Pop-Act mit Segeln und Tiefgang: Alte Bekannte in Ansbach | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 14.12.2025 13:03

Pop-Act mit Segeln und Tiefgang: Alte Bekannte in Ansbach

Als die Wise Guys sich im Juli 2017 nach 25 Jahren im Musikgeschäft auflösten, machten drei der Mitglieder – Dän Dickopf, Nils Olfert und Björn Sterzenbach – kurzerhand weiter und gründeten „Alte Bekannte“ als offizielle Nachfolgeband. Diese war am Samstag im Onoldiasaal.

Heute sind noch Dän Dickopf und Björn Sterzenbach dabei. Der Auftritt der neuen Formation hat zwar ein eigenes Gepräge, die Wise-Guys-Note aber ist geblieben. Auch wenn das Repertoire immer weniger von damals bestimmt ist – ein paar Dinge leben einfach fort.

Zuerst natürlich der A-cappella-Gesang und die fünfköpfige Besetzung mit Melodiestimme, drei Nebenstimmen und einer profilierten Beatbox, also der Imitation von Percussion mittels Stimme. Die stilistische Ausrichtung ist weiterhin deutschsprachiger Pop.

Weltoffene Grundhaltung

Mit am prägendsten, wenn auch nicht sofort offenkundig, ist eine weltoffene und tolerante Grundhaltung, die christliche Werte wie Nächstenliebe nicht explizit nennt, aber unverkennbar transportiert. Schon die Wise Guys waren für ihre Auftritte bei Kirchen- und Katholikentagen bekannt, bei denen sie vor zehntausenden Menschen sangen.

Es war keine ausdrücklich christliche Gruppe, aber einige Mitglieder hatten einen entsprechenden Hintergrund: Hüneke ist ein Pastorensohn und Dickopf Katholik. Gleichzeitig lehnten sie und lehnt „Alte Bekannte“ Dogmatismus im Namen der Religion ab. Sprechen wir von einem Pop-Act mit Tiefgang.

In den ersten Hälften der beiden Konzertteile geht es um Weihnachten – mit eigenen Stücken, aber auch solchen, die sich im evangelischen sowie katholischen Gesangbuch finden. „Es ist ein Ros entsprungen“, „Kommet ihr Hirten“, „Stille Nacht“ und – kaum zu glauben bei einem Pop-Konzert – „Maria durch ein Dornwald ging“, dem sie einen epischen Breitbild-Klang mitgeben. Hier hat es ein Wallfahrtslied über die Liederbücher der Jugendbewegung bis auf eine Konzertbühne des 21. Jahrhunderts geschafft. Die Choreografie ist vielfältig und geschmackvoll, das Repertoire abwechslungsreich, auch mit Stücken aus den Alben „Stabil” (2023) und „Mehr!” (2025). Alltagsthemen werden humorvoll behandelt und immer mit einem Blick für das Gute. Lebensfreude ist eine weitere Grundhaltung, die sich durch den Abend zieht.

Effektvolles Bühnenbild

Die Soundabmischung ist konzertgängig bassbetont, aber niemals überladen. Fünf Sterne für das Bühnenbild! Vier weiße und in Form von Tannenbäumen aufgespannte Segel dienen als Flächen für die Projektionen und mit schmalen LED-Leuchtsäulen wird die Bühne schattenfrei, dynamisch und effektvoll ausgeleuchtet. Etwas weniger künstlicher Nebel wäre kein Schaden gewesen.

Wer mit weihnachtlichem Vorbereitungsstress zu tun hat, wird eine Zeile gerne mitnehmen: „Weihnachten ist, kurz zitiert, das, was in deinem Kopf passiert.“

Mit Humor und Weihnachtsliedern unterwegs: die A-cappella-Pop-Band Alte Bekannte. (Foto: Martin Stumpf)
Mit Humor und Weihnachtsliedern unterwegs: die A-cappella-Pop-Band Alte Bekannte. (Foto: Martin Stumpf)
Mit Humor und Weihnachtsliedern unterwegs: die A-cappella-Pop-Band Alte Bekannte. (Foto: Martin Stumpf)

Von MARTIN STUMPF
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