Peter Klipfel ist Gastwirt aus Leidenschaft. Seit 32 Jahren führt er das ehemalige Café Edelhof im Herzen der Altstadt Wassertrüdingens als „Pils Pub“ und hat viele Stammgäste, die diese urige Kneipe schätzen und lieben. Der harte Kern seiner Stammgäste hat wegen des dramatischen Vorfalls an Ostern eine Spendenaktion initiiert, bei der nach aktuellem Stand über 18.000 Euro zusammenkamen.
Erlebt hat Peter Klipfel, den in Wassertrüdingen (Landkreis Ansbach) alle nur „Geier“ nennen, so etwas noch nie. Ein Gast hatte sich am Abend des Karfreitag an der Theke unterhalten, und später die Kneipe verlassen. In der Nacht auf Karsamstag verschaffte er sich mit Gewalt Zutritt in die bereits geschlossene Gaststätte. Als der Eindringling eine Waffe zog, flüchtete Peter Klipfel, sperrte den ungebetenen Gast ein und alarmierte die Polizei.
Erst durch einen SEK-Einsatzkonnte der 52-Jährige festgenommen und aus der Gaststätte herausgebracht werden. Zwischenzeitlich hatte er unzählige Flaschen, Getränkekisten und Gläser mit einem Hammer zerschlagen, die Küche in Brand gesteckt und den Gastraum verwüstet. „Der gesamte Boden war mit Scherben übersät, eine Woche haben wir nur aufgeräumt“, berichtet Klipfel.
Der Vorfall ging wie ein Lauffeuer durch Wassertrüdingen – auch Max Bößenecker, Andreas Antoni und Peter Antoni erreichte die Nachricht schnell. Sie sind regelmäßige „Geier-Gäste“ und wollten helfen. Flugs wurde eine Spendenaktion in sozialen Medien in der Gruppe „helfende Geier“ initiiert, bei der binnen wenigen Tagen über 18.000 Euro eingingen.
Eine Herzensangelegenheit sei diese Hilfsaktion gewesen, stellt Peter Antoni klar. „Die Kneipe ist eine Institution und ein Treffpunkt für alle Generationen, für alle Nationen, für alle Interessenslagen, gleich ob Lehrling oder Professor“, fasst Max Bößenecker die Gastklientel zusammen.
Zum Beispiel war ein Fernsehteam, das eine Serie im Schloss Dennenlohe drehte, immer abends zu Gast und genoss das Flair der Kneipe, erinnert sich Peter Klipfel anhand eines fröhlichen Erinnerungsfotos, oder dass eine englische Mädelsgruppe, Teilnehmerinnen bei „Tough Mudder“, die Kneipe abends zum Kochen brachte. Gelernt hat der in Ehingen/Hesselberg und Obermichelbach aufgewachsene Klipfel den Beruf des Metzgers, war in der Region und im Schwäbischen tätig und kam Ende der 1980er Jahre nach Wassertrüdingen.
Er erfuhr, dass das aus dem 18. Jahrhundert stammende Gebäude, seit rund 200 Jahren als Weinhandlung und Gastwirtschaft genutzt und bis 1981 als weithin bekanntes „Café Edelhof“ betrieben, verpachtet werden soll. Klipfel pachtete die Gaststätte und verlieh ihr ihren heutigen Charme. Das soll auch so bleiben, versichert Klipfel, denn vor fünf Jahren hat die Zimmerei Stark aus Auhausen das Gebäude gekauft und will im Obergeschoss Wohnungen einbauen. Angepeilt sind die Bauarbeiten ab Mitte nächsten Jahres. In der Kneipe werden kleinere Sanierungen durchgeführt. Sie soll aber ihren Charakter behalten und wird vom „Geier“ weiterbetrieben. Denn das Urige zeichnet die Kneipe aus.
Die Reaktion auf die Ereignisse an Ostern hat Klipfel gefreut. „Ich bin wahnsinnig dankbar dafür“, gibt er seinen Gästen im Gespräch zurück, denn „die Kneipe ist mein Leben“. Mit der spontanen Hilfsbereitschaft habe er nicht gerechnet, er war emotional heftig berührt.
Freunde fuhren nach Stuttgart und holten eine Kücheneinrichtung, die bestehende Küche war wegen der Brandstiftung des Eindringlings unbrauchbar, beim Aufräumen wurde geholfen und es gab auch aufmunternde Worte nach dem Schock. Damit wurde der Zusammenhalt zwischen den Gästen und dem Wirt gestärkt. Bei den Helfern und Spendern will sich Peter Klipfel mit einem großen Fest im Sommer bedanken – vor „seiner“ Kneipe in der Marktstraße in Wassertrüdingen.