Petra König aus Neustadt hat schon einige Chöre von der Pike auf gegründet und aufgebaut. Seit dem vergangenen Jahr hat sie ein neues Projekt: B-Voices, ein Chor, der in Burgbernheim (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) verwurzelt ist und im Mai sein erstes öffentliches Konzert gibt.
Angefangen hatte alles vor ein paar Jahren, als König sich mit Freunden privat zum Singen verabredet hatte. „Wenn ich etwas mache, will ich, dass es vorwärts geht. Dann soll sich etwas bewegen“, erklärt die Musikerin. Zahlreiche moderne Lieder hatte sie im Kopf, die ein Chor toll singen könnte. Eine Freundin, die bei der kleinen, privaten Singgruppe dabei war, ist die heutige Mitinitiatorin des Chores Christine Fischer aus Burgbernheim. Sie machte König darauf aufmerksam, dass es einen solchen Chor in der Stadt noch nicht gibt.
„Ich hab dann gleich recherchiert“, erzählt die Leiterin, die dann auf den örtlichen Kirchen- und Männerchor stieß. Sie merkte: „Da war eine Lücke für einen modernen Chor mit Popularmusik.“ Das war ihr wichtig, wollte König doch auf keinen Fall einen Konkurrenz-Chor erschaffen.
B-Voices ist dabei kein eigenständiger Verein. Stattdessen ist der Chor angegliedert an den Verein MuSiKunst.
Burgbernheims Bürgermeister Matthias Schwarz signalisierte schnell Unterstützung und sicherte König zu, zum Proben in die Grundschule zu dürfen. Die erste Werbung veröffentlichte König im Januar 2024. Ende Januar folgte das erste Treffen mit mindestens 25 Personen. Drei Monate dauerte es, bis sich ein fester Stamm an Sängerinnen und Sängern entwickelte. Heute sind etwa 30 Personen dabei. Vor allem Männerstimmen werden aber noch dringend gesucht, Interessierte können sich jederzeit anschließen. „Niemand muss schon singen können. Das lernt er oder sie bei uns“, betont König. Auch beim Alter gibt es keine Grenzen, der Chor ist bunt gemischt.
Hoch engagierte Leute, die wirklich singen wollen, wirken mit, betont die Leiterin. Etwa die Hälfte sind Anfänger, manche haben auch schon Erfahrung. „Ein paar Solisten haben wir auch mit dabei.“ Die einen lernen von den anderen. „Es ist spannend, was man aus jedem Einzelnen herauskitzeln kann“, findet König.
Was die Musikerin antreibt? „Ich finde, dass Chöre ganz wichtig sind. Du kannst mit Stimmen die Menschen berühren.“ Bei den Sängerinnen und Sängern und klar auch beim Publikum werden so Gefühle erzeugt. „Ich will Emotionen wecken.“ Danach wählt König auch die Lieder aus. Singen ist ihrer Meinung nach das „Intimste, was man in der Musik machen kann“.
Begleitet wird der Chor von Matthias Wellhöfer, Königs Mann, der Gitarre spielt und singt. Martin Schauer begleitet zudem am Piano. Offen wäre man für Musiker, die sich am Cajon, Schlagzeug oder mit anderen Instrumenten einbringen wollen.
Zum Repertoire gehört hauptsächlich Popularmusik aus den aktuellen Charts, aber auch Rock- und Pop-Klassiker finden sich darin. Musikalische Kontraste und ein breites Spektrum an Songs gehören dazu. Stücke wie „Hey brother“ von Avicii, „Believer“ von Imagine Dragons, „Our God“ von Chris Tomlin, ein Sister-Act-Medley oder auch „Best days of my life“ von American Authors gibt es von B-Voices zu hören. Sämtliche Noten wählen König und Wellhöfer selbst aus und arrangieren die Stücke.
Den Namen des Chors hat die Leiterin ausgewählt. Wenn sie noch mal einen Chor initiiert, soll er „Voice“ heißen, hatte König sich ursprünglich vorgenommen. Dann rückte das B für „Be Voice“, also zu deutsch „sei Stimme“, vor das Wort, das Freiraum für verschiedene Interpretationen lässt – von „Be“, „Best“ oder gar „Burgbernheim“ wurden schon verschiedene vermutet.
König leitet den Chor ehrenamtlich, „einfach, weil ich es gerne mache. Auch, wenn es viel Arbeit ist. Wenn du dann merkst: Jetzt klingt es richtig gut. Das gibt mir Energie.“ Viel Erfahrung bringt sie mit, gründete insgesamt etwa sechs Chöre, bei anderen übernahm sie die Leitung. Das machte die Kirchenmusikerin, staatlich geprüfte Chorleiterin und Musiktherapeutin nebenberuflich. Hauptberuflich arbeitet sie in der Osteopathie-Praxis ihres Mannes mit.
König weiß genau, was sie will. Sie mag die Freiheit, gestalten zu können. Zu viele Vorgaben schränken dabei ein. „Ich kann nur etwas machen, bei dem ich auch dahinter stehe“, betont sie. Verstellen will sich König nicht, weiß, dass sie durchaus impulsiv sein kann. Mit ihr könne man lachen, bekomme aber auch stets ehrliches Feedback. Die Freude an der Musik ist ihr ebenso wichtig, wie Ehrgeiz und die Bereitschaft Leistung zu zeigen. Schließlich steckt auch sie selbst viel Energie in das Projekt, übernimmt den Großteil organisatorischer Arbeiten. Ziel der Musikerin ist, mindestens ein oder zwei Konzerte pro Jahr mit B-Voices zu bestreiten.
Ein erster kleiner Auftritt, allerdings intern, fand vergangenes Jahr statt. In der Schul-Aula wurde vor Freunden und Familienangehörigen gesungen. „Es ging vor allem darum, Erfahrungen zu sammeln. Die Sängerinnen und Sänger sollten mal auf einer Bühne stehen.“ Sogar vierstimmig habe man sich da schon versucht. „Viele waren dann angefixt“, erzählt die Chorleiterin. „Wenn du da vorne stehst und jemand klatscht, dann freust du dich einfach.“
Das erste richtige Konzert von B-Voices findet am Samstag, 3. Mai, um 19.30 Uhr in der St. Johannis Kirche in Burgbernheim statt. „Da wollen wir uns das erste Mal öffentlich präsentieren.“ Gastchöre wird es keine geben. Den Auftritt wird allein B-Voices bestreiten, mit Solisten und Band aus eigenen Reihen. Darauf freut König sich schon jetzt. „Wenn die Stimmen zu einem Klang werden und er durch den Raum schwebt, dann geht bei mir das Herz auf.“