Škocjanske jame: Eine Reise durch Sloweniens Unterwelt | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 13.09.2026 00:07

Škocjanske jame: Eine Reise durch Sloweniens Unterwelt

In den Škocjan-Höhlen hat der Fluss Reka einen größten bekannten unterirdischen Canyons der Welt erschaffen. (Foto: Borut Lozej/Škocjan Caves Park/dpa-tmn)
In den Škocjan-Höhlen hat der Fluss Reka einen größten bekannten unterirdischen Canyons der Welt erschaffen. (Foto: Borut Lozej/Škocjan Caves Park/dpa-tmn)
In den Škocjan-Höhlen hat der Fluss Reka einen größten bekannten unterirdischen Canyons der Welt erschaffen. (Foto: Borut Lozej/Škocjan Caves Park/dpa-tmn)

Wir tauchen ein in die Dunkelheit. Immer weiter schlängelt sich der schmale Tunnel unter die Erde. Das Echo der Schritte hallt von den Wänden, Wasser tropft von der Decke. Mit jedem Schritt wird es kälter. Ganzjährig herrschen hier Temperaturen von lediglich zwölf Grad.

„Willkommen in den Höhlen von Škocjan!“, begrüßt uns Marija Fajdiga, als wir die gigantische Tropfsteinhöhle am Ende des künstlich angelegten Tunnels schließlich betreten.

Marija ist Tourguide im Regionalpark Škocjanske jame. Er befindet sich im Westen Sloweniens inmitten einer der bedeutendsten Karstlandschaften der Welt. Geologische Begriffe wie „Karst“ und „Doline“ haben hier ihren Ursprung. Regen und Verwitterungsprozesse haben in den wasserlöslichen Kalkstein, der die Region prägt, ein weit verzweigtes Netz aus Höhlen gegraben. So auch die beeindruckenden Škocjan-Höhlen.

Das Höhlensystem erstreckt sich über sechs Kilometer. Damit ist es zwar nicht das Längste in Slowenien – den Titel tragen mit gut 24 Kilometern die Höhlen von Postojna. Doch es kommt nicht immer auf die Größe an.

Die märchenhafte Tropfsteinlandschaft der Škocjan-Höhlen versetzt Touristen, Künstler und Wissenschaftler seit Jahrhunderten ins Staunen und spielt seit jeher eine bedeutende Rolle für die Erforschung der Erdgeschichte. Deshalb haben es die Škocjan-Höhlen als einzige in Slowenien auf die Unesco-Welterbeliste geschafft. Eine Ehre, die weltweit nur wenigen Höhlen zuteilwurde.

Es ist, als würde man eine fremde Welt betreten. Stalaktiten hängen in bizarren Formen von der Höhlendecke. Manche sind lang und breit, andere so dünn wie Spaghetti. „Manchmal fallen Stalaktiten auch von der Decke“, erzählt Marija. „Aber das passiert sehr selten. Das letzte Mal vor etwa 20 Jahren.“

Ein Zentimeter in 100 Jahren

Vom Boden wachsen Stalagmiten in ebenso verwunschenen Formen nach oben. Manche Tropfsteine erinnern an Wasserfälle, Pilze oder - aus gewissem Blickwinkel - sogar an Tiere. Mit einer Höhe von 15 Metern ist „der Riese“ nicht nur einer der größten Stalagmiten der Höhle, er sieht auch so aus, als wäre er einer Fabel entsprungen und hier zu Stein geworden.

Marija zeigt auf einen besonders langen Stalaktit, der seinen emporwachsenden Gegenspieler schon fast berührt: „Die beiden Tropfsteine dort drüben werden irgendwann zusammengewachsen sein.“ Bis es so weit ist, wird aber noch eine Weile vergehen. Denn um einen Zentimeter zu wachsen, brauchen Tropfsteine über 100 Jahre.

Die vielfältigen Kalksteingebilde bezaubern mit ihrer Farbenpracht: glitzerndes Weiß, Rostrot, knalliges Orange, Moosgrün, tiefes Schwarz und erdiges Braun. Marija erklärt: „Kalkstein ist von Natur aus weiß. Die vielen Farben entstehen, wenn Wasser Mineralien wie Eisen oder Kupfer sowie Bestandteile von Pflanzen mit sich führt und im Gestein ablagert.“

Das Höhlensystem zieht Forschende aus aller Welt in seinen Bann: Auf kleinem Raum tummelt sich eine Vielzahl außergewöhnlicher Karsterscheinungen, die über Jahrmillionen von diversen geologischen Prozessen geformt wurden und immer noch im Wandel sind. Škocjan ist ein Paradies für die Geowissenschaften.

