Gemeinsame Sache in puncto Nachhaltigkeit machen Diakoneo und das ANswerk-Start-up Turns. Die Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) in Bruckberg sortiert Altkleider, die anschließend recycelt werden.
Die Kooperation läuft seit Anfang 2024, berichtet Werkstatt-Leiter Marco Michel. „Wir haben mitbekommen, dass Turns Personal gesucht hat.“ Weil die Bruckberger Werkstatt genügend Manpower zu bieten hat, nahm Michel Kontakt auf. „Wir konnten rasch eine Produktionsschiene aufbauen und mit Logistik zur Seite stehen.“
In der Werkstatt sind 260 Menschen mit kognitiven Einschränkungen beschäftigt. Knapp 85 Prozent wohnen auf dem Diakoneo-Gelände, der Rest sind Externe. Die Werkstatt arbeitet für verschiedene Branchen – vom Sanitärartikelhersteller bis zum Automobilzulieferer. Nun eben auch die Textilbranche. „Das Thema hat mir ganz gut gefallen, weil es nachhaltig ist. So können wir unseren Beitrag leisten, um die Welt ein bisschen besser zu machen“, bekundet Michel. „Wir müssen wegkommen von dieser Wegwerfgesellschaft.“
Einen Teil der Altkleider holt das Werkstatt-Personal ab, vieles wird von den Firmen aber auch geliefert. „Es handelt sich um gereinigte Berufskleidung, die aus der Nutzung genommen und dem Recycling zugeführt wird.“ Angenommen werden Textilien von Großwäschereien, Berufskleidung aus verschiedenen Branchen oder Leasing-Ware.
„Aktuell sortieren wir circa zwei bis zweieinhalb Tonnen in der Woche“, erzählt Marco Michel stolz. „Und wir hätten noch mehr Kapazitäten.“ Um die Altkleider kümmern sich bis zu zwölf Mitarbeiter, angeleitet von Jan Weidlich und Brigitte Pfeiffer.
Die Altkleider werden nach Faseranteilen und grob nach Farben differenziert. Das möglichst genaue Sortieren ist nötig, damit sie überhaupt recycelt werden können. „Wir wollen ja am Ende des Tages wieder Textilien daraus machen“, sagt Angelique Thummerer von Turns. Beim Sortieren kommt künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz. Die Werkstatt-Mitarbeiter scannen die Ware mit einem Sensor, den das Start-up in Zusammenarbeit mit der Hochschule Ansbach entwickelt hat. Anhand elektromagnetischer Wellen wird gemessen, wie viel Licht absorbiert wird. So bestimme die KI die Materialzusammensetzung, erklärt Thummerer. Sie erkenne beispielsweise, dass die Kleidung Baumwolle enthalte.
Im Anschluss kommt eine Ballenpresse zum Einsatz. Das Material wird verdichtet, um die Lager- und Transportkosten gering zu halten. „Wir pressen die kategorisierten Kleidungsstücke in Ballen, die 300 Kilogramm wiegen“, informiert Marco Michel.
Wenn 80 Ballen zusammengekommen sind, werden diese von einer Spedition zum Textilschredder transportiert. Nach dem Schreddern kann aus dem Material unter Zugabe von neuen Fasern ein Garn mit hohem Recycling-Anteil produziert werden. Daraus entstehen einmal neue Textilien.
Bislang werde Altkleidung, die sich nicht für den Second-Hand-Markt eigne, hauptsächlich verbrannt, schildert Thummerer. Derzeit fallen im Jahr weltweit 92 Millionen Tonnen Textilmüll an, beklagt die Gründerin. „Und nur ein Prozent davon wird recycelt.“
Thummerer und ihre Mit-Gründerin Katja Wagner haben sich das Ziel gesetzt, einen Faserkreislauf zu schaffen. Teil dessen sind zwei Kundengruppen, erläutert Thummerer: „Die einen, die Alttextilien abgeben und die anderen – klassische Modemarken –, die Garne aus recycelten Fasern einkaufen.“
Über ein digitales System bietet das Start-up den Firmen künftig auch eine Möglichkeit zur Rückverfolgung. Damit soll transparent gemacht werden, was mit den ausrangierten Textilien passiert. „Um davon wegzukommen, dass wir Altkleider irgendwohin exportieren, müssen wir es schaffen, unseren Müll hier in Deutschland zu recyceln und bis zur Faser zu kommen“, betont Angelique Thummerer. „Diese Faser kann dann auf dem Weltmarkt überall genutzt werden, um neue Produkte herzustellen.“