Menschen retten, Unfälle begleiten oder ganz klassisch: Brände löschen. Die Aufgaben ehrenamtlicher Feuerwehrleute sind vielfältig. Ab 18 Jahren dürfen sie zu Einsätzen mit ausrücken. Um auch Jüngere schon für die Feuerwehr zu begeistern, wird in Illesheim nun eine Jugendfeuerwehr gegründet.
Die Idee entstand angesichts des Nachwuchs-Mangels schon vor etwa fünf Jahren, erklärt Kommandant Dieter Grau. „Da haben wir schon darüber diskutiert, junge Menschen früher abzuholen.“ Gehe man erst auf sie zu, wenn sie 17 oder 18 Jahre alt sind, hätten viele schon gesetzte Hobbys und kaum noch Kapazitäten für weitere Aktivitäten in der Freizeit. Die jungen Erwachsenen stehen mitten im Leben, starten dann gerade beruflich durch.
In dieser Phase noch zusätzlich die Grundausbildung, die rund 120 Stunden in Anspruch nimmt, zu absolvieren, könne herausfordernd sein. „Das ist dann oft zu viel“, sagt Dieter Grau. In der Jugendfeuerwehr, in der man sich ab zwölf Jahren engagieren kann, könne man die Grundausbildung schon früher, nämlich zwischen 16 und 18 Jahren, ablegen. Auch, wenn die jungen Wehrler offiziell erst mit 18 Jahren zu den Einsätzen mitdürfen.
Teils geht das auch schon ab 16 Jahren. Gefahrenstellen sind für sie aber immer tabu. „Was darunter fällt und was nicht, das ist eine Grauzone“, erklärt der Kommandant. Darf der Nachwuchs mit ausrücken, ist Mithelfen unter 18 Jahren nicht erlaubt. Stattdessen darf lediglich vom Fahrzeug aus das Szenario beobachtet werden. Deshalb: „Rechtlich ist es kaum möglich, jemanden zwischen 16 und 18 Jahren zu einem Einsatz, bei dem ich nicht weiß, was auf uns zukommt, mitzunehmen“, fasst Dieter Grau zusammen. Das müsse man dann in der jeweiligen Situation entscheiden.
Die Wehr in Bad Windsheim beispielsweise habe mehrere Fahrzeuge. Wenn dann eines davon mit drei Jugendlichen mit ausrücken würde, damit diese das Geschehen miterleben können, dann sei das vielleicht ab und an machbar. „Für uns, da wir aktuell nur ein Fahrzeug haben, ist das Unsinn. Ich brauch jeden Mann und jede Frau für die Arbeit, die ich zu bewältigen habe“, betont Dieter Grau.
Eine Frage, über die in der Vergangenheit intensiv beratschlagt wurde: Wo würde man die Jugend räumlich unterbringen? Glücklicherweise verfügt die Illesheimer Wehr bald über ein neu gebautes Feuerwehrhaus, das am Sonntag, 16. März, offiziell eingeweiht wird. Das vorherige Domizil hätte niemals ausreichend Platz geboten, ging es dort auch so schon recht beengt zu.
„Die Idee der Jugendfeuerwehr ist nach und nach gewachsen. Mit dem Neubau ist das alles noch mehr ins Rollen gekommen“, erklärt Dieter Grau. Schon bei dessen Planung wurde die Jugend mit bedacht. Die Gemeinde zeigte sich da sehr kooperativ. „Wir haben da einen Bürgermeister, der hinter uns steht“, lobt Dieter Grau Illesheims Rathauschef Roland Scheibenberger.
In einer Löschmeistersitzung wurde schließlich noch darüber beratschlagt, wer sich um die Sprösslinge kümmern wird und letztendlich für deren Betreuung verantwortlich zeichnet. Verschiedene Leute wurden angesprochen. „Auch das war ein Prozess“, sagt der Kommandant. Schließlich hänge an dem Jugendwart-Posten auch eine gewisse Verantwortung.
Zwei erklärten sich recht schnell bereit. „Ich arbeite mit Jugendlichen, deshalb war für mich gleich klar, dass ich da Lust drauf habe“, erzählt Nadine Neumeister, die seit fünf Jahren bei der Illesheimer Wehr dabei ist. Die Zweite im Leitungs-Duo ist Christina Eckert, die selbst seit vier Jahren aktiv ist. Weil die gesamte Wehr ihre Unterstützung zugesagt hatte, traute sie sich die Aufgabe zu.
„Das ist ein schönes Angebot für die Jugendlichen hier in Illesheim“, findet Neumeister, wenngleich es auch für die Ortsteile der Kommune gedacht ist. „Wegen des neuen Feuerwehrhauses in Illesheim war es einfach passend, hier auch den Standort der Jugendfeuerwehr zu etablieren“, erklärt der Vorsitzende der Wehr, Markus Dehner. Erste Interessierte gibt es bereits.
Derzeit werde die Anschaffung eines 3,5 Tonnen schweren Mannschaftsbusses geplant. Erste Besichtigungen sollen demnächst anstehen. Dieser könnte dann für die Aktivitäten der Jugend, aber auch von der Feuerwehr genutzt werden. Nicht nur Feuerwehrtechnisches oder den richtigen Umgang in Notfall- oder Stresssituationen soll der Nachwuchs lernen. Es geht auch um die Gemeinschaft – soziale Kompetenzen sollen aufgebaut werden. Auch Ausflüge und Freizeiten stehen auf dem Programm. „Teambuilding im wahrsten Sinne des Wortes“, fasst es Dieter Grau zusammen.
Die offizielle Gründung der Jugendfeuerwehr soll bei der Feuerwehrhaus-Einweihung erfolgen. Interessierte können sich unter Telefon 0171/5021979 oder per E-Mail an jugend.ff-illesheim@illesheim.de melden.