Blinde Höhlenbewohner

So fremd diese Welt auf uns wirken mag, sie bietet zahlreichen Tieren ein Zuhause. Darunter auch sehr seltenen und teils bedrohten Arten. Hier unten, wo die Dunkelheit regiert und Nahrung rar ist, muss man ein wahrer Überlebenskünstler sein. Die meisten Höhlentiere sind winzig, farblos und blind.

Neben Käfern, Spinnen und Krebstieren hat es sich Sloweniens Nationaltier in den Škocjan-Höhlen gemütlich gemacht: der Grottenolm. Sein schlangenartiger Körper hat ihm seinen Ruf als „Drachenbaby“ in der slowenischen Folklore verschafft. Er ziert das Wappen der Stadt Postojna und kann in deren Höhlen unter strengen Schutzmaßnahmen auch live bewundert werden.

Marija führt uns weiter durch die Škocjan-Höhlen. Noch bevor wir das nächste Naturspektakel erblicken, können wir es hören: ein Rauschen, das mit jedem Schritt lauter wird. Wir stehen am Rande einer Schlucht.

Gigantischer unterirdischer Canyon

Stellenweise weit über hundert Meter ist sie tief. Unten brechen sich die türkisleuchtenden Wassermassen des Reka-Flusses tosend ihren Weg durch die Schlucht. Wir befinden uns in einem der größten bekannten unterirdischen Flusscanyons der Welt.

Trotz ihrer gewaltigen Ausmaße endet die Schlucht in einer relativ kleinen Engstelle. Das wird bei starkem Regen zum Problem. „Die enormen Wassermassen können nicht schnell genug abfließen, sodass die Höhle überflutet wird“, erklärt Marija. Bei der stärksten Überflutung stieg der Wasserpegel um 132 Meter an. Spuren des Hochwassers sind noch heute an der Felswand erkennbar.

Über den Canyon führt eine lange, schmale Brücke. Sie erinnert - wer sie kennt - unweigerlich an die Szene aus „Der Herr der Ringe“, in der Gandalf gegen den Balrog in den Minen von Moria kämpft. Unten am Felsen direkt über dem Fluss befindet sich zudem eine mit Stahlseilen gesicherte Passage. „Wir bieten auch Klettertouren an, die direkt über der Reka verlaufen“, berichtet Marija. „Das ist aber nur etwas für echte Adrenalin-Junkies.“

Auch hoch oben am Fels entdecken wir immer wieder Sicherungen für Kletterer. Lange bevor die Höhle für Besucher zugänglich gemacht wurde, hangelten sich Forscher nur mit Seilen gesichert an den steilen Wänden entlang - immer tiefer ins unbekannte Herz der Höhle hinein.

Schließlich erreichen wir den Ausgang der Höhle. Es ist Zeit, wieder an die Oberfläche zurückzukehren, wo das grelle Tageslicht uns kurz die Sicht nimmt. Marija verabschiedet sich und wir erkunden den Regionalpark Škocjanske jame auf eigene Faust weiter.

Unser Weg führt durch sattgrüne Wälder und vorbei an kleineren Höhlen. Die Reka ist unsere stetige Begleiterin. Nach 2,5 Kilometern und 700 schweißtreibenden Treppenstufen erreichen wir wieder das Besucherzentrum. Zurück im Alltag scheint es fast unwirklich, dass sich direkt unter unseren Füßen eine völlig andere Welt verbirgt.

Links, Tipps, Praktisches: 

Reiseziel: Der Regionalpark Škocjanske jame liegt im Westen Sloweniens.

Anreise: Mit dem Auto braucht man rund 50 Minuten von Ljubljana und 30 Minuten von der Küste bis zum Regionalpark Škocjanske jame. Mit dem Zug muss man etwa ab Berlin mit 11 Stunden Fahrt, ab München noch mit sechs oder ab Köln rund zwölf Stunden Fahrt rechnen.

Einreise: Es genügt ein gültiger Personalausweis.

Reisezeit: Die Höhlen können ganzjährig besichtigt werden. Es herrscht eine konstante Temperatur von 12 Grad, daher sollte man auch im Sommer an wärmere Kleidung denken.

Touren: Die klassische Tour durch die Höhlen ist 2,5 Kilometer lang und dauert 1,5 Stunden. Außerhalb der Höhle führen drei verschieden lange Wanderwege zurück zum Parkcenter. Je nach Monat kostet die Besichtigung 16 bis 24 Euro für Erwachsene. Für Kinder und Senioren gibt es Ermäßigungen.

Unterkunft: Die Höhlen bieten sich als Halbtags-Ausflug an, weshalb man nicht zwingend in der unmittelbaren Gegend übernachten muss. Wer dennoch eine Unterkunft in der Nähe sucht, wird in der Ortschaft Divača fündig.

Weiterführende Informationen: park-skocjanske-jame.si

© dpa-infocom, dpa:260912-930-676262/1


Von dpa
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