Schmuckes Denkmal: Der Umzug des Trafohauses aus Leutershausen hat begonnen | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 08.12.2025 18:19

Schmuckes Denkmal: Der Umzug des Trafohauses aus Leutershausen hat begonnen

Dreieinhalb Tonnen am Haken: Für das Turmdach war der Autokran eigentlich überdimensioniert. Aber nach der „Aufwärmübung” wird er bei den nächsten beiden Etappen deutlich stärker gefordert.  (Foto: Wolfgang Grebenhof)
Dreieinhalb Tonnen am Haken: Für das Turmdach war der Autokran eigentlich überdimensioniert. Aber nach der „Aufwärmübung” wird er bei den nächsten beiden Etappen deutlich stärker gefordert. (Foto: Wolfgang Grebenhof)
Dreieinhalb Tonnen am Haken: Für das Turmdach war der Autokran eigentlich überdimensioniert. Aber nach der „Aufwärmübung” wird er bei den nächsten beiden Etappen deutlich stärker gefordert. (Foto: Wolfgang Grebenhof)

Ein Industriedenkmal geht auf die Reise: Am Montag ist das erste von vier Teilen des Leutershäuser Trafohäuschens am Gasberg per Tieflader in seine neue Heimat im Bad Windsheimer Freilandmuseum geschickt worden. Ein Kran verfrachtete das für den Transport aufwändig präparierte Mansarddach. Alles verlief reibungslos.

Eigentlich hätte der markante, über 100 Jahre alte Turm, der längst ausgedient hat, schon vor zwei Jahren abgerissen werden sollen. Doch Stadträte mit Sinn für Denkmalschutz intervenierten, das Häuschen wurde in Privathand verkauft und sollte eigentlich als witziges „Tiny-House”-Quartier genutzt werden – doch nun dient es bald als Anschauungsobjekt dafür, dass Zweckbauten einstmals nicht nüchtern und zweckmäßig, sondern schmuck und filigran gestaltet wurden.

Zieht bald nach Bad Windsheim um: Das Trafohaus „Station 1”, das seit über 100 Jahren am Gasberg in Leutershausen steht.  (Foto: Gudrun Bayer)
Zieht bald nach Bad Windsheim um: Das Trafohaus „Station 1”, das seit über 100 Jahren am Gasberg in Leutershausen steht.  (Foto: Gudrun Bayer)

Über 100 Jahre alt: Trafohaus aus Leutershausen kommt ins Fränkische Freilandmuseum

Das schief gewordene Gebäude wird vor dem Abriss bewahrt: Es bekommt eine neue Heimat in Bad Windsheim.
21.09.2025 07:00
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Doch wie verfrachtet man ein etwa zehn Meter hohes Gebäude, an dem der Zahn der Zeit deutliche Spuren in Form von Rissen im Gemäuer hinterlassen hat? Zimmerermeister Thomas Lederer aus Flachslanden ist Fachmann für solche „Translozierungen”. Denkmalgeschützte Häuser möglichst in ganzen Teilen zu versetzen „ist am schonendsten für die Substanz”, sagt er.

Nach einem gründlichen, verformungsgerechten Aufmaß war es die Aufgabe von Lederer und seinem Team, in Absprache mit Projektleiter Sebastian Lieb vom Bezirk Mittelfranken und Restaurator Dieter Gottschalk vom Fränkischen Freilandmuseum ein Konzept für den Abbau zu entwerfen. An welchen Stellen wird der Turm geteilt? Wie werden die einzelnen Segmente so stabilisiert, dass sie den Transport unbeschadet überstehen?

Massive Balken stützen den alten Dachstuhl

Der Zimmerer hat viel Erfahrung mit solchen Aufgaben, hat schon mehrfach für das Museum gearbeitet. Mit seiner Mannschaft präparierte er das für diesen Zweck nur zum Teil abgedeckte Dach mit seiner kugelbewehrten Spitze aus Ton, indem er massive Balken einzog, die den alten Dachstuhl quasi tragen. Stuckteile und die Decke wurden mit schützenden Brettern versehen.

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Auch am Steuer des für diese vergleichsweise leichte Aufgabe eigentlich überdimensionierten Kranes setzte das Team auf einen bewährten Mann. Er musste mit Fingerspitzengefühl das mit Holznägeln auf der Mauerlatte fixierte Dach sanft anheben und dann so behutsam auf dem Tieflader platzieren, dass es sich nicht verwindet.

Stahlkorsett wird die Turm-Etagen stabilisieren

Eine Übung, die gelang wie geplant. Nach kaum zwei Stunden saß Teil eins von vier fest verzurrt auf der Ladefläche, bereit zur Fahrt von der Altmühl an die Aisch. In den nächsten Tagen werden die Zimmerer nun die zweite Etage des Trafohäuschens abtrennen, mit einem Stahlkorsett versehen und bereit machen für die Reise. Mit rund zehn Tonnen werden dieses und das dann folgende dritte Turmteil deutlich schwerer sein als der Dachstuhl und den großen Autokran dann auch mehr fordern als die „Aufwärmübung”.

Das Erdgeschoss mit seinen breiten Rissen wird wohl nicht in einem Stück ins Museum gelangen: Die Basis des Häuschens wird vermutlich zerlegt und im kommenden Jahr vor Ort aus den alten, massiven Klinkersteinen neu gemauert. Dieter Gottschalk, für den Wiederaufbau in Bad Windsheim zuständig, ist zuversichtlich, dass der Umzug noch in diesem Jahr abgeschlossen werden kann: „Das schaffen wir schon.”


Wolfgang Grebenhof
Wolfgang Grebenhof
Redakteur in der Lokalredaktion Ansbach seit 1992. Schwerpunktmäßig zuständig für den Raum Leutershausen. Heimatverbunden und weltoffen, regional verwurzelt und global neugierig.
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