Getöteter Schaffner: Angeklagter bittet Familie um Vergebung | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 24.06.2026 04:03, aktualisiert am 24.06.2026 12:13

Getöteter Schaffner: Angeklagter bittet Familie um Vergebung

Zur Prozesseröffnung zeigten die Angehörigen ein Foto des Opfers. (Foto: Uwe Anspach/dpa)
Zur Prozesseröffnung zeigten die Angehörigen ein Foto des Opfers. (Foto: Uwe Anspach/dpa)
Zur Prozesseröffnung zeigten die Angehörigen ein Foto des Opfers. (Foto: Uwe Anspach/dpa)

Im Prozess um den gewaltsamen Tod eines Zugbegleiters in Rheinland-Pfalz hat der Angeklagte die Angehörigen um Verzeihung gebeten. „Aus der Tiefe meines Herzens möchte ich eine große Entschuldigung aussprechen für eine nicht zu entschuldigende Tat und einen Moment blinder Wut“, versicherte Ioanni V. durch seine Verteidigerin, die im Landgericht Zweibrücken eine entsprechende Mitteilung verlas.

Es sei ihm bewusst, dass seine Worte das Geschehen nicht rückgängig machen könnten. „Ich übernehme die volle persönliche Verantwortung“, hieß es in der Mitteilung. „Auch wenn ich weiß, dass meine Worte Ihren Schmerz nicht erleichtern können, möchte ich mich noch einmal entschuldigen.“

Fall löste bundesweite Debatte aus

Der Vorwurf gegen den Griechen lautet Körperverletzung mit Todesfolge. Der Anklage zufolge soll der 26-Jährige Anfang Februar den zehn Jahre älteren Zugbegleiter Serkan Çalar bei einer Fahrkartenkontrolle nahe Landstuhl mehrfach so heftig mit den Fäusten gegen den Kopf geschlagen haben, dass dieser zwei Tage später an einer Hirnblutung starb. Der Fall löste bundesweit eine Debatte über mangelnde Sicherheit im Bahnverkehr aus.

Der Verteidiger der Familie Çalar als Nebenklägerin reagierte auf die Einlassung des Angeklagten mit Skepsis. „Das war für mich keine aufrichtige Entschuldigung. Es war überhaupt gar keine Entschuldigung“, sagte Yalçın Tekinoğlu. Die Worte seien „komplett ichbezogen“ gewesen.

Video der Tat gezeigt

„Was hier den Angehörigen helfen würde, ist, wenn der Angeklagte, und das hat er ja verweigert, Angaben zur Tat machen würde. Das ist zwar sein gutes Recht“, meinte Tekinoğlu. „Aber wenn dort eine aufrichtige Entschuldigung beabsichtigt wäre, wäre es für die Angehörigen hilfreich, wenn die Tat aufgeklärt würde. Und das hat leider der Angeklagte verweigert.“

Nach einer kurzen Pause an diesem ersten Prozesstag wurde im Landgericht ein Video gezeigt - aufgezeichnet von der Überwachungskamera im Regionalexpress. Als die Tat zu sehen ist, hört man lautes Schluchzen im Saal. Jemand springt auf und schreit „Hurensohn“, mehrere Zuschauer verlassen den Raum, andere weinen. Am Mittag war die Befragung von Zeugen geplant.

© dpa-infocom, dpa:260624-930-272210/4


Von dpa
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