Nicht einstimmig, aber das tat der Begeisterung keinen Abbruch: Mit 34 von 36 Stimmen des Neustädter SPD-Ortsvereins wurde Heike Gareis am Donnerstagabend zur Nachfolgekandidatin von Klaus Meier als Neustädter Bürgermeisterin gekürt. Eine Überraschung war das längst nicht mehr – weit spannender wird es nun sein, wen die anderen Parteien ins Rennen schicken.
Es war eine recht zügige Veranstaltung, die die Sozialdemokraten in einem Gasthaus am Neustädter Marktplatz durchzogen: Zunächst die Jahreshauptversammlung, anschließend die Kandidatenkür.
Höchst unterschiedlich lange Grußworte kamen vom frisch gebackenen Staatssekretär Carsten Träger („Eine hervorragende Kandidatin“) und dem Landtagsabgeordneten Harry Scheuenstuhl. Dieser lobte zunächst Klaus Meier, der bekanntlich schon vor geraumer Weile seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur erklärt hatte, für dessen „großartige“ Bilanz, um dann der zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht offiziellen Kandidatin „den Rücken zu stärken“. Diese sei ein „großer Glücksfall für Neustadt und die SPD“ und könne – ungeachtet ihres freundlich-verbindlichen Images – auch durchaus „sehr energisch“ sein. Er wisse, so Scheuenstuhl, „dass die Menschen zu dir Vertrauen haben“ und nun gelte es für die Partei, „dich durch den Wahlkampf zu tragen“.
Auch Klaus Meier fand lobende Worte für seine potenzielle Nachfolgerin, wenngleich er auch eine Warnung aussprach: Gareis habe die Gabe, auf alle Menschen zugehen zu können und sich zu kümmern, doch beinhalte dies auch das Risiko, ausgenutzt zu werden. „Du musst lernen, auch mal Nein zu sagen“, empfahl Meier. Ähnlich äußerte sich auch Ex-Stadtrat Walter Billmann, der zuvor die Wahl geleitet hatte: „Ein bisschen Resilienz“ und ein „dickeres Fell“ müsse sich Gareis zulegen.
Ansonsten bescheinigte der amtierende Bürgermeister der Bewerberin, mittlerweile über ein „tolles Netzwerk“ zu verfügen. Sie sei seit jeher höchst engagiert, verfolge klare Ziele und setze sich vehement dafür ein – sollte Gareis gewählt werden, entspreche dies seiner Hoffnung, dass die Stadt in seinem Sinne „weitergeführt“ werde. Sicher war sich Meier, dass der 55-jährigen Kandidatin die Energie nicht ausgeht: „Sie wird einen Wahlkampf mit Volldampf bestreiten.“
Zuspruch erhielt Gareis auch mittels eines verlesenen Grußworts von Altbürgermeister Dr. Wolfgang Mück, der krankheitsbedingt verhindert war und der örtlichen SPD mit Gareis „eine Aufbruchstimmung“ attestierte. Auch Manfred Dietlein, Fraktionsvorsitzender der Sozialdemokraten im Stadtrat, versprach der Kandidatin die uneingeschränkte Unterstützung von Partei und Fraktion: Viel Herz, „unglaublicher Fleiß und eine Leidenschaft für unsere Stadt“, zeichneten Gareis aus. Einen kleinen Seitenhieb verteilte Dietlein an die Neustädter CSU: Diese habe ja das Problem, dass die, die als Kandidaten „eigentlich erwartet werden“ (Richard Dollinger?), dann „doch nicht“ zur Verfügung stünden.
In ihrer Bewerbungsrede verzichtete Gareis auf vollmundige Ankündigungen oder große Versprechungen und deutete an, für Kontinuität zu stehen. Die „Fußstapfen“ von Klaus Meier auszufüllen, werde ihr nicht möglich sein, doch sie wolle „Gutes bewahren, aber auch eigene Akzente setzen“. Nach bisher 17 Jahren im Stadtrat, zuletzt als dritte Bürgermeisterin, habe sie vor allem für Kinder und Jugendliche viel angestoßen und erreicht und auch etliche Erfolge als Seniorenbeauftragte verbucht – als Bürgermeisterin werde es ihr darum gehen, die Stadt in diesem Sinne weiter zu entwickeln. Mehrfach sprach sie davon, wie wichtig ihr das „Wohnprojekt Altes Feuerwehrhaus“ sei. Dort „soll ein Quartier entstehen, das eine Geschichte schreibt“. Sie stelle sich barrierefreie Wohnungen für Ältere neben bezahlbarem Wohnraum für junge Paare vor – ein beispielgebendes Mehr-Generationen-Projekt gegen die Einsamkeit.
Mehrfach sprach Gareis auch von den nächsten zwölf Jahren. Auf den Einwand von Stadtrat Jürgen Brenner, dass der Bürgermeister nur für sechs Jahre gewählt wurde, konterte sie mit dem Hinweis, dass ihr Plan für Neustadt sich ganz bewusst über zwei Wahlperioden erstrecke.
Apropos Brenner: Im Verbund mit seiner Ehefrau Irmi tat der SPD-Mandatsträger mehrmals mit halblauten Bemerkungen sein Missfallen über die Kandidatin kund, ergriff aber nicht offiziell das Wort. Jedoch dürfte die Frage nach den beiden Gegenstimmen damit beantwortet sein.