Oktoberfest-Gedenken: Ersthelfer rücken ins Rampenlicht | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 26.09.2026 11:40

Oktoberfest-Gedenken: Ersthelfer rücken ins Rampenlicht

Bevor der Rummel auf der Wiesn losgeht, wird der Opfer des Attentats von 1980 gedacht. (Foto: Felix Hörhager/dpa)
Bevor der Rummel auf der Wiesn losgeht, wird der Opfer des Attentats von 1980 gedacht. (Foto: Felix Hörhager/dpa)
Bevor der Rummel auf der Wiesn losgeht, wird der Opfer des Attentats von 1980 gedacht. (Foto: Felix Hörhager/dpa)

Fast ein halbes Jahrhundert ist es her, doch viele Betroffene leiden bis heute: Am Abend des 26. September 1980 explodierte am Haupteingang des Oktoberfests die Bombe eines rechtsextremen Attentäters. Zwölf Menschen starben, rund 200 wurden verletzt. Am Morgen gedachten ihnen Vertreter der Stadt, der Hinterbliebenen und der DGB-Jugend, die das Gedenken über Jahre aufrechterhalten hatte.

Helfer und ihre seelischen Wunden

In diesem Jahr lenkten die Veranstalter den Blick auch auf diejenigen, die als Erste zur Stelle waren und geholfen haben. Einer von ihnen war Ramin Assisi.

Er berichtete, wie er das Blut eines Mannes mit weggefetztem Bein mit einem Gürtel stillte. Wie er bei einem anderen Mann mit einer schweren Gesichtsverletzung wenig helfen konnte - und dass er den Schrei, den dessen Frau nach dem langsamen Tod des Opfers ausstieß, nie vergessen habe. 

Assisi schilderte, wie er im Anschluss das Geschehene verdrängte. „Ich funktionierte, ich arbeitete, ich glaubte, davongekommen zu sein.“ 35 Jahre später jedoch, als mit neuen Ermittlungen zur Tat Bilder des Attentats in der Zeitung abgedruckt wurden, erlitt er mit einer posttraumatischen Belastungsstörung einen Zusammenbruch. Er kam in die Klinik, wurde arbeitsunfähig. Assisi machte deshalb darauf aufmerksam, dass auch die seelischen Wunden ebenso wie körperliche ohne gute Versorgung nicht heilen.

Assisi erinnerte zugleich an jene, die an diesem Tag nicht nach Hause kamen, und an ihre Familien, die seither mit dem Verlust leben. „Was hier geschah, war kein Unglück, kein Schicksal, kein Zufall. Es hatte einen Urheber, und es hatte eine Gesinnung. Der Mann, der die Bombe legte, handelte aus rechtsextremer Überzeugung“, betonte Assisi. „Der ungeheure Schatten, den der Nationalsozialismus über das vergangene Jahrhundert geworfen hat, reichte an diesem Septemberabend bis auf die Theresienwiese - und er reicht, und das müssen wir nüchtern aussprechen, bis in unsere Tage.“

Attentat ist Verpflichtung für die Gegenwart

Münchens Zweite Bürgermeisterin Mona Fuchs sagte, dass dieser Tag die Stadt dazu verpflichte, den Betroffenen solidarisch und empathisch unterstützend zur Seite zu stehen. „Und das andere ist: jeder Menschenfeindlichkeit, jeder menschenfeindlichen Ideologie, entschieden entgegenzutreten - in der heutigen Zeit natürlich mehr denn je.“ 

Da der Jahrestag heuer auf einen Samstag fiel, fand das Gedenken am Mahnmal früher als sonst vor der Öffnung der Wiesn und dem Ansturm der Besucher statt. Betroffene hatten dies kritisiert. Das Gedenken werde so von den Gästen ferngehalten, es gehöre aber zum Fest, sagte der Überlebende Robert Höckmayr.

Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne), der wegen der Entscheidung über die Olympia-Bewerbung nicht am Gedenken teilnahm, hatte beim Einzug aufs Festgelände am Eröffnungstag ein kurzes Gedenken eingelegt. Es war das erste Mal, dass der Zug der Festwirte und Brauereigespanne dafür kurz stoppte. Er wolle damit zeigen, dass auch der Anschlag zum Oktoberfest gehöre, begründete Krause seine Initiative.

Rechtsextremer Hintergrund erst 40 Jahren bestätigt 

Der rechtsextreme Hintergrund war über Jahrzehnte weggewischt worden, die Rede war von einem Einzeltäter mit persönlichen Problemen. Erst die Wiederaufnahme der Ermittlungen durch die Bundesanwaltschaft im Jahr 2024 - im Wesentlichen auf Initiative eines Anwalts und eines BR-Journalisten - brachte 2020 die neue Einordnung als rechtsextremistisch motivierte Tat.

Zum 40. Jahrestag kam mit Frank-Walter Steinmeier erstmals ein Bundespräsident zu der nunmehr großangelegten Gedenkfeier. „Wegschauen ist nicht mehr erlaubt“, betonte er damals.

© dpa-infocom, dpa:260926-930-747607/1


Von dpa
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