Mit dem Partner gestritten, einen blöden Tag auf der Arbeit gehabt, eine schlechte Nachricht erhalten: Dinge, die man nicht ändern kann, erst mal ohne weitere Wertung anzunehmen, fällt oft nicht leicht. Die erste Reaktion fällt häufig eher nach dem Motto „Warum immer ich?“ oder „Dieser Scheiß-Job!“ aus.
Das Problem: Schwierige Situationen können zusätzlich belasten, wenn Menschen gegen unangenehme Gedanken und Gefühle ankämpfen. Ein Gegenentwurf ist das Konzept der radikalen Akzeptanz. „Wer aufhört, sich über Unveränderliches zu ärgern, gewinnt mentale Kraft für das, was sich tatsächlich unternehmen lässt, und kann überlegter, gelassener und zielgerichteter reagieren“, sagt Petra Beschoner, Fachärztin für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin.
Die Ärztliche Leiterin der Akutklinik Bad Saulgau beschreibt radikale Akzeptanz als „bewusste und vollständige Annahme der Realität, wie sie im gegenwärtigen Moment ist, aber ohne sie zwangsläufig gutzuheißen oder sämtliches Streben nach Verbesserung aufzugeben“.
Um diese Haltung auf lange Sicht zu verinnerlichen, helfen unter anderem Achtsamkeitsübungen, Emotionsregulation und konkrete Strategien für den Umgang mit Belastungen.
Radikale Akzeptanz ist häufig zentraler Bestandteil psychotherapeutischer Verfahren wie der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT) und der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT). Der Ansatz kann besonders Menschen mit Depressionen, Angststörungen, chronischem Stress oder traumatischen Erfahrungen helfen, zwischen beeinflussbaren und nicht beeinflussbaren Umständen zu unterscheiden. Das schafft Beschoner zufolge innere Ruhe und emotionale Stabilität.
Wichtig ist laut der Fachärztin zu verstehen, dass Akzeptanz kein Aufgeben oder Zeichen von Schwäche ist. Vielmehr geht es darum, bewusst zu steuern, wie man mit Situationen umgeht, die sich nicht ändern lassen. Viele Patienten würden eine große Erleichterung erleben, wenn sie das verstehen, so Beschoner.
Statt sich beispielsweise immer wieder vorzuwerfen, nicht belastbar genug zu sein, können Betroffene anerkennen: „Ich habe aktuell eine psychische Erkrankung oder eine schwierige Phase meines Lebens. Das ist jetzt so, aber ich kann entscheiden, wie ich damit umgehe.“
Gleichzeitig gilt: Wer etwa Gewalt erlebt oder anderweitig unter einer Situation leidet, sollte sich bei Bedarf Unterstützung suchen. Auch bei starken psychischen Belastungen oder Traumafolgen lässt sich radikale Akzeptanz womöglich nicht eigenständig anwenden. Betroffene sollten sich im Zweifel professionelle Hilfe suchen.
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