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Veröffentlicht am 25.02.2026 13:31, aktualisiert am 25.02.2026 14:07

Risiko Landstraße: Mehr Tote auf Bayerns Straßen

2025 starben 507 Menschen im Freistaat im Straßenverkehr - 12 mehr als im Vorjahr. (Symbolbild) (Foto: Pascal Höfig/NEWS5/dpa)
2025 starben 507 Menschen im Freistaat im Straßenverkehr - 12 mehr als im Vorjahr. (Symbolbild) (Foto: Pascal Höfig/NEWS5/dpa)
2025 starben 507 Menschen im Freistaat im Straßenverkehr - 12 mehr als im Vorjahr. (Symbolbild) (Foto: Pascal Höfig/NEWS5/dpa)

507 Menschen sind im vergangenen Jahr auf Bayerns Straßen gestorben - das sind 12 Verkehrsteilnehmer mehr als im Vorjahr. Auch die Zahl der Unfälle ging nach oben, wie das Landesamt für Statistik mitteilte. Zugleich sank die Zahl der Schwerverletzten auf ein Allzeittief, und es starben weniger Radfahrer als 2024. „Jeder einzelne Tote ist einer zu viel“, betonte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik. Er kündigte weitere Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit an - die aber nicht allen weit genug gehen.

Mehr Tote - überproportionaler Anstieg auf den Landstraßen

2025 starben zwölf Menschen mehr auf Bayerns Straßen als im Vorjahr. Es ist der erste Anstieg nach einem mehrjährigen Rückgang - 2024 waren 495 Tote zu beklagen. „Unfallursache Nummer eins bleibt zu hohe und nicht angepasste Geschwindigkeit“, bilanzierte das Ministerium. Rund ein Viertel aller tödlichen Verkehrsunfälle im Freistaat sei darauf zurückzuführen.

Die meisten tödlichen Unfälle - mit rund 60 Prozent fast zwei Drittel - ereigneten sich wie üblich außerorts auf den Landstraßen. Dort zählte die Polizei 313 Verkehrstote, das sind 16 mehr als im Vorjahr.

Mehr Fahrzeuge - mehr Unfälle

Insgesamt wurden 2025 im Freistaat 387.656 Verkehrsunfälle registriert - ein Plus von 1,7 Prozent. Ein wesentlicher Grund dafür ist laut Ministerium die weiter gestiegene Zahl der zugelassenen Kraftfahrzeuge, die sich im vergangenen Jahr von rund 10,8 Millionen auf rund 10,9 Millionen erhöht hat.

Die Zahl der Verletzten blieb mit 62.419 auf dem Niveau des Vorjahres. Bei der Zahl der Schwerverletzten wurde im vergangenen Jahr mit 8.727 ein erneutes Allzeittief erreicht, nach 9.024 im Vorjahr. Dem Statistischen Landesamt zufolge hat Niederbayern den höchsten prozentualen Rückgang bei der Zahl der Verunglückten, worunter Tote sowie Leicht- und Schwerverletzte fallen, während Schwaben zeitgleich ein Plus von 4,3 Prozent registrierte.

Erstmals wieder weniger Todesopfer unter den Radfahrern 

Die Zahl der Verkehrsunfälle mit Radfahrern hat 2025 mit rund 19.800 leicht um gut 500 zugenommen. Dabei wurden 18.451 Radfahrer verletzt - auch dies ein Plus zum Vorjahr mit 17.857 Verletzten.

Immerhin ging die Zahl der getöteten Radfahrer nach mehreren Jahren des Anstiegs um 12 Personen auf 82 zurück. Knapp die Hälfte davon war mit einem Pedelec unterwegs, also mit einem elektrischen Fahrrad mit einer Motorunterstützung bis 25 Kilometer pro Stunde. 

