Preisbrecher: Überzeugt der Geely E2 im Kleinwagen-Segment? | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 22.09.2026 03:35

Preisbrecher: Überzeugt der Geely E2 im Kleinwagen-Segment?

Modern, aber nicht zu extravagant: Das Design des Geely E2 lässt sich durchaus als massentauglich einstufen. (Foto: Thorsten Weigl/Geely/dpa-tmn)
Modern, aber nicht zu extravagant: Das Design des Geely E2 lässt sich durchaus als massentauglich einstufen. (Foto: Thorsten Weigl/Geely/dpa-tmn)
Modern, aber nicht zu extravagant: Das Design des Geely E2 lässt sich durchaus als massentauglich einstufen. (Foto: Thorsten Weigl/Geely/dpa-tmn)

Dass die Chinesen den deutschen Autoherstellern mittlerweile auch daheim heftig zusetzen, daran haben wir uns so langsam gewöhnt. Doch jetzt wird es womöglich noch ernster. Denn nun schicken sie eines ihrer erfolgreichsten Modelle in den Export und verkaufen den Geely Xingyuan als E2 auch bei uns.

Zu Preisen ab 19.990 Euro lässt er die Kleinwagen-Offensive der europäischen Hersteller förmlich ins Leere laufen und unterbietet Modelle wie den VW ID.Polo oder den Renault R5 um gleich mehrere tausend Euro.

Und anders als Preisbrecher wie der Leapmotor T03 oder der BYD Dolphin Surf gibt der Geely dabei nicht das spartanische Sparbrötchen auf schmaler Spur, sondern überzeugt mit einer soliden Ausstattung, einem vorbildlichen Sicherheitspaket und alltagstauglichen Abmessungen.

Außen gewöhnlich, innen geräumig

Vergleichsweise unauffällig und deshalb massentauglich gezeichnet, misst der E2 4,14 Meter und ist damit eine Handbreit länger als etwa der ID.Polo. Und die Chinesen nutzen das Format geschickt: Bei 2,65 Metern Radstand und einem flachen Boden sitzen deshalb zwei Erwachsene auch auf der Rückbank vernünftig.

Der Stauraum ist zudem üppig: Allein der Kofferraum fasst mit 375 Litern so viel wie bei einem VW Golf und lässt sich auf bis zu 1.320 Liter erweitern. Dazu haben zumindest Ladekabel und Verbandskasten unter der Bughaube in einem Frunk von 70 Litern Platz.

In der Kabine gibt es noch zwei pfiffige Details für Praktiker. So haben die Entwickler statt eines klassischen Handschuhfachs eine riesige Schublade ins Armaturenbrett gezimmert und unter der Rückbank ein weiteres Staufach herausgeschnitten.

Edle Materialien und ein enges Sicherheitsnetz

Aber es sind nicht nur die Platzverhältnisse, die den Unterschied zu anderen Preisbrechern machen. Auch Ambiente und Ausstattung sind ungewöhnlich: Die Materialqualität wirkt hochwertig, die Sitze sind dick gepolstert, es gibt ein kleines Display hinter dem Lenkrad sowie ein großes vor der Mittelkonsole, und das Sicherheitsnetz ist engmaschig geknüpft. 

Ja, die zwei Dutzend Assistenten sind wie so oft bei chinesischen Herstellern etwas nervös und deshalb schnell nervig. Aber zusammen mit sieben serienmäßigen Airbags und einer entsprechend steifen Karosserie sichern sie dem E2 mit fünf Sternen im Euro-NCAP eine Bestwertung, die in dieser Klasse längst nicht alle erreichen.

Fit für den europäischen Verkehr

Also alles bestens an der Basis und eine große Gefahr für die Stammspieler? Auf den ersten Blick vielleicht schon - zumal es zum Preisvorteil auch noch ein üppiges Garantieversprechen über acht Jahre und 200.000 Kilometer gibt und einen Bonus beim Ladepartner EnBW. Aber spätestens, wenn's ums Fahren geht, verblasst der Glanz des chinesischen Champions spürbar.

Ja, die Ingenieure im europäischen Entwicklungszentrum in Raunheim haben bei der Abstimmung von Fahrwerk, Lenkung und Bremsen einen guten Job gemacht. Der E2 fährt deshalb nicht ganz so beliebig und gefühllos, wie man es von chinesischen Kleinwagen sonst kennt, kratzt halbwegs schnittig die Kurve und bremst gut dosierbar.

Eile mit Weile

Aber weil selbst ein Stadtauto bisweilen mal auf die Autobahn abbiegt, sind die 130 km/h Höchstgeschwindigkeit ein bisschen wenig. Und als wäre das nicht schon Geduldsprobe genug, spannt Geely die Kunden auch beim Laden auf die Folter: Am Wechselstrom gehen maximal 6,6 kW und am Gleichstrom je nach Akkuvariante 60 oder 80 kW. Rotstift hin, Preiskampf her - aber Schnellladen geht heutzutage selbst bei Kleinwagen anders.

Unter dem Blech wird gekleckert, nicht geklotzt

Angeboten wird der E2 dabei in zwei Antriebs-Konfigurationen, bei denen dann auch der Rotstift zu erkennen ist: Es gibt ihn als E2 Pro mit 60 kW/82 PS und einem Akku von 35 kWh für eine Normreichweite von 252 Kilometern. Besser wird's mit dem E2 Max, der dann schon 85 kW/116 PS leistet, einen 47-kWh-Akku hat und 345 Kilometer weit kommen soll. Der ist dann zwar auch gleich 4.000 Euro teurer, bleibt aber trotzdem noch spürbar unter Konkurrenten wie dem Renault R5 oder dem VW ID.Polo.

Fazit: Wenig Geld allein macht auch nicht glücklich

Der Preis ist heiß und tatsächlich schwer zu schlagen. Denn kaum ein anderer Kleinwagen bietet so viel Alltagsnutzen für so wenig Geld, und das bei einer sehr soliden Qualität im Innenraum und einer vorbildlichen Sicherheit. Aber trotzdem dürfte es für den E2 anders als daheim in China kein Durchmarsch werden.

Erstens, weil die etablierten Marken gerade selbst eine Reihe attraktiver Kleinwagen der neuen Generation an den Start bringen und dabei endlich mal aufs Geld schauen. Und mehr noch zweitens, weil die Fahrleistungen nicht zum deutschen Verkehrsfluss und die Ladeleistungen nicht in die Zeit passen.

Wer nur im Stadttempo durch die chinesischen Millionenmetropolen rollt, der stört sich nicht an 130 km/h, kommt auch mit einem kleinen Akku über die Woche und findet am Wochenende schon die Zeit fürs lahme Schnellladen. Aber bei uns könnten das magere Spitzentempo und die langen Ladezeiten den Bestseller gehörig ausbremsen.Datenblatt: Geely E2 Max

 

 

 

 

© dpa-infocom, dpa:260922-930-723167/1


Von dpa
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