Als „eine ganz besondere Wanderung“ stellte Sandra Baritsch, Geschäftsführerin des Naturparkes Steigerwald, die neue Route „Ruine Scharfeneck“ vor. Diese wurde am europäischen Tag der Parke unter dem Motto „gemeinsam für die Natur“ stellvertretend für alle 16 neu entstandenen Steigerwald-Runden eröffnet.
Alle Steigerwald-Runden erfüllen dabei dieselben Kriterien. Sie sind Halbtagestouren von fünf bis fünfzehn Kilometern, bestehen aus maximal 20 Prozent Verbunddecke (asphaltiert) und mindestens 35 Prozent naturnahen Wegen und unterliegen den Regeln des Deutschen Wanderverbands.
Baritsch zeigte sich bei der Eröffnung glücklich über die bereits gemeisterten Herausforderungen. Die Markierungen mit der Aufschrift Steigerwald-Runde und die digitalen Ausschilderungen seien bereits umgesetzt. Gefördert wurden die Maßnahmen durch das bayerische Staatsministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz. Ein Wermutstropfen blieb aber: Ob der gestellte Antrag zur Förderung von den noch fehlenden Wegweisern und Landkarten über die Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinie genehmigt wird, ist derzeit noch unklar.
Thomas Reil vom Steigerwaldclub Oberscheinfeld und Naturpark-Rangerin Alexandra Kellner führten an diesem Tag nach der Begrüßung außerdem eine Wandergruppe an. Die trotz trüben Nieselwetters rund 30 Personen umfassende Gruppe erkundete den neuen Wanderweg.
Mit dabei waren auch Elena Schuster und Mareike Gölitz vom Kreistourismusverband des Landkreises, der Bürgermeister Oberscheinfelds Peter Sendner, der stellvertretende Landrat Reinhard Streng und Vertreter des Steigerwaldklubs Oberscheinfeld, sowie einige weitere Wegewarte.
Reil und Kellner führten die Wandergruppe zunächst entlang des idyllischen Prühlbachs. Mit den Worten „Da ist einer am Werk“ entführte Kellner die teils sehr skeptischen Wanderer in die Welt des Bibers. Dieser sei ein echter Urbayer, der leider nicht klettern könne und deshalb mit seinen selbsterneuernden und selbstschärfenden Zähnen Bäume fällt, um an seine Nahrung nämlich – Knospen, Rinde und Blätter – heranzukommen. Als eine streng geschützte Art im gemeinschaftlichen Interesse, verändere er die Fließstruktur und schaffe einerseits Schutz vor Austrocknung und andererseits vor Hochwasser. Maßnahmen also, die auch dem Menschen helfen und viel Geld kosten würden.
Weiter ging es auf naturnahen Pfaden durch charakteristische Eichen- und Buchenwälder, vorbei am Roten Kreuz, bei dem Reil ausführlich über die Entstehungsgeschichte informierte. Das im Wald von einem Prühler Bauern im 17./18. Jahrhundert errichtete Holzkreuz befindet sich an einer Kreuzung, an dem die Ortsfluren Oberscheinfeld, Appenfelden und Seitenbuch zusammenstoßen.
Im Jahr 1891 wurde es renoviert und in seiner jetzigen Form im Jahr 1933 errichtet. 1975 renovierte der Steigerwaldklub Zweigverein Oberscheinfeld abermals, das von Reil als „Schmuckstück“ bezeichnete, namensgebende Denkmal und errichtete in der Nähe eine Unterstellhütte.
Am Ziel – an der Ruine Scharfeneck – wurden die Teilnehmenden mit einem fabelhaften Panoramablick und einer vom Naturpark spendierten Brotzeit belohnt. Für erfrischende Getränke sorgte der Steigerwaldklub Oberscheinfeld.
Streng lobte bei der Wanderung den neuen Weg. Er freute sich besonders über das Gemeinschaftsbewusstsein der Franken mit seinen Unterteilungen in Unterfranken, Mittelfranken und Oberfranken. Diese würden, wenn es darauf ankommt, zusammenhalten, wie das Beispiel der gelungenen Zusammenarbeit im Wanderverband zeigt.
Sendner lobte außerdem den Steigerwaldklub als Garant, dass „die Wanderwege so bei‘nand sind“. Denn in der mit 42,3 Quadratkilometer großen Gemeinde mit circa 1100 Einwohnern bleibe „viel Natur übrig“.