe nochmals. Er wird die weiteren polizeilichen Ermittlungen verfolgen. Denn eines steht fest: Auch bei der Polizei sorgt der Fall noch für viele Fragezeichen.