Die erste Chance auf ihre ersehnte olympische Einzelmedaille zerplatzte für Franziska Preuß beim letzten Schießen. Lange auf Goldkurs liegend setzte sie im entscheidenden Moment gleich zwei Schüsse daneben - so reichte es am Ende für Deutschlands beste Biathletin im schweren Einzel von Antholz nur zu Rang zehn. Nach 15 Kilometern hatte Preuß 2:19,9 Minuten Rückstand auf die siegreiche Französin Julia Simon. Wäre sie wie in den drei Schießeinlagen zuvor fehlerfrei geblieben, hätte es in Antholz zu Silber gereicht.
„Vor dem letzten Schießen war ich noch optimistisch, danach natürlich nicht mehr“, sagte Preuß. Nach dem ersten Fehler sei „das Kartenhaus wirklich in sich zusammengefallen“, betonte sie und ergänzte: „Das ist schade, aber man kann die Zeit jetzt auch nicht mehr zurückdrehen. Ich hake das jetzt ab.“
Zudem habe irgendwann auf der Strecke das Gedankenkarussell angefangen. „Ich habe versucht, in meinen mentalen roten Faden zu kommen. Ich wollte es so machen, wie beim ersten Stehendschießen, aber es hat nicht funktioniert“, erklärte Deutschlands Nummer eins.
Beste Deutsche wurde die fehlerfreie Vanessa Voigt als Vierte, wie vor vier Jahren in Peking. Dort hatte Denise Herrmann-Wick Gold im schwersten aller Biathlon-Rennen geholt. Den französischen Doppelerfolg machte Lou Jeanmonnot (2 Fehler) perfekt, für sie und Simon (1 Fehler) war es nach Mixed-Gold bereits die zweite Medaille im zweiten Rennen. Sensationsdritte wurde die fehlerfreie Bulgarin Lora Hristova, nur 73. im Gesamtweltcup.
„Ich war gerade in der Umkleide und habe so rumgefragt, wer ist eigentlich diese Bulgarin?“, erzählte Preuß. Hristova habe sich dann etwas schüchtern gemeldet und gesagt: „Ja, ich!“ Das war Preuß etwas unangenehm. „Aber ich habe ihr natürlich gleich gratuliert“, sagte sie.
Verfolgungsweltmeisterin Preuß konnte ihren Olympia-Fluch unterdessen nicht besiegen, auch wenn sie in der Mixed-Staffel mit Bronze einen tollen Auftakt hingelegt hatte. Da hatte sie gar eine Strafrunde fabriziert. „Daran habe ich aber nicht gedacht, das hat keine Rolle gespielt“, sagte die 31-Jährige, bei der kurz vor dem Rennen am Gewehr noch ein gebrochener Schlagbolzen gewechselt werden musste. Auch läuferisch war Preuß nicht ganz auf Topniveau.
„Wenn es für eine Medaille reichen sollte, dann brauche ich wirklich den perfekten Tag, so realistisch bin ich“, sagte Preuß: „Ich habe noch die Hoffnung, dass der vielleicht noch kommt.“
Der fehlerfreien Vanessa Voigt fehlten am Ende 12,9 Sekunden auf Rang drei, in Peking waren es 2022 sogar nur 1,3 Sekunden gewesen. „Total schwierig, meine Gedanken zu ordnen. Grundsätzlich bin ich enorm stolz auf meine Leistung. Ich weiß, jetzt kommt wieder das Thema Laufzeit und Schießzeit. Aber ich bin happy mit dem Rennen“, sagte Voigt.
Läuferisch ist Voigt nicht die Stärkste, zudem hatte es immer wieder Kritik an ihrer langsamen Schießzeit gegeben. Denn in der Vergangenheit hatte die Thüringerin dadurch immer wieder wertvolle Sekunden liegen lassen. Auch dieses Mal hätte sie mit etwas schnelleren Schießeinlagen wohl Bronze geholt. Dabei hatte sie es in der Mixed-Staffel beim Bronzegewinn gezeigt, dass sie es kann.
In Oberhof hatte es dazu „ein Krisengespräch, ein härteres Gespräch“ gegeben, wie Bundestrainer Kristian Mehringer jetzt erzählte. Dabei seien auch Tränen geflossen. „Das kann nach hinten losgehen. Aber unser Ziel war, dass es nach vorne losgeht. Ich glaube, das haben wir gut erreicht“, hatte Mehringer nach der Mixed-Staffel gesagt. Ganz umsetzen konnte es Voigt dieses Mal aber nicht, aber auch sie bekommt weitere Chancen.
Die Olympia-Debütantinnen Janina Hettich-Walz und Selina Grotian konnten nicht in den Kampf um Topplatzierungen eingreifen. Hettich-Walz wurde nach zwei Strafminuten gute Achte. Grotian, die erst auf den allerletzten Drücker das Olympia-Ticket gelöst hatte, musste sich nach vier Fehlern mit Rang 55 begnügen.
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