Einige Branchen befinden sich seit geraumer Zeit in der Krise. Dass auch Automatenbauer Sielfaff aus Herrieden Kurzarbeit anmelden musste, ist auf den ersten Blick überraschend. Der neue Geschäftsführer Bernd Enser erklärte die Hintergründe.
Das Automaten-Geschäft, diesen Eindruck konnte man zumindest zuletzt gewinnen, boomt. Auch in Stadt und Landkreis Ansbach bieten immer mehr Direktvermarkter ihre Produkte über diese Verkaufsflächen an. Es sei zwar schwierig abzuschätzen, wie viele Sielaff-Automaten in der Region aufgestellt sind, „sichtbar werden aber definitiv immer mehr“, hatte das Unternehmen vergangenes Jahr in der FLZ dazu erklärt.
Allerdings fallen diese einzelnen Automaten in Summe kaum ins Gewicht, wie Enser verdeutlichte. Denn auch die Automaten-Branche – und so schließt sich der Kreis – ist abhängig von der produzierenden Großindustrie, vor allem von der Autobranche. Da es dieser schon seit längerem nicht gut gehe, würde derzeit vieles, was nicht nötig sei, abgesagt oder verschoben. „Da reden wir bei großen Unternehmen schnell mal von 2000 bis 3000 neuen Verpflegungsautomaten“, erklärte der Geschäftsführer, der diesen Posten erst zum Jahreswechsel von Robert Zahn übernommen hatte.
Das zweite große Geschäftsfeld für Sielaff sind neben den Verkaufsautomaten die Rücknahmeautomaten für Pfand. Und auch hier habe die aktuelle Weltlage dem Unternehmen einen Strich durch die Rechnung gemacht. So wollte Polen eigentlich zum Jahresbeginn ein Pfandsystem einführen. Eigens hierfür hatte Sielaff in Burgoberbach ein neues Werk in Betrieb genommen.
Aufgrund des Ukrainekrieges habe die polnische Regierung derzeit aber „andere Prioritäten“, so Enser. Die Einführung wurde kurzerhand auf frühestens Ende 2025 verschoben. Für Sielaff bedeutete das laut Geschäftsführer für dieses Jahr den Wegfall von Aufträgen im „mittleren zweistelligen Millionenbereich“. Am neuen Standort Burgoberbach habe man daher aktuell „zum Beginn einen Leerstand“, räumte Enser ein.
All das führte dazu, dass das Unternehmen für zwölf Monate Kurzarbeit anmeldete. Knapp 1000 der weltweit rund 1200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind hier in der Region tätig. Ziel der Maßnahme sei, „dass nicht ein Einziger entlassen werden muss“. In Summe, so Enser, gebe es keinen Grund zur Sorge. „2026 brauchen wir wieder Überstunden, da bin ich mir sicher.“