Oktoberfest und Olympia - der Traum von König Ludwig I. lebt | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 29.09.2026 05:02

Oktoberfest und Olympia - der Traum von König Ludwig I. lebt

Markus Söder und Dominik Krause feiern Münchens Nominierung als deutscher Olympia-Bewerber auf dem Oktoberfest.   (Foto: Sven Hoppe/dpa)
Markus Söder und Dominik Krause feiern Münchens Nominierung als deutscher Olympia-Bewerber auf dem Oktoberfest. (Foto: Sven Hoppe/dpa)
Markus Söder und Dominik Krause feiern Münchens Nominierung als deutscher Olympia-Bewerber auf dem Oktoberfest. (Foto: Sven Hoppe/dpa)

Der Traum von Olympia: Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) feierten den wichtigen Schritt dahin auf der Wiesn, der Logik folgend bei einer Fahrt in der Achterbahn namens „Olympia Looping“. Es folgt wiederum einer historischen Logik, dass die beiden die Kür Münchens zur deutschen Bewerberstadt für die Olympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 auf dem Oktoberfest begehen. 

Ludwigs Traum von „Olympien“ 

Dort träumte man schon vor etwa 200 Jahren von „Olympien“ - auszutragen auf der Theresienwiese. Entsprechende Pläne schmiedete der bayerische König Ludwig I. (1786-1868), war er doch begeistert von der hellenistischen Kultur, die damals stark in Mode war und sich auch in der Architektur niederschlug. Ludwig, dessen Sohn Otto später König Griechenlands wurde, schwebte ein Fest im Stil der antiken Olympischen Spiele vor. 

Die Idee einer Wiederbelebung der Spiele sei damit schon vor der offiziellen Geburtsstunde 1896 in Athen virulent gewesen, schrieben die Volkskundler Florian Dering und Ursula Eymold in ihrer Dokumentation „Das Oktoberfest 1810 - 2010“. 

Die Wiesn, entstanden 1810 aus der Hochzeit Ludwigs als Kronprinz mit Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen, war anfangs mit Tierschauen und Agrarausstellungen stark landwirtschaftlich geprägt. Ein Pferderennen war aber schon von Anfang an ein Höhepunkt der Wiesn. Kurz nach der Proklamation des Königreichs, dem große Teile Frankens und Schwabensangehörten, sollte das Fest das Gemeinschaftsgefühl der Bayern fördern. 

Sportlich geprägt 

Ein internationaler Wettkampf hätte den Ruhm des Königshauses und der Residenzstadt München weiter glanzvoll gemehrt. Laut den Autoren Dering und Eymold gab es 1835 unter Leitung des Turnlehrers Josef Gruber athletische Spiele. Die Disziplinen seien mit Ringen, Speerwerfen und einem griechischen Wettkampf zu Pferde an das antike Ideal angelehnt gewesen. 

Damals hatten Turnen und Leichtathletik mit „Turnvater Jahn“ ohnehin Aufschwung. Das wirkte sich auch auf die Veranstaltungen auf der Wiesn aus. 

Bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts hatte das Volksfest einen sportlichen Charakter. Es gab es den Historikern zufolge vor allem Pferderennen und Schießen, aber auch Turnvorführungen und Kunstradfahren. 

Hochkarätige Schützenwettbewerbe in den Zelten 

Noch heute gibt es Relikte, bis heute werden hochkarätige Schützen-Wettkämpfe ausgetragen. Während im Schützenzelt die Maßkrüge klirren und Maßkrugstemmen auf den ersten Blick die einzige Sportart zu sein scheint, stehen nebenan, von den meisten Gästen unbemerkt, Schützen konzentriert im Schießstand. Hier sieht man neben Lederhosen Schießkleidung. Bier ist tabu, wenn in 80 professionellen Schießständen auf zwei Etagen die Sieger im traditionellen Oktoberfest-Landesschießen ermittelt werden. 

Dazu reisen Tausende Schützen des Bayerischen Sportschützenbunds aus dem Freistaat und angrenzenden Bundesländer an, einige kommen aus Südtirol und Österreich zu dem Traditions-Event, dabei sind auch Weltmeister und Olympioniken aus anderen Ländern. Bis heute sei es eines der größten Preisschießen weltweit, sagt der Geschäftsführer des Sportschützenbundes, Alexander Heidel. Früher hieß das Freischießen. Wer am besten traf, konnte von der Steuer befreit werden. 

Ein Stück weiter im Armbrustschützenzelt werden alljährlich die DeutschenMeister im Armbrustschießen ermittelt. An die 200 Teilnehmer reisten laut Armbrustschützengilde Winzerer Fähndl an. Bis in die 1950er Jahre wurde auf Wiesn noch im Freien geschossen, auf einen 30 Meter hohen sogenannten Vogelbaum. Das wurde angesichts der Menschenmassen zu gefährlich. Dem Vernehmen nach soll ein Bolzen im Hof der Wiesn-Polizeiwache gelandet sein, danach war wohl Schluss damit. 

Sportliche Aktivitäten erobern die Wiesn 

Die sportlichen Aktivitäten hatten sich im 19. Jahrhundert Stück für Stück auf der Wiesn etabliert. Es seien in den gerade entstehenden Sportarten auch Meisterschaften abgehalten worden, sagt Claus-Peter Schlagenhauf vom Bayerischen Sportschützenbund. „Das ist etwas, was man sich heute nicht vorstellen kann: Die Wiesn war ein Fest, das Sport und Kultur zusammengebracht hat. Das war nicht dieser Rummelplatz, den wir heute kennen.“ 

Ludwigs Traum von den „Olympien“, für die es laut Schlagenhauf bereits konkrete Pläne gab, war noch größer: „Es sollte ein gigantisches Sportfest werden, vergleichbar mit dem Deutschen Turnfest. Aber es blieb bei der Idee des Monarchen.“ Vermutlich habe es auch am Geld gefehlt. Zudem gab es keine Sportverbände oder einen Deutschen Olympischen Sportbund, um ein solches Fest voranzutreiben. 

Hau den Lukas 

Noch bis Anfang der 1980er Jahre wurde im Festzelt Hippodrom geritten. Das Zelt, heute abgelöst durch den Marstall, war früher eine Reithalle für Dressuren, Akrobatik und Hengstschauen. Zuletzt gab es im Hippodrom allerdings keine Pferde mehr, dort feierten die Prominenten. Je mehr die Gäste aus aller Welt auf das Fest drängten, desto mehr verschwanden sportliche Aktivitäten. 

Wer sich heute sportlich betätigen will, findet immerhin noch den „Hau den Lukas“, bei dem mit einem riesigen Hammer ein Gewicht an einer Schiene nach oben geschlagen wird. Oder er holt sich das Olympia-Gefühl wie Söder und Krause im Olympia Looping.

© dpa-infocom, dpa:260929-930-759356/1


Von dpa
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