Odysseus war, der Sage nach, ein ganzes Jahrzehnt unterwegs. Die Suche nach einer adäquaten Nutzung des historischen Komplexes Rathaus/Schramm-Haus ist, wenn man diese Parallele zulassen will, die Ansbacher Irrfahrt schlechthin: Seit 2004 werden dafür Lösungen gesucht und Ideen regelmäßig wieder verworfen. Nun liegt eine neue Möglichkeit auf dem Tisch.
Es ist fraglos ein recht trauriger Anblick, den das zusammengehörige Ensemble in bester Lage am Martin-Luther-Platz seit Jahren abgibt. Das geschichtsträchtige Rathaus steht – abgesehen von der Ratsapotheke im Erdgeschoss – leer. Der dazugehörige Innenhof ist bei fließenden Übergängen irgendwo zwischen Rumpelkammer und Baustelle einzuordnen.
Dem Anspruch, mit der Benennung der Remise an den von den Nazis in den letzten Kriegstagen ermordeten Robert Limpert zu erinnern, trägt die Gestaltung keine Rechnung. Und das gleich daneben liegende Schramm-Haus? Ebenfalls ein Bild des Jammers, sagen nicht wenige Stadträte, ohne dafür Widerspruch zu ernten.
Das viergeschossige Gebäude am Martin-Luther-Platz 3 stammt im Kern aus dem 16./17. Jahrhundert und steht wie so viele andere Häuser im Herzen der Stadt unter Denkmalschutz. Einst hatte es die Stadt erworben, um das benachbarte Rathaus barrierefrei erschließen zu können. Es sollte ebenfalls als Verwaltungsstandort dienen.
Wie man längst weiß, hat es auch diese Idee nicht bis zur Verwirklichung geschafft. Wie so einige andere gut gemeinte Ansätze: Selbst der Abriss, sodass nur noch die Fassade an die Historie erinnerte, stand schon zur Disposition. Und ein Verkauf an einen privaten Investor, der Häuser-Sanierungen im Altstadtbereich bereits mustergültig umgesetzt hat, kam ebenfalls nicht zu Stande.
Zuletzt hatten Hochbauamts-Chef Dr. Frank Simons und Kulturreferentin Nadja Wilhelm im Sommer 2023 ein neues Konzept präsentiert. Der Komplex sollte zu einem „Wohnzimmer in der Stadt“ gemacht werden und zur Belebung der City beitragen. Demnach war vorgesehen, die Touristen-Information ins Rathaus zu verlegen, auch die Kämmerei sowie die Stadtkasse sollten dorthin zurückkehren. Und der Rathaus-Innenhof sollte gastronomisch für Veranstaltungen oder Empfänge der Stadt genutzt werden. „Wir müssen bei diesem Projekt endlich weiterkommen“, erhöhte Jochen Büschl, Leitender Baudirektor, den Druck und komprimierte die Dringlichkeit in einen Satz: „Das zerbröselt uns sonst unter den Fingern.“
Doch schnell war klar, dass sich auch dieses Konzept nicht realisieren lässt. „Ein überdachter Hof am Schramm-Haus, ähnlich wie die Überdachung des Grünen Gewölbes in Dresden, wäre schön. Aber das ist die Kür, unsere Pflicht sind unsere Bildungseinrichtungen. Da haben wir einen riesigen Investitionsstau“, erklärte Oberbürgermeister Thomas Deffner gegenüber der FLZ.
Wegen des finanziellen Engpasses wurde 2023 die Sanierung des Komplexes wieder aus dem Haushalt gestrichen und findet sich nun erst in der Finanzplanung für 2027 wieder. Mit einer Privat-Initiative könnte nun wieder Bewegung in die schier unendliche Geschichte kommen.
Der Stadt liegt eine Anfrage vor, das Erdgeschoss des Schramm-Hauses für mehrere Jahre zu mieten, herzurichten und es als Pop-up-Galerie zu nutzen. Wie im Bauausschuss zur Sprache kam, soll der Mieter bereit sein, eine sechsstellige Summe zu investieren. Im Gegenzug werden die Räume mietfrei überlassen, berechnet werden sollen lediglich die Nebenkosten.
„Alle erforderlichen Umbau- und Anpassungsarbeiten sollen im Hinblick auf das geplante Nutzungskonzept als Bürgerfoyer erfolgen“, schreibt die Stadt dazu. „Bevor da nichts passiert, halten wir das für sinnvoll“, befand Hochbauamts-Chef Dr. Frank Simons.