„Lampegat“ nennen die Bürger von Eindhoven ihre Stadt humorvoll zur Karnevalszeit, die auch dort am 11. November ausgerufen wird: „Lampenloch“. Schmeichelhaft klingt das nicht, hat aber einen historischen Grund. Denn der Spitzname verweist auf das, was Eindhoven groß gemacht hat: die Glühbirne.
Im Jahr 1891 gründeten Gerard Philips und sein Vater Frederik in Eindhoven die Firma Philips & Co., in einer kleinen Fabrik begannen sie mit der Herstellung ihres ersten Produkts, der Glühbirne. Dem Schicksal der damals kleinen Stadt im Südosten der Niederlande, die den Beinamen „Lichtstadt“ bekommen sollte, gaben die Philips damit eine neue Wendung.
Aus Philips wurde schnell ein weltweit führender Elektronikkonzern, er baute nicht nur Fabriken, sondern ganze Wohnviertel und eine Universität. Eindhoven war Philips. Philips war Eindhoven. Für rund ein ganzes Jahrhundert.
Dann schloss der Konzern vor gut 30 Jahren Fabriken und verlegte seine Zentrale nach Amsterdam. Für Eindhoven war das so, als würde das Licht ausgeknipst. Doch das Schicksal nahm wieder eine ungeahnte Wendung.
An die Stelle von Glühbirne und Fernseher kamen Hightech und Design. Kreative und Start-ups brachten neues Leben in die alten verlassenen Fabriken. Für Erik van Gerwen, bei der Stiftung Eindhoven 365 für das City-Marketing zuständig, ist Eindhoven der Prototyp von „New Dutch“ - der neuen modernen Niederlande.
„Wer Grachten, Tulpen, oder jahrhundertealte Giebelhäuschen erwartet, hat Pech“, sagt Gerwen: „Sorry, das haben wir hier nicht.“ Vielleicht nicht die schönste, dafür aber die spannendste Stadt der Niederlande sei Eindhoven.
Was man als touristische Imagekampagne abtun könnte, wird durch die aktuelle Entwicklung unterfüttert. Die Stadt boomt nicht nur wirtschaftlich, sondern ist auch populär bei Besuchern aus dem In- und Ausland.
Zu neuer Größe hat Eindhoven laut van Gerwen durch neue Pioniere gefunden. Startenden Unternehmern und Kreativen wurde Platz gegeben, um zu tüfteln. Sie zogen in die alten Philips-Fabriken. Die Kolosse aus Beton und Stahl wurden teils zu Studentenwohnungen und schicken Lofts umgebaut. Internationale Architekten bauten spektakuläre Wohntürme, aber auch die alten Arbeiterviertel wurden saniert.
Zu einem Top-Zentrum für Design macht Eindhoven die renommierte Design Academy. Höhepunkt ist das jährliche Design-Festival Dutch Design Week mit mehr als 2.600 Ausstellern, eine der größten Veranstaltungen ihrer Art in Europa.
Den wirtschaftlichen Boom verkörpert kein Unternehmen besser als ASML, weltweit Marktführer von Maschinen, die Mikrochips herstellen. Der Milliardenkonzern mit Sitz in Veldhoven am westlichen Stadtrand Eindhovens ist ein Magnet für andere Hightech-Unternehmen. Gut 5.000 gibt es bereits in „Brainport“, wie die technologie- und innovationsorientierte Wirtschaftsregion rund um die Stadt genannt wird. Auch als „Silicon Valley Europas“ wird sie gelegentlich bezeichnet.
Hier arbeiten Unternehmen, Forschung und Hochschulen eng zusammen, sagt Rik Verhalle, der Architektur studierte und neben seiner Arbeit Besucher als Guide durch die Stadt führt. „Die Zusammenarbeit ist die Kraft der Stadt“, sagt er.
Und die Zusammenarbeit zeigt sich auch auf kulturellem Gebiet. Eindhoven bekommt voraussichtlich 2032 bis 2034 eine Dependance des berühmten Amsterdamer Rijksmuseums. Der Technologiekonzern ASML will das mit 100 Millionen Euro unterstützen.
Reiseziel: Eindhoven liegt im Südosten der Niederlande etwa 50 Kilometer von der Grenze zu Nordrhein-Westfalen entfernt.
Anreise: Beispielsweise ab Köln fährt man mit dem Auto rund 1 Stunde 45 Minuten, ab Hamburg gut 5 Stunden und ab Berlin bzw. München zwischen 7 und gut 8 Stunden.
Mobil vor Ort: Eindhoven ist gut mit dem Fahrrad zu erkunden. Räder gibt es ab etwa 10 Euro pro Tag bei mehreren Anbietern zu mieten.
Weitere Infos zu Unterkünften, Gastronomie, Events und Nachtleben: thisiseindhoven.com/de
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