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Veröffentlicht am 02.11.2023 07:10

Schauspieler Levent Özdil erfüllt sich einen Traum

Fans der bayerischen Kultserie „Dahoam is Dahoam“ haben Levent Özdil in einem Café erkannt und sich ein Autogramm ergattert.
Fans der bayerischen Kultserie „Dahoam is Dahoam“ haben Levent Özdil in einem Café erkannt und sich ein Autogramm ergattert.
Fans der bayerischen Kultserie „Dahoam is Dahoam“ haben Levent Özdil in einem Café erkannt und sich ein Autogramm ergattert.

„Dürfen wir kurz stören? Sie sind doch der aus der Werkstatt?“ Zwei Frauen kommen an den Tisch in dem Café, an dem Levent Özdil gerade seinen Cappuccino trinkt. Der Bad Windsheimer Schauspieler hat sich einen Traum erfüllt, Ende November feiert das erste Stück seines Theaters in der Stadt Premiere.

„Er ist es. Tatsächlich“, beantwortet die eine der beiden ihre Frage selbst, nachdem sie ihn von oben bis unten noch einmal aus direkter Nähe gemustert hatte. Die beiden sind außer sich vor Freude, lassen sich ein Autogramm auf eine Serviette schreiben. Am Parkplatz hatten sie Levent Özdil gesehen.

Sie sind ihm auf Drängen einer weiteren Freundin gefolgt, die sich auf der Heimfahrt nach Iphofen das Gerätsel, ob er es denn nun war oder nicht, ersparen wollte. „Da hat sich unser Besuch in Bad Windsheim ja gelohnt.“ Schnell noch ein Foto als Beweis für daheim, dann kann Özdil sich wieder seinem Cappuccino widmen.

Seine Serienfigur Tuncay Kaya hatte in der bayerischen Kultserie „Dahoam is Dahoam“ eine immer tragendere Rolle gespielt. Nach dem Bremsscheibenskandal, bei dem er Billigteile aus China verbaute, flog der Mechatroniker aus der Werkstatt. Seitdem passiert es Levent Özdil häufig, dass er von Fremden angesprochen wird. Seit 2011 spielt der 47-Jährige, mit den zurückgegelten schwarzen Haaren und dem Dreitagebart, in der Serie. Momentan ruht seine Rolle. Zeit, um sich anderen Dingen zu widmen.

Durch Rießbeck auf die Bühne

Die Schauspielerei hat der gebürtige Bad Windsheimer Ende der zwölften Klasse für sich entdeckt. Maximiliane Rießbeck war damals neu ans Steller-Gymnasium gekommen. Die junge Lehrerin hat die Theatergruppe übernommen. Özdil war begeistert von ihrer ersten Aufführung, Bertolt Brechts Inszenierung von Der gute Mensch von Sezuan. „Es war so schön erfrischend, ganz anders, als das, was man vom Gymi kannte. Ich hab’ die Vorstellung gesehen und hatte das Gefühl: Ich muss auf die Bühne.“ Das setzte er im folgenden Jahr um.

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Nach dem Abitur studierte Levent Özdil. „Altes Denken: Ich muss studieren, sicherer Arbeitsplatz und so.“ Germanistik, Politik, Pädagogik, dann Englisch und Psychologie auf Lehramt – „Ich hab’ viel gewechselt und ausprobiert.“ Lehramt sei nichts für ihn, das habe er im Praktikum gemerkt. Schließlich habe er in einer Redaktion, die unter anderem Fernsehprogramme als Beilagen erstellt, gearbeitet. Insgeheim wusste Levent Özdil, dass er das nicht sein Leben lang machen wollte, sondern viel lieber selbst im Fernsehprogramm angekündigt werden will.

2009 kündigte er. Kurzfilme und Theaterstücke habe er nebenbei schon immer gedreht und geschrieben. „Ich hab’ erst mit 33 Jahren das ernst genommen, was ich eigentlich immer wollte.“ Vom Schauspiel habe er wenig Ahnung gehabt, musste schauen, wie er in den Beruf kommt. Als Kleindarsteller hat er sich in eine Kartei aufnehmen lassen. Über die Agentur ist er dann zu Dahoam is Dahoam gekommen, obwohl er eigentlich als Komparse für die Krimiserie „Der Alte“ angefragt wurde.

Serie sucht einen Türken

„Darauf hatte ich echt keine Lust. Ich war auch gerade in so einer Phase, ich hab’ zu meiner Casterin gesagt: Ich bin Schauspieler, kein Komparse.“ Daraufhin meinte diese: „Das trifft sich gut, bei Dahoam is Dahoam suchen sie grad einen Türken“, erzählt Özdil. Ein paar Tage später kam der Anruf und Özdil war als Tuncay Kaya engagiert. 2012 startete er parallel seine Schauspielausbildung in München, hatte Glück, eine Schule zu finden, die ihn mit 35 Jahren noch genommen hat. Eine Agentur fand er in Hamburg, seither übernimmt eine Agentin die Verhandlungen von Gage und die Vermittlung Özdils, der gerne weiter für Film und Fernsehen arbeiten will.