Im Radverkehr will Herrmann mehr Sicherheit vor allem durch eine bessere Infrastruktur erreichen. Er verwies erneut auf Pläne, wonach bis 2030 in Bayern 1.500 Kilometer neue Radwege entstehen sollen. Dies ist dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) zu wenig: „Einmal bedeutet das umgerechnet auf die bayerischen Gemeinden gerade einmal rund 91 Meter neue Radwege pro Jahr“, kritisierte die Landesvorsitzende Eva Mahling. „Zum anderen ist nicht sichergestellt, dass die geplanten Radwege dort gebaut werden, wo die Unfallgefahr besonders hoch ist.“ Mittel für den Radwegebau müssten deshalb deutlich erhöht und Aus- und Umbau sowie Kontrollen konsequent an Unfallschwerpunkten ausgerichtet werden.

Alkohol und Drogen als tödliche Gefahr

Alkohol und Drogen am Steuer sind eine oft unterschätzte Gefahr. 2025 stieg die Zahl der Alkoholunfälle leicht um 1,5 Prozent auf 4.857. Dabei kamen 30 Menschen ums Leben - nach 36 im Vorjahr. Unfälle unter Drogeneinfluss wurden zwar seltener registriert - 692 Fälle bedeuten ein Minus von 3,5 Prozent. Dennoch kamen dabei mit 16 Menschen mehr als halb so viele Menschen ums Leben wie bei den wesentlich häufigeren Alkoholunfällen.

Zudem gab es ein deutliches Plus von 9,4 Prozent bei den Fahrern, die unter Drogeneinfluss erwischt wurden. Mehr als die Hälfte davon stand unter Einfluss von Cannabis. „Die Legalisierung von Cannabis durch die „Ampel”-Regierung war eine klare Fehlentscheidung mit gravierenden Folgen. Wir sehen heute: Mehr Fahrten unter Cannabiseinfluss bedeuten erheblich mehr Gefahren für alle Verkehrsteilnehmer“, bilanzierte Herrmann. Er forderte deshalb: „Die Gesetze müssen im Sinne der Verkehrssicherheit angepasst werden.“

Maßnahmen für mehr Sicherheit im Straßenverkehr angekündigt

Der Minister kündigte an, dass die Polizei heuer verstärkt gegen Temposünder vorgehen und mehr Geschwindigkeitskontrollen durchführen werde - und vor allem die Sicherheit auf den Landstraßen in den Fokus nehmen werde. Auch der Schwerverkehr stehe erneut im Mittelpunkt der Kontrollen. Ein besonderes Auge werden die Beamtinnen und Beamten auch auf die Fahrtüchtigkeit der Fahrzeugführer haben und besonders auf den Einfluss von Alkohol, Cannabis und anderen Drogen achten. 

TÜV fordert mehr Einsatz im Kampf gegen Verkehrsopfer

Dem TÜV-Verband geht das nicht weit genug. „Die Unfallstatistik 2025 zeigt: Die bisherigen politischen Maßnahmen reichen in Wirkung und Umsetzung nicht aus“, betonte die TÜV-Fachreferentin für Verkehrssicherheit, Fani Zaneta, mit Blick auf die ebenfalls am Mittwoch veröffentlichten bundesweiten Unfallzahlen. „Wir müssen an den Stellschrauben drehen, die nachweislich Leben retten.“ 

Dazu gehörten eine fehlerverzeihende Infrastruktur, besonders an Unfallschwerpunkten, eine konsequente Regelüberwachung und Tempo-Management sowie die schnelle Verbreitung wirksamer Fahrzeugsicherheitsfunktionen. „Und wir müssen Menschen befähigen, kompetent und sicher am Verkehr teilzunehmen. Das ist angesichts eines immer komplexer werdenden Verkehrssystems heute wichtiger denn je.“ 

In diesem Punkt geht Zaneta mit Herrmann konform, der forderte, dass die geplante Reform der Fahrschulausbildung nicht zulasten der Ausbildungsqualität und der Prüfungsanforderungen gehen dürfe. Deutschland hat sich mit dem Verkehrssicherheitsprogramm 2021–2030 vorgenommen, die Zahl der Verkehrstoten bis 2030 um 40 Prozent zu senken.

© dpa-infocom, dpa:260225-930-734015/2


Von dpa
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