Reflexionen zu Zeit und Ewigkeit bei Ausstellung in Hilsbach | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 09.11.2023 12:03

Reflexionen zu Zeit und Ewigkeit bei Ausstellung in Hilsbach

Eine verfremdete Mutter-Kind-Idylle lehnt an der Wand. Davor häufen sich Zufallsfunde wie zum Gedenken. Hannah von Ginkel hat ihre Installation während Corona geschaffen. (Foto: Martina Kramer)
Eine verfremdete Mutter-Kind-Idylle lehnt an der Wand. Davor häufen sich Zufallsfunde wie zum Gedenken. Hannah von Ginkel hat ihre Installation während Corona geschaffen. (Foto: Martina Kramer)
Eine verfremdete Mutter-Kind-Idylle lehnt an der Wand. Davor häufen sich Zufallsfunde wie zum Gedenken. Hannah von Ginkel hat ihre Installation während Corona geschaffen. (Foto: Martina Kramer)

Prall gefüllt war das Programm in der Kunsthalle Hilsbach. Die letzte Ausstellung des Jahres heißt „Ewigkeit lügt“. Tobias Sternberg, Manon Heupel und Hannah von Ginkel zeigen darin ihre Arbeiten.

Der Titel dieser Ausstellung lässt fragen: Ist die Ewigkeit tatsächlich ein Agens, das lügen kann? Oder ist die Vorstellung von Ewigkeit als solche ein Irrtum? „Wir wundern uns, wie schnell die Zeit vergeht, die es vielleicht gar nicht gibt….“ heißt es im Text zur Ausstellung.

Kunstvoll verfremdete Fundstücke

Das Thema Zeit kann man beim Betrachten der Werke dieser drei sehr unterschiedlichen Künstler tatsächlich indirekt herauslesen. Die Skulpturen von Tobias Sternberg aus Berlin bestehen aus Fundstücken, die bereits eine Vorgeschichte haben. Unter der Hand des Künstlers verändert sich diese und es entsteht etwas gänzlich Neues mit einer veränderten Aussage. So gesehen gibt es ein Vorher und Nachher.

Aus einer klassischen Madonnenfigur schält der Skulpteur eine ganz neue Gestalt, indem er Teile herausnimmt und sie zu einem filigranen Gebilde formt, dessen besonderer Reiz durch das Weglassen entstanden ist. „Quantum Prayer“ nennt er diese Frauengestalt mit den zum Gebet gefalteten Händen.

Barbie-Puppen als Vorlage

Die gleiche Vorgehensweise wendet er bei seiner Arbeit „Collateral Justice“ an. Eine aus verschiedenen Elementen zusammengesetzte Komposition, die viele Assoziationen evoziert. Da ist zunächst die Justitia – die Puppe ein Zufallsfund – mit den zugebundenen Augen, die Waage in der einen Hand, die Zügel in der anderen. Damit führt sie einen wilden Eber, eine aus Zinn gegossene Arbeit Sternbergs. Der Wagen – ein ausgedientes Kinderspielzeug –, auf dessen Bock sie sitzt, ist mit weißen menschlichen Körpern gefüllt, die an ausgemergelte, unglücklich verrenkte Tote erinnert – Barbie-Puppen dienten hier als Vorlage für die Gipsabdrücke. Schaurige Bilder aus der Vergangenheit, aber auch der Gegenwart, drängen sich dem Betrachter auf.

Mit dem Thema Zeit setzt sich auch die Installation der in Brandenburg lebenden Künstlerin Hannah von Ginkel indirekt auseinander. Sie ist während der Corona-Pandemie entstanden. Einer Phase, die wenig Bewegungsfreiraum bot und daher das Familiäre in den Fokus rückte, bestimmt von den beiden Kindern. Das vordergründige Chaos, das von Ginkel hier mit einer gewissen Hingabe inszeniert, steht für das sinnbildliche sich Verdichten eines beengten Raumes, der den unterschiedlichsten Bedürfnissen genügen muss.

Ein Mikrokosmos aus Zufällen

Bei den hier angehäuften Gegenständen handelt es sich, wie bei Tobias Sternberg, um Fundstücke. Sie fügen sich zu einem Mikrokosmos zusammen, bei dem der Zufall Regie geführt zu haben scheint. Neben dieser Arbeit zeigt Hannah von Ginkel noch eine Serie Collagen. Dafür nutzt sie alte Gemälde, in die sie aus Zeitschriften und Magazinen ausgeschnittene Figuren, Köpfe, Gegenstände einfügt. Daraus entstehen ganz neue Bilder, die unerwartete Geschichten erzählen.

Zeitlos, entrückt, geheimnisvoll sind die Frauenfiguren, die die Heilsbronner Malerin Manon Heupel schafft. Es sind keine Portraits im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr Darstellungen von inneren Zuständen, die sich in diesen Gestalten manifestieren. Sie scheinen nicht der irdischen Welt verhaftet, aber auch keine Geschöpfe göttlicher Ordnung, sondern vielmehr in einem Zwischenreich befindlich, das geprägt ist von Gefühl, Sinnlichkeit, Individualität. Oftmals begleitet von einem Ausdruck der Melancholie. Immer mehr finde sie zu der puren Form, strebe sie nach dem Weglassen überflüssiger Details, additiver Ausschmückungen, sagt Manon Heupel über ihre Arbeiten. Der reine Ausdruck, der zugleich etwas Zeitloses definiert, ist ihr Anliegen.

Die Ewigkeit? Formsache, Interpretation, Gehirnkonstrukt. Ist es das, was uns diese Ausstellung sagen will?

Die Ausstellung „Ewigkeit lügt“ in der Kunsthalle Hilsbach dauert noch bis zum 19. November, geöffnet ist sie am 12. und 19. November von 14 bis 18 Uhr oder nach Vereinbarung unter der Telefonnummer 01 51/ 57 58 26 31.


Von Martina Kramer
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