Noch professionellere Hilfe für junge Menschen mit Förderbedarf soll es ab kommendem Sommer in Scheinfeld geben. Die Lebenshilfe steckt fünfeinhalb Millionen Euro in einen Neubau. Parallel wird die benachbarte Wohnstätte modernisiert.
Früher war die Frühförderstelle in Scheinfeld im Dachgeschoss des Wohnheims der Lebenshilfe untergebracht. Dann kam Corona und während der unterschiedlichen Phasen von Lockdowns durfte kein Publikumsverkehr mehr ins Haus.
Die Frühförderstelle konnte übergangsweise in gemietete Räume von der evangelischen Kirchengemeinde umziehen – was Pfarrer Stubenrauch, der nun dem neuen Vorhaben seinen Segen erteilte, als Herzensangelegenheit der Kirche bezeichnete: „Diese Menschen sind Gottes Ebenbild. In ihnen kommt Christus zu uns.“
So froh man für die kurzfristige Lösung war, dauerhaft verspricht man sich von einem Neubau ein Plus an Ausstattung, Raum und Diskretion. Kurz: eine noch professionellere Frühförderung ist das Ziel. In den letzten Jahren ist der Bedarf stark gestiegen. Landkreisweit werden 436 Kinder betreut, in Scheinfeld 148.
Frühförderstellen sind in Neustadt, Bad Windsheim, Uffenheim und Scheinfeld zu finden – um den Eltern wohnortnahe Behandlungen anzubieten. In acht Therapie- und Mitarbeiterräumen kümmern sich Ergotherapie-, Logopädie- und Physiotherapiekräfte um die Kinder. Die Eltern werden mit Beratung unterstützt.
Parallel wird das benachbarte Wohnheim der Lebenshilfe saniert. Die Gäste bei der offiziellen Grundsteinlegung standen schon auf der Bodenplatte für den künftigen Saal, der tagsüber von der Frühförderstelle und am Wochenende von den Bewohnern des benachbarten Hauses genutzt werden soll. Auch die Heizung – eine Wärmepumpe, die ihren Strom zum Teil vom eigenen Dach bezieht, und eine Pelletheizung – wird für beide Gebäude gemeinsam geplant, so Architektin Daniela Rupsch.
Während der Bauzeit leben etwas weniger, nämlich 17 Menschen im Wohnheim. Nach Abschluss der Sanierung sollen es 30 sein – geringfügig mehr als früher.
Der hauptamtliche Vorstand der Lebenshilfe, Werner Mönikheim, sprach von einem „Riesenschritt für unsere Einrichtung“. Hans Herold, der Aufsichtsratsvorsitzende der Lebenshilfe im Kreis, freute sich sehr über das zukunftssichere Angebot für Kinder mit und ohne Behinderungen. Finanziell unterstützt wird der Kreisverein dabei vom Bezirk, der als Kostenträger für die Eingliederungshilfe für die Refinanzierung des Projektes sorgen wird und sich an den Investitionen beteiligt. Die sozialen Aufgaben des Bezirks müsse man im Hinterkopf haben, wenn man über die Höhe der Bezirksumlage spreche, sagte er in Richtung des Landrats Christian von Dobschütz.
Von Dobschütz erinnerte an das afrikanische Sprichwort: „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen.“ Die Hilfen, die im Frühförderzentrum angeboten werden, sind ein Teil eines solchen Netzwerks. Möglicherweise, so regte er an, könnten auch die Familienstützpunkte, die gerade eingerichtet worden sind, sich mit der Frühförderstelle vernetzen.
Herbert Lindörfer, der zweite Stellvertreter des Bezirkstagspräsidenten hob hervor, wie treffend der Name des Trägervereins ist: Das Projekt, das in einem schwierigen Umfeld in puncto Finanzierung und Fachkräftemangel angegangen werde, wolle die versprochene Lebenshilfe bestmöglich leisten.
Für die Stadt Scheinfeld freute sich zweiter Bürgermeister Klaus Luckert über die 5,5 Millionen Euro, die in seiner Heimatstadt investiert werden. Von den acht Gewerken, die mittlerweile am Start sind, seien zudem fast alle aus dem Landkreis. Außerdem biete der Pressetermin die Gelegenheit, die Frage zu beantworten, die ihm am häufigsten gestellt werde: „Was hat es mit den etwas überdimensionierten Maulwurfshügeln auf sich, die am Südring den Stadteingang zieren?“ Die Stadt hatte das Grundstück für den Erdaushub zur Verfügung gestellt.
Alle waren also glücklich. Nur ein – vergleichsweise kleiner – Wunsch wurde noch unisono von allen geäußert, die sich durch den strömenden Regen in Richtung Rednertisch vorarbeiteten: Eine Eröffnung im kommenden Jahr bei schönstem Sonnenschein.