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Veröffentlicht am 15.01.2024 11:37

Nervenkitzel für den Neustädter Klarinettenbauer

Leo Seufert in seinem Element: Vor allem das Problemlösen bei Reparaturen macht ihm Spaß. (Foto: Anna Beigel)
Leo Seufert in seinem Element: Vor allem das Problemlösen bei Reparaturen macht ihm Spaß. (Foto: Anna Beigel)
Leo Seufert in seinem Element: Vor allem das Problemlösen bei Reparaturen macht ihm Spaß. (Foto: Anna Beigel)

Mit den eigenen Händen Dinge schaffen und erschaffen – das machen zahlreiche Handwerkerinnen und Handwerker jeden Tag. In einer Serie stellt die FLZ erfolgreiche Nachwuchstalente aus Westmittelfranken und ihre Berufe vor. Diesmal geht es um den Klarinettenbauer Leo Seufert.

Holzblasinstrumentenmacher. Ein kompliziertes Wort, genau wie wohl auch das Handwerk an sich. Leo Seufert hat es in seiner Ausbildung gelernt und ist nun Klarinettenbauer bei Dietz Klarinettenbau in Neustadt. Der 23-Jährige ist in seinem Handwerk Kammer- und Landessieger geworden.

Berufsschule in Mittenwald

In der Ausbildung hat Seufert gelernt, auch andere Instrumente herzustellen. In seinem Jahrgang waren noch drei weitere Holzblasinstrumentenmacher an der Berufsschule in Mittenwald. Dort haben sie unter anderem gemeinsam mit Blechblasinstrumentenmachern gelernt, die komplexen Instrumente neu zu bauen, aber auch zu reparieren.

Leo Seufert kümmert sich in der Werkstatt in Neustadt vor allem um den ersten Schritt beim Neubau einer Klarinette: das Holz an der Drehmaschine so zu bearbeiten, dass es geeignet ist. Hauptsächlich stellt er dabei die Korpusteile des Instruments her. Er graviert aber beispielsweise auch Logos und Seriennummern oder poliert und schleift die Teile später.

Wenn Leo Seufert seine Arbeit verrichtet hat, wandern die fertigen Teile einen Stock höher und werden da von weiteren Mitarbeitern zu einer spielbaren Klarinette oder einem Fagott weiterverarbeitet. Und ab und zu, da hört man auch einen Mitarbeiter ein paar Töne spielen. Das Instrument muss schließlich auf Herz und Nieren getestet werden, bevor es an den Kunden geht.

Aufträge für Instrumente aus dem In- und Ausland

Vor allem von Berufsmusikern kommen die Aufträge – deutschlandweit, aber auch international. Die Firma in Neustadt verkauft die Instrumente direkt an die Kunden. Das individuelle Herstellen spielt dabei eine große Rolle. So werden beispielsweise auch mal Klarinetten für Linkshänder oder Menschen mit weniger als zehn Fingern produziert.

Statt drei Jahren dauerte Leo Seuferts Ausbildung vier Jahre. Denn als seine Gesellenprüfung anstand, war er krank. Und einen neuen Prüfungstermin zu finden, dauerte. Als der Test dann endlich stattfand, wurde Seufert alleine geprüft. „Deshalb gehe ich davon aus, dass ich generell der einzige Prüfling war“, sagt er und lacht. Bescheiden, schließlich wurde er als Kammer- und Landessieger in seinem Beruf ausgezeichnet. „Bei den Maurern zum Beispiel ist das viel härter, die müssen sich gegen viel mehr andere Prüflinge durchsetzen.“

Doch egal, ob es Zufall war oder nicht: Seine Ausbildungsstätte in Neustadt war wohl zufrieden mit ihm, denn Leo Seufert wurde dort übernommen und hat mittlerweile auch eine Wohnung in Neustadt statt wie zuvor von Unterfranken zur Arbeit zu pendeln.

Nach drei Tagen Praktikum unterschrieben

Und auch die Tatsache, seine Ausbildung im Klarinettenbau zu beginnen, könnte man eher als Zufall beschreiben. Nach dem Abitur war Leo Seufert lange unsicher, was er machen soll. „Es gibt einfach zu viele Optionen.“ Über mehrere Ecken erfuhr er, dass in Neustadt ein Azubi gesucht wurde. Also absolvierte er eine Praktikumswoche bei seinem späteren Arbeitgeber. „Nach drei Tagen hab ich den Vertrag unterschrieben. Das war Win-win sozusagen.“

Die Chemie hat also gestimmt. „Meine Eltern sind Goldschmiede, die Arbeit hier war sehr ähnlich, deshalb hat es sich direkt wie ein Stück Heimat angefühlt und ich habe mich wohl gefühlt.“ Dass er danach in Neustadt bleiben würde, war beiden Seiten von Anfang an klar, sagt Leo Seufert.

Der Beruf des Klarinettenbauers ist modern, findet er. Zwar handelt es sich um ein altes Handwerk, trotzdem finde in gewisser Form immer wieder Innovation statt. Ist diese Arbeit deshalb so attraktiv für den 23-Jährigen? Auch. „Es ist so schön, am Ende des Tages ein Ergebnis vor sich liegen zu haben“, sagt er.

Oft gibt es nur eine Chance

Zwar sei die tägliche Arbeit ab und zu auch monoton. Doch auf der anderen Seite gibt es da auch immer diesen „Nervenkitzel“, der Leo Seufert besonders gefällt. „Oft gibt es bei bestimmten Tätigkeiten nur eine einzige Chance. Wenn man es dann nicht schafft, kann auch mal ein teures Instrument darunter leiden.“

Vor allem das Lösen von Problemen bei aufwendigen Reparaturen macht ihm Spaß: „Wenn etwas dann klappt, ist es so befriedigend“, freut sich der junge Handwerker. Egal, ob Zufall oder Schicksal: Leo Seufert ist in seinem Handwerk angekommen.


Anna Beigel
Anna Beigel
Redakteurin für Westmittelfranken und Landkreis Ansbach
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