Rothenburg: Die „Frauen nach Krebs” feiern 40 Jahre, sich selbst und das Leben | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 10.03.2026 21:00

Rothenburg: Die „Frauen nach Krebs” feiern 40 Jahre, sich selbst und das Leben

Traudl Reingruber, Angelika Emmert und Monika Krauss (von links) helfen in der Selbsthilfegruppe für Frauen nach Krebs Menschen mit der Krankheit umzugehen.  (Foto: Stefan Neidl)
Traudl Reingruber, Angelika Emmert und Monika Krauss (von links) helfen in der Selbsthilfegruppe für Frauen nach Krebs Menschen mit der Krankheit umzugehen. (Foto: Stefan Neidl)
Traudl Reingruber, Angelika Emmert und Monika Krauss (von links) helfen in der Selbsthilfegruppe für Frauen nach Krebs Menschen mit der Krankheit umzugehen. (Foto: Stefan Neidl)

Wie umgehen mit einer Krebsdiagnose? Für viele bricht zunächst ihre Welt zusammen. Doch in Selbsthilfegruppen können Menschen Halt finden. Traudl Reingruber gründete vor 40 Jahren eine solche in der Stadt.

Eigentlich war die Gründung der Selbsthilfegruppe für Frauen nach Krebs eine Trotzreaktion: Als Traudl Reingruber 1986 als Sozialbeauftragte in die Vorstandschaft des Roten Kreuzes aufgenommen wurde, war sie dort von den etablierten Funktionären, meist ältere Männer, nicht gerne gesehen. Doch Reingruber dachte sich nur eins: „Euch zeig ich's.”

Genug von schlechten Nachrichten

Die heute 85-Jährige sah sich das Angebot des Kreisverbandes an und stellte fest: Für Betroffene von Krebs gab es gar nichts. Und so nahm Reingruber das in die Hand und gründete die Selbsthilfegruppe für Frauen nach einer Krebsdiagnose. Im Oktober 1986 fand die erste Sitzung mit einem Dutzend Frauen statt. Die Betroffenen erzählten von sich, fanden Trost, erlebten Mitgefühl. Reingruber organisierte die Treffen, überlegte sich Themen und suchte Expertinnen und Experten – diese mussten nicht unbedingt Mediziner oder Medizinerinnen sein. Eins war für sie von vornherein klar: „Wir wollten kein Selbstbemitleidungsverein sein. Die meisten Frauen hatten durch ihre eigenen Erfahrungen genug von schlechten Nachrichten.”

Darum achtet sie meist auf eine heitere Stimmung in den Sitzungen. Oft gibt es auch Aktivitäten außerhalb der Sitzungen: Die Frauen gehen Eis essen und Kaffee trinken. Einmal im Jahr gibt es einen Ausflug. Anlässlich des 40-jährigen Bestehens geht es zum Beispiel nun im April in den Landtag nach München. Es kommen auch Vorschläge der Mitglieder selbst, was sie gerne machen und wohin sie gerne gehen würden.

Bei Krebs kann der Tod unausweichlich sein

Doch bei Krebs kann der Tod unausweichlich sein, und manche Mitglieder verlassen die Gruppe auf ihrem Weg für immer. Wie gehen Reingruber und die Selbsthilfegruppe damit um? „Dann wird es schon mal traurig. Aber wir verdrängen das dann eher.” Nach einer Weile reden sie dann über die Person und gedenken so ihrer.

Zeitweilig nahmen bis zu 25 Frauen an den monatlichen Treffen teil. Trotz des Erfolgs fand Reingruber in der Vorstandschaft des Roten Kreuzes aber nicht die Anerkennung, die sie erwartete, so dass sie aus dieser Organisation ausschied. Die Leitung der Selbsthilfegruppe behielt sie aber und führt sie seit mittlerweile 40 Jahren.

Anderen Frauen Mut machen

Monika Krauss aus Leuzenbronn und Angelika Emmert aus Rothenburg hatten selbst Krebs. Darum besuchten sie die Gruppe. Emmert bekam einst 1993 und noch einmal 2002 die Diagnose Brustkrebs. Aber die heute 75-Jährige ist eine Kämpferin: „Als ich von der Gruppe erfuhr, sagte ich mir: Ich gehe da hin, und wenn ich hinkrabbeln muss. Was die anderen Frauen können, das kann ich auch.” Für sie war es ein schönes Gefühl, nicht allein mit der Krankheit zu sein. Den Krebs hat sie zweimal besiegt, ist heute gesund. Der Austausch hat ihr geholfen: „Man hört immer nur von denen, die verstorben sind, aber nicht von denen, die überleben.”

Die 65-jährige Krauss erfuhr vor zehn Jahren, dass sie Gebärmutterhalskrebs hatte. Eine Bekannte nahm sie mit zur Selbsthilfegruppe. Die Atmosphäre überraschte sie: „Alle waren nett.” Auch sie ist heute krebsfrei, ist Reingrubers Stellvertreterin und besucht, wie Emmert, regelmäßig die Treffen – auch um anderen Frauen zu helfen und Mut zu machen.

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