Die Höfe und Parkplätze sind leer. Die Stühle in den Klassenzimmern sind hochgestellt und die Wohnheimbetten unbenutzt: Sommerpause in den Triesdorfer Lehranstalten. Die Vorbereitungen auf das neue Schuljahr laufen im Hintergrund aber auf Hochtouren.
„Die einzige Schule, die auf hat, ist die Fahrschule”, sagt Markus Heinz, als er über den Hof zum Verwaltungsgebäude läuft. Viele junge Menschen nutzen die Ferien, um in wenigen Wochen einen Schlepperführerschein zu machen. Diese Kompaktkurse sind sehr beliebt, weiß Heinz.
Heinz ist der Direktor der Landwirtschaftlichen Lehranstalten (LLA) Triesdorf und überblickt damit alle Abteilungen. Jetzt ist für ihn und viele weitere Mitarbeiter die Zeit, alles startklar zu machen. Ein Blick in alle Bereiche.
Besonders stolz ist Heinz auf den Aufschwung in der Sparte Ernährung und Hauswirtschaft – dort tut sich gerade am meisten. Zwei Jahre lang lief in diesem Bereich wenig. Seit Anfang des Jahres gibt es aber ein neues Team. Ernährungsfachfrau Anke Bimmer bringt frischen Wind. Unterstützt wird sie von zwei Auszubildenden, die „sich stark einbringen”, lobt Heinz. Jetzt geht es wieder rund.
Zum Beispiel laufen schon die Planungen für den Welthauswirtschaftstag am 21. März, der sich rund um das Thema Gemeinschaftsversorgung drehen wird. Passend gewählt zum geplanten Mensa-Neubau der LLA, erklärt Heinz. Für Fachpublikum und die Erwachsenenbildung stehen zum Beispiel Ernährung bei Diabetes oder ein Kurs speziell zum Schmalzgebäck an. „Die Angebote reichen von vegan bis klassisch”, betont Heinz. Anke Bimmer kennt sich gut mit Allergenen aus und bietet deshalb unter anderem glutenfreie Osterbäckerei an.
Allein, weil es wieder etliche Angebote zur Ernährung und Hauswirtschaft gibt, wird die Broschüre für das Bildungsangebot ab September spürbar dicker sein. Neben den neuen oder reaktivierten Angeboten aller Abteilungen sind auch Dauerbrenner dabei, verrät Heinz. Besonders beliebt sind laut dem Direktor Anfängerkurse bei der Imkerei und der Geflügelhaltung sowie die Baumschnittkurse.
Letztere gehören zur Abteilung Pflanzenbau und Versuchswesen. Dort läuft gerade das erste Anbaujahr eines innovativen Projekts: Es geht um nachhaltige Proteinerzeugung aus Quinoa und Buchweizen. Zusammen mit der benachbarten Hochschule Weihenstephan-Triesdorf testen die Verantwortlichen in Zusammenarbeit mit Landwirten den Anbau der Pflanzen in der Region. In wenigen Wochen steht die Ernte an.
Aktuell haben die Projektmitarbeitenden auf Feldtagen über die Pflanzen informiert und die Idee gestreut. Um den Landwirten das Projekt schmackhaft zu machen, hat das Hauswirtschafts-Team Kuchen, Knäckebrot und Muffins mit Buchweizen und Quinoa gebacken. Das Zusammenspiel der Abteilungen sei eine große Bereicherung, lobt Heinz die Beteiligten bei einer Kostprobe in der Küche.
Aus der Abteilung Pflanzenbau hat Heinz noch einen Ferien-Tipp für alle Familien und Schulkinder: Der Triesdorfer Apfellehrpfad Via Mali hat dieses Jahr ein digitales Update bekommen. Mit einer App können nun alle Besuchenden Videos und Tonaufnahmen abspielen. Ein lehrreiches Erlebnis – auch ohne Führung.
Im Bereich der Energie und Landtechnik konzentrieren sich gerade viele Kapazitäten auf den Bau des neuen Fachzentrums. Trotzdem steht die Abteilung ganz und gar nicht still. „Die Auslastung steigt”, betont Heinz. Das begründet er unter anderem mit den Alleinstellungsmerkmalen, die Schüler aus nah und fern anziehen. Ein Beispiel: Triesdorf ist in ganz Süddeutschland der einzige Berufsschulstandort für die Ausbildung zur Fachkraft Agrarservice.
Gut angelaufen ist laut Heinz die neu gegründete Energieagentur. Derzeit starten die Mitarbeitenden die Wärmeplanung für zahlreiche Kommunen. Neben der Betreuung der Gemeinden und Städte werden auch Einzelberatungen geführt. Dabei geht es häufig um die Themen Biogas und PV-Anlagen, erklärt Heinz.
Die Abteilung Tierhaltung bereitet sich auf das Lehrhüten im September vor. Neu ist das nicht – es fand schon über 40 Mal statt. Bei der Zukunftswerkstatt Schwein – einem Gemeinschaftsprojekt der LLA und der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf – geht es aber mit großen Schritten Richtung Neuland. Im Laufe des Vorhabens soll ein zukunftsträchtiger Stall in Triesdorf gebaut werden. Nachdem viele Informationen gesammelt wurden, geht es jetzt in die Planung. Der Bau wird erst 2027 oder 2028 losgehen, schätzt Heinz.