Der Vater zweier Töchter arbeitete auch schon sechs Jahre lang als Klinikclown, machte freiberuflich Filmschnitte und war vor allem während der Pandemie als Lehrer und Theaterpädagoge im Einsatz.

Den Bad Windsheimern gut bekannt ist Özdil aus dem Freilandtheater, dort spielte er von 2014 bis heuer. Er leitete mit Stephanie Pfeifer das Projekt Theater to go. Am Freilandtheater habe er nun aufgehört, weil die Proben für Sommer- und Winterstück ihn zeitlich zu sehr binden würden und er seinen Traum, „mein eigenes Projekt zu machen“, sonst nicht umsetzen könnte.

Spontan sei ihm der Gedanke gekommen ein Theater in der Stadt ins Leben zu rufen. So etwas gibt es noch nicht in Bad Windsheim. Theater in der Stadt könne überall sein, der Gedanke an verschiedenen Orten zu spielen gefällt Özdil. Ein Stück mit Jugendlichen, in dem diese Figuren und Handlung gemeinsam mit ihm erarbeiten, könne er sich gut vorstellen. Dabei interessiert ihn vor allem, welche Themen die Jugendlichen beschäftigen.

Spontan erfolgten für seine erste Produktion auch die Aufrufe in den sozialen Netzwerken im Internet nach Amateurschauspielern und einem Spielort. Sabine Detsch vom Förderverein Klosterchor bot sofort das Kloster an, in dem sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen konnte und unter dessen Dach sich das Projekt formieren konnte.

Seit Anfang Oktober probt das Ensemble im Kloster. Bei manchen laufe es schon richtig gut, andere müssen noch Text lernen. Ganz zufrieden ist Özdil noch nicht, es ist aber ja noch etwas Zeit bis zur Premiere am 23. November. Kurzfristig sei ihm eine Schauspielerin ausgefallen, dafür engagierte Özdil nun einen Profi aus dem Freilandtheater. Für das sei das Theater in der Stadt keine Konkurrenz, thematisch verfolgen beide völlig unterschiedliche Ansätze, so Özdil. Und auch zeitlich gesehen kollidieren die Aufführungen beider Theater nicht, das Freilandtheater spielt im Freilandmuseum, Özdils Theater in der Stadt.

70 Plätze im Warmen

Zunächst plant Levent Özdil, der bei der Organisation und Werbung von seiner Frau Nicole Paskow und seiner Schwester Özlem Dogan unterstützt wird, fünf Vorstellungen, für die im beheizten Klosterchor jeweils 70 Tickets zur Verfügung stehen. „Ich muss sehen, wie ich das Publikum erreichen kann.“

Sein erstes Stück heißt „Was bleibt“. In ein Genre einordnen, kann er das Werk nur schwer: „Dramödie trifft es wohl am ehesten“, sagt Özdil, nachdem er eine Weile überlegt hat. Zwischenmenschliche Beziehungen seien das, was er gerne beleuchtet. Darum geht es in dem Erinnerungsstück. Im Kloster wird eine Kiste gefunden. Darin sind fünf Erinnerungen. Ob das Erinnerungsministerium diese in sein Archiv aufnehmen wird, das ist die Frage, die die Zuschauer nach Reflexion der verschiedenen Erinnerungen, beantwortet bekommen.

„Was bleibt“ ist auch eine Frage, die irgendwann jeden beschäftigt. Woraus bestehen Erinnerungen? Was geschieht mit denen, die wir vergessen? Im historischen Klosterchor wird das Publikum erleben, wie in alten Gemäuern Geschichten wieder lebendig werden, an die sich scheinbar niemand mehr erinnert, heißt es in der Ankündigung.

Die Musik zum Stück hat Christian Glowatzki aus Ergersheim geschrieben, er spielt am E-Piano. 100 Minuten wird die Vorführung etwa dauern. Und wie geht es nach dem Auftakt mit dem Theater in der Stadt weiter? Ein weiteres Stück könne er schon aus der Schublade ziehen, eines ist in Arbeit und: „Eine weitere Idee hab’ ich auch schon wieder im Kopf.“

Die Vorstellungen finden am 23., 24. und 25. November und am 1. und 2. Dezember im Klosterchor in Bad Windsheim statt. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. Tickets gibt es unter www.theater-in-der-stadt.de.


Katrin Merklein
Katrin Merklein
Redakteurin
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