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Veröffentlicht am 03.09.2026 12:46

Preissprünge bei Öl und Gas machen Tanken und Heizen teurer

Die Preise für Öl und Gas sind auf hohem Niveau. (Foto: Patrick Pleul/dpa)
Die Preise für Öl und Gas sind auf hohem Niveau. (Foto: Patrick Pleul/dpa)
Die Preise für Öl und Gas sind auf hohem Niveau. (Foto: Patrick Pleul/dpa)

Schlechte Nachrichten für Autofahrer und Heizölkunden - und möglicherweise noch mehr Verbraucher: Auf dem Weltmarkt ist der Preis für Rohöl wieder deutlich gestiegen. Die Notierung für Rohöl der Nordseesorte Brent kletterte zuletzt bis knapp unter die Marke von 100 Dollar je Barrel (159 Liter). Eine Eskalation im Iran-Krieg hat zudem den Preis für Erdgas im Großhandel stark nach oben getrieben. Die Preissprünge an den Rohstoffmärkten haben Folgen für Verbraucher, die sich zur bevorstehenden Heizperiode auf höhere Kosten einstellen müssen.

Warum steigen die Ölpreise wieder so stark?

Die Rohstoffmärkte reagieren auf die jüngste Eskalation im Iran-Krieg. Nach gegenseitigen Angriffen der USA und des Iran ist ein Ende der Blockade der für den Transport von Öl und Flüssigerdgas wichtigen Straße von Hormus in weite Ferne gerückt. An den Märkten wird das Risiko von weiteren Angriffen auf Öltanker und von Angriffen auf die Anlagen der Ölindustrie am Persischen Golf eingepreist. Es wird also mit weniger Angebot auf dem Markt gerechnet und das macht Rohöl wieder spürbar teurer. 

Im Juni waren die Ölpreise noch deutlich gefallen, als die USA und der Iran ein Waffenstillstandsabkommen ausgehandelt hatten. Mit der jüngsten Eskalation der Lage haben sich die Rohstoffmärkte schnell an die neue Lage angepasst.

Die Entwicklung auf dem Ölmarkt zeigt Wirkung an den Tankstellen

Mit der jüngsten Eskalation der Lage am Persischen Golf gibt es Höchstpreise an den deutschen Tankstellen. Der Preis für einen Liter Super E10 stieg am Mittwoch nach Angaben des ADAC im bundesweiten Tagesdurchschnitt bis auf 2,215 Euro und übertraf damit den bisherigen Rekord aus dem März 2022. Inflationsbereinigt war Benzin in der Vergangenheit allerdings schon mal teurer. 

Neben dem Iran-Krieg wurden die Spritpreise aber auch durch die Folgen von Niedrigwasser in großen deutschen Flüssen nach oben getrieben. Vor allem die geringen Pegelstände am Rhein haben den Transport von Treibstoffen zeitweise behindert. Nach Einschätzung des ADAC könnte 2026 das bislang teuerste Tankjahr überhaupt werden.

Hinzu kommt, dass der Ukraine-Krieg an den Rohstoffmärkten wieder stärker Wirkung zeigt. Russland muss nach zahlreichen Drohnenangriffen durch die Ukraine Ausfälle in den Raffinerien verkraften, was sich unter anderem auch auf den Handel mit Diesel auswirkt. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Diesel auf dem Weltmarkt hoch und die Lagerbestände in den USA sinken. Die USA sind ein wichtiger Dieselexporteur. „Ein Ende der Knappheit ist nicht in Sicht“, sagte Rohstoffexpertin Barbara Lambrecht von der Commerzbank.

Wie entwickeln sich die Preise für Heizöl vor der Heizperiode?

Beim Heizöl zeigt sich eine ähnliche Entwicklung wie bei den Kraftstoffpreisen an den Tankstellen. Auch hier hat sich der Preisanstieg in den vergangenen Tagen deutlich beschleunigt. Das Internetportal Heizoel24 gab den Preis am Donnerstag mit knapp 150 Euro pro 100 Liter an. Nachdem der Preis im Juni mit der Hoffnung auf ein Ende des Iran-Kriegs zeitweise bis auf etwa 108 Euro gefallen war, kostet Heizöl mittlerweile wieder so viel wie im April, als die Blockade der Straße von Hormus die Furcht vor einem zu knappen Angebot auf dem Weltmarkt schürte.

Wie sieht es beim Preis für Erdgas aus?

Auch beim Handel mit Erdgas ging es mit dem Preis in den vergangenen Wochen stark nach oben. Der im europäischen Großhandel richtungweisende Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat ist in dieser Woche zeitweise bis über 75 Euro je Megawattstunde (MWh) gestiegen. Europäisches Erdgas ist damit teurer als während des Preisschubs zu Beginn des Iran-Kriegs. Das aktuelle Preisniveau liegt etwa doppelt so hoch wie vor Beginn des Konflikts im Nahen Osten.

Hinzu kommt, dass die Füllstände der deutschen Gasspeicher vor Beginn der Heizperiode vergleichsweise niedrig sind. Zuletzt wurden Stimmen lauter, die ein schnelles Auffüllen der Gasreserven zur Vermeidung einer Zitterpartie bei der Gasversorgung im Winter fordern, was für zusätzliche Nachfrage auf dem Gasmarkt sorgen würde.

 „Derzeit rechnen wir nicht mit einem schnellen Preisverfall“, sagt Jannik Schall, Mitgründer des auf erneuerbare Energien spezialisierten Versorgers 1Komma5°. „Durch die höhere Gasnachfrage mit Ende des Sommers und Beginn der Heizsaison erhöht sich der Druck auf die Märkte jetzt zusätzlich.“

Nach Angaben des Vergleichsportals Verivox sind neben den Großhandelspreisen auch die Verbraucherpreise zuletzt deutlich gestiegen. Demnach kostet Gas für Neukunden derzeit etwa 11 Cent je Kilowattstunde. Das Vergleichsportal rechnet mit weiter steigenden Gaspreisen in den kommenden Tagen und Wochen, da höhere Großhandelspreise verzögert bei den Verbrauchern ankommen.

Was bedeuten die höheren Kosten für Energie für die Inflation?

Nichts Gutes. Bei den jüngsten Inflationsdaten für August waren die Kosten für Energie der mit Abstand stärkste Preistreiber. Fürs Tanken und Heizen mussten Verbraucherinnen und Verbraucher 10,5 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor. Nach dem Ölpreisschock infolge des Iran-Kriegs hatte die Bundesregierung im Mai und Juni zwar für etwas Entlastung für Autofahrer gesorgt: Die Energiesteuer auf Benzin und Diesel wurde vorübergehend um knapp 17 Cent pro Liter gesenkt. Kaum war der Tankrabatt ausgelaufen, sprang die Inflationsrate wieder nach oben. Im August lag sie bei 2,9 Prozent.

Damit liegt die Inflation über dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB), die mittelfristig eine Teuerungsrate von 2,0 Prozent anstrebt. Eine stärkere Teuerung setzt die Währungshüter unter Handlungsdruck. Bei der nächsten Zinsentscheidung der EZB in der kommenden Woche rechnen Experten daher fest mit einer Erhöhung. Die würde Kredite teurer machen.

© dpa-infocom, dpa:260903-930-627025/1


Von dpa